Spitzenplätze für Frankfurt und Offenbach, weil dort schneller angezeigt wird

Schwarzfahrer-Studie bringt die ganze Region in Verruf

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Eine Schwarzfahrerin wird auf frischer Tat von Straßenbahn-Kontrolleuren ertappt. Wenn sie 40 Euro zahlt, darf sie unbehelligt ihrer Wege gehen und taucht in keiner Statistik auf.

Frankfurt/Offenbach – In einer Schwarzfahrer-Studie belegen Frankfurt und Offenbach Spitzenplätze. „Zu Unrecht“, wehren sich die hiesigen Verkehrsgesellschaften. „Wir zeigen Schwarzfahrer nur schneller an. “. Von Christian Reinartz

Die Frankfurter und Offenbacher Verkehrsgesellschaften sehen ihre Städte deshalb zu Unrecht ins schlechte Licht gerückt. Denn nur die Zahl der angezeigten Schwarzfahrer ist überhaupt in die Statistik des Reiseportals reisen.de geflossen. In Relation gesetzt zu jeweils 100.000 Einwohnern, landet Frankfurt mit 1.541 Schwarzfahrern hinter Dortmund auf dem zweiten Platz. Auf Platz zwölf folgt die Stadt Offenbach. Doch gibt es im Rhein-Main-Gebiet wirklich so viele Schwarzfahrer, wie sonst nur selten in Deutschland?

„Definitiv nicht“, sagt Winfried Schmitz, Marketingleiter bei der Frankfurter Verkehrsgesellschaft Traffiq. Die Studie liefere für ihn keinerlei aussagekräftigen Inhalte. „Die Zahl der Anzeigen hat überhaupt nichts mit der Zahl der Schwarzfahrer zu tun“, sagt er. Seines Wissens nach liege die tatsächliche Quote von Schwarzfahrern mit etwa zwei Prozent in Frankfurt in einem ganz normalen Bereich.

In Frankfurt wird schneller angezeigt

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Warum Frankfurt trotzdem einen Spitzenplatz in der Statistik erreicht, glaubt er zu wissen. „Bei uns bekommen Schwarzfahrer viel schneller eine Anzeige, als in vielen anderen Städten“, erklärt er. So bekäme in Frankfurt ein Schwarzfahrer bereits eine Anzeige, wenn er zweimal innerhalb von 90 Tagen erwischt wird. „In anderen Städten erfolgt das erst nach fünf Malen“, sagt Schmitz. „Klar, dass die Zahlen bei uns dann hoch sind.“
Die Sprecherin der Offenbacher Verkehrsbetriebe Christine Wüst führt einen weiteren Punkt an, der die Zahlen beeinflusst: „Es hängt ja auch immer davon ab, wie oft und nachhaltig kontrolliert wird.“ zumindest in Offenbach sei man da sehr akribisch.

Sofortzahler fließen in die Statistik nicht ein

Dazu kommt: Wer etwa in Frankfurt ohne Ticket in den Öffentlichen erwischt wird, zahlt 40 Euro und geht seiner Wege. „Wir nehmen bei Sofortzahlern bisher keine Personalien auf“, sagt Winfried Schmitz. In die Statistik geht diese große Gruppe der Schwarzfahrer erst gar nicht ein. Wer kein Geld dabei hat, wird registriert. Danach schickt die Verkehrsgesellschaft eine Rechnung an die Heimatadresse, mahnt zweimal und beauftragt bei fortdauernder Nichtzahlung ein Inkassobüro. „Erst, wenn dann nicht gezahlt wird, erstatten wir Anzeige“, sagt Schmitz. „Und nur diese Fälle wandern in diese Statistik.“ Ähnlich ist das Prozedere in Offenbach.

Keine verlässliche Datenquelle

Beim Portal reisen.de rudert man zurück, als der EXTRA TIPP Sprecher Thomas Neubert mit den Vorwürfen konfrontiert: „Wir haben das überspitzt ausgedrückt, um das Thema in den Mittelpunkt zu rücken, denn die Schwarzfahrer nehmen zweifelsohne bundesweit zu.“

Verlässliche Daten für den Öffentlichen Nahverkehr gebe es aber nicht. „Wir haben bei allen größeren Städten angefragt und haben nur spärliche Rückmeldungen bekommen“, sagt Neubert. „Deswegen haben wir uns an den kleinsten Nenner gehalten, mit dem man sauber arbeiten konnte: Die Polizeistatistik. Wir gehen davon aus, dass diese in die richtige Richtung deutet.“

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