Schwimmen und Alkohol: Experten warnen vor tödlicher Kombination

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Viele junge Leute verbringen laue Sommerabende am Mainufer – oft mit Alkohol. Angetrunken unterschätzen viele das Risiko, im Fluss schwimmen zu gehen.

Frankfurt –  Er hat am Mainufer getrunken und ist im Übermut in den Fluss gesprungen: Ein 19-Jähriger aus dem nordhessischen Bad Arolsen liegt seit vergangener Woche mit einer Querschnittslähmung im Krankenhaus. Ein Rettungsschwimmer und ein Arzt warnen davor, betrunken Schwimmen zu gehen. Vor allem im Main lauern Gefahren. Von Julia Renner

Unterhalb der Ignatz-Bubis-Brücke feierten die jungen Leute in der Nacht auf den 28. Juni. Der 19-Jährige sprang plötzlich kopfüber in den Main – und schlug auf dem Grund auf. „An dieser Stelle ist der Main nur etwa 90 Zentimeter tief“, sagt Peter Mauch, technischer Leiter Einsatz bei der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) Frankfurt.

Das Schwimmen im Main ist generell nicht erlaubt, weiß Mauch. Grund sind Brücken, Schleusen, Hafenausfahrten und Schifffahrtsrinnen. „Es gibt auch erhebliche Strömungen“, warnt der Rettungsschwimmer. Eine weitere Gefahr seien Untiefen und Müll: „Man weiß nie, worauf man landet, wenn man hineinspringt.“

Schon allein die Landung auf der Wasseroberfläche könne zur Bewusstlosigkeit führen. Die Ehrenamtlichen der DLRG weisen immer wieder darauf hin, dass Schwimmen im Main nicht erlaubt ist. „Wir haben aber nicht die Befugnis, jemanden aus dem Wasser zu verweisen.“

Schwimmen im Main ist verboten

Dass viele Leute – auch betrunken – gern nachts schwimmen gehen, sei mittlerweile ein häufiges Problem. „Es kommt nicht jedes Wochenende vor, aber es hat zugenommen.“ Für Peter Mauch sind Alkohol und Wasser eine tödliche Kombination.

Wer sich dann auch noch nachts ins kühle Nass stürzt, geht ein zusätzliches Risiko ein: Für die DLRG sei es schwieriger, jemanden im dunklen Gewässer zu finden. Der 19-Jährige hatte zumindest in dieser Hinsicht Glück: Ein Passant sprang sogleich hinterher. Ein Freund des jungen Mannes rettete den Verunglückten schließlich. Denn auch der Passant hatte sich beim Sprung verletzt. „Man sollte sich nicht in Lebensgefahr bringen, sondern sofort die Feuerwehr rufen.“

Dr. Stefan Wenzel, leitender Notarzt am Klinikum Offenbach, findet eines besonders gefährlich: „Alkohol enthemmt, das Großhirn wird ausgeschaltet, Gefahren werden unterschätzt.“ Hinzu kommen, dass Motorik und Gleichgewichtssinn beeinträchtigt sind. Wer trotzdem ins Wasser springt, zieht sich mitunter massive Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen zu, sagt der Arzt. Manche Schäden seien teilweise heilbar, andere jedoch irreparabel.

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