Obwohl er offenbar NPD-Sympathisant ist

Schüsse auf Asylheim: Angeklagt wegen Sachbeschädigung

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Hofheim/Frankfurt – Im April wurde das Flüchtlingsheim in Hofheim beschossen. Einer der beiden mutmaßlichen Täter, der Material aus der Nazi-Szene besaß, wird jetzt vom Jugendschöffengericht angeklagt. Ob ein rechtsradikales Motiv hinter der Tat steckt, bleibt offen. Von Dirk Beutel

 Die Täter schlichen sich heimlich an. Es war mitten in der Nacht zum 11. April, als sie auf die Flüchtlingsunterkunft in Hofheim schossen. Zehn Mal trafen die Kugeln das Containerlager. Dabei wurde eines der Fenster im ersten Geschoss getroffen und beschädigt. Zu diesem Zeitpunkt schwebte keiner der etwa 22 Insassen in Lebensgefahr. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von etwa 650 Euro. Doch die Tat sorgte für große Aufregung in der Kreisstadt. Schusswaffensachverständige des Landeskriminalamtes untersuchten die Kugeln. Es handelte sich dabei um sogenannte Rundprojektile aus Stahl. Einige Wochen nach der Tat nahm die Polizei am 28. Mai einen 18-jährigen Rüsselsheimer und einen jetzt 21-Jährigen Bad Sodener fest. Beide sind der Polizei bereits bekannt. Wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt auf EXTRA TIPP-Nachfrage mitteilt, wird der Bad Sodener wegen Sachbeschädigung vor dem Jugendschöffengericht angeklagt, da er vor dem Gesetz noch als Heranwachsender gilt.

Kugeln wurden nachgewiesen

Es konnte nachgewiesen werden, dass die Kugeln aus der Luftdruckwaffe des Bad Sodeners stammten. Bei der Durchsuchung beider Wohnungen, an der auch der Staatsschutz beteiligt war, wurde rechtsradikales Material, darunter verschiedene Aufkleber, Flyer und einschlägige Musik aus der rechten Szene sichergestellt. Ähnliche Aufkleber wurden auch an Containern in Hofheim entdeckt.

Warum die Männer auf die Flüchtlingsunterkunft geschossen haben und ob tatsächlich ein rechtsradikales Motiv dahintersteckt, bleibt weiter offen. Beide haben bei der Polizei angegeben, zur Tatzeit betrunken gewesen zu sein. Doch darum geht es der Justiz gar nicht. Vor dem Jugendschöffengericht wird lediglich der Tatbestand der Sachbeschädigung verhandelt. Je nachdem wie sich das Gericht entscheidet, kann der 21-Jährige nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden. Dann könnten ihm eine Arbeits- oder Geldstrafe drohen, eventuell ein Arrest. Wenn sich das Gericht für das Erwachsenenstrafrecht aussprechen sollte, könnten ihm durchaus bis zu zwei Jahren Haft bevorstehen. Wann der Prozess beginnt, konnte die Staatsaanwaltschaft nicht abschätzen. Aller Wahrscheinlichkeit erst Anfang nächsten Jahres. Im Falle des 18-jährigen Komplizen aus Rüsselsheim wurden die Ermittlungen eingestellt. Oberstaatsanwältin Nadja Niesen: „Das Verfahren wegen des Verdachts der gemeinschaftlich begangenen Sachbeschädigung wurde bereits Mitte Oktober eingestellt“. Dem 18-jährigen wurde vorgeworfen, seine Waffen seinem älteren Komplizen zur Verfügung gestellt zu haben. „Nach den Ermittlungen konnte dem Beschuldigten, der den Vorwurf bestritten hat, eine Beteiligung an der Tat nicht nachgewiesen werden“, sagt Niesen. Insbesondere konnte der Beweis, dass die am Tatort aufgefundenen Kugeln aus der Waffe des 18-Jährigen abgefeuert wurden, nicht erbracht werden.

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