Schuldnerberatung verzeichnet mehr Neufälle

Hochtaunus: Mittelständler tappen in die Schuldenfalle

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Hochtaunus – Auch in einem der reichsten Landkreise Deutschlands dreht sich die Schuldenspirale. Nicht nur karitative Angebote werden von immer mehr Menschen angenommen, die dortige Schuldnerberatung verzeichnet auch mehr Neufälle. Von Dirk Beutel 

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Wenn es einfach hinten und vorne nicht mehr reicht: Arbeitslosigkeit, private Schicksalsschläge, Konsumwahn – in die Schuldenfalle zu geraten, kann unterschiedliche Gründe haben. Und es kann jeden treffen. Jede gesellschaftliche Schicht ist betroffen. Das gilt auch für die wohlhabende Hochtaunus-Region, auch dort geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander: „Wir sehen, dass Verschuldung vermehrt Personen in mittleren Einkommensschichten trifft und, dass die Zunahme befristeter Arbeitsverhältnisse eine Verschuldung ebenso bedingt, wie Arbeitslosigkeit, auch wenn sie nur kurzfristig ist“, sagt Katrin Hechler.

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Dazu passt die Meldung dieser Woche, wonach sich ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland unerwartete Ausgaben von mehr als 940 Euro nicht leisten kann. Nach Zahlen der Erhebung Leben in Europa für 2012, die von Selbsteinschätzungen ausgeht, ist fast jeder Fünfte in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Auch notwendige höhere Anschaffungen oder Reparaturen können immer weniger nicht aus der eigenen Tasche bezahlen. Etwa jeder zwölfte Bundesbürger (8,2 Prozent) kann sich laut Statistik nicht einmal jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit leisten.

Karitative Kulturangebote werden verstärkt genutzt

Das bekommt auch der Hochtaunuskreis, eine der reichsten Regionen Deutschlands, immer mehr zu spüren. Soziale Angebote, wie etwa das der Tafel, haben längst ihre Belastungsgrenzen erreicht. Und auch das Angebot der Kulturloge Hochtaunus, deren Ziel es ist, Personen mit geringem Einkommen einen Zugang zur Kultur zu ermöglichen, wird immer öfter angenommen: „Wir haben jetzt schon über 800 Tickets für das laufende Jahr ausgegeben. Das sind rund 200 Karten mehr als im letzten Halbjahr 2013“, sagt Monika Haas, die Leiterin des Kulturlogen-Büros. Die Schuldner- und Insolvenzberatung des Hochtaunuskreises hat nach eigenen Angaben im Jahr 2012 mit laufenden Fällen aus den vergangenen Jahren und 272 Neufällen insgesamt 1205 Fälle bearbeitet. In 2013 sank zwar die Zahl der bearbeiteten Fälle leicht auf 1199, dagegen stieg die Zahl der Neufälle auf 278. In etwa 165 Fällen dieser Neufälle handele es sich um hochverschuldete Betroffene mit mehr als 20.000 Euro Verbindlichkeiten. Die Zahl der Gläubiger liege meist zwischen zehn und 30. In Einzelfällen kann es sich sogar um über 100 handeln. Die Zahl der Neufälle habe in den beiden Berichtsjahren wieder minimal zugenommen, erklärte die Kreisbeigeordnete Katrin Hechler. Schaut man sich die Zahlen genauer an, stellt man fest, dass 45 Prozent der Ratsuchenden 2012 Frauen, 55 Prozent Männer waren. Dagegen hat im Jahr 2013 der Anteil der Frauen zugenommen und betrug 49 Prozent, der der Männer schrumpfte leicht auf 51 Prozent. Die meisten der von Verschuldung und Überschuldung betroffenen Personen waren zwischen 30 und 49 Jahren alt. 2012 waren es 144, 2013 noch 134. Dies war auch in den vergangenen Jahren der Fall. Viel Arbeit für die Schuldner- und Insolvenzberatung: „Es geht darum, die Menschen im Gesamten zu stabilisieren und ihnen eine Perspektive zu geben“, sagt Hechler.

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