Schulen leiden unter Privat-Konkurrenz: Reiche wandern ab, Problemfälle bleiben

Dreieich - Die Zahl der Privatschulen in der Region steigt. Mittlerweile sind es schon zwölf - Tendenz steigend. Ganz neu: Die internationale Strothoff-Schule in Dreieich. Alle haben eins gemeinsam. Sie kosten Geld. Monat für Monat. Der Beitrag reicht von wenigen hundert bis hin zu rund 1800 Euro.

Dafür bekommen die Schüler ein Lernumfeld geboten, das seinesgleichen sucht: Genug Lehrer, wenig Krankheitsausfälle und Klassenkameraden, die ebenfalls aus einer gehobenen Schicht stammen.Marvin Krutzinna, ehemaliger zweiter Landesschulsprecher findet das ungerecht. "Das soll noch Chancengleichheit sein?", fragt er entrüstet: "Heute ist es doch so: Wer reich ist, kann sich eine bessere Bildung leisten. Das ist doch moralisch verwerflich." Er gibt dem Staat die Schuld an der Misere: "Die öffentlichen Schulen werden mit viel zu schlechtem Material ausgerüstet. Da braucht man sich nicht wundern, dass die Reichen ihre Kinder auf Privatschulen schicken."Bernhard Mott, Justiziar am staatliche Schulamt versucht abzuwiegeln: "Die Schüler-Klientel unterscheidet sich nicht maßgeblich von den staatlichen Schulen. Wenn Eltern ihre Kinder in eine solche Schule schicken, dann doch eher wegen dem pädagogischen Konzept."Was Bettina Otto vom Management der Strothoff-Schule sagt, mag dazu nicht recht passen: "Wer bei uns zur Schule geht bringt durch individuelle Förderung und gute Ausstattung bessere Leistung als auf einer staatlichen Schule."

Das kostet die Eltern über 20. 000 Euro Schulgeld pro Jahr. Dafür bekommen sie einen internationalen Abschluss und eine Ganztagsbetreuung. Sie bestätigt, dass die Schüler der Strothoff-Schule aus einer gehobenen Schicht kommen. "Zukünftig wollen wir aber auch Stipendien an besonders begabte Kinder vergeben", sagt Otto. Sie kann an dem Konzept nichts Negatives finden. "Viele Eltern sind mit den staatlichen Schulen unzufrieden und kommen deswegen zu uns."Marvin Krutzinna will seine eigene Schulzeit am staatlichen Mühlheimer Ebert-Gymnasium nicht missen. "Da habe ich gelernt, was auf einer Privatschule nicht unterrichtet wird. Etwa der Umgang mit Menschen aus unterschiedlichen Schichten und Ländern." Darin lägen die Chancen der staatlichen Schulen. "Hier pauken die Jugendlichen nicht nur Mathe und Deutsch. Hier lernen sie echte Toleranz."

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