Stundenplan voller Nachhilfe

Nachhilfe statt Freizeitspaß in den Osterferien

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Sie muss wegen einer Sechs in den Osterferien lernen, so wie viele andere Schüler es auch derzeit müssen.

Region Rhein-Main – Für einige Schüler steht in den Osterferien nicht Freizeit, sondern Nachhilfe auf dem Stundenplan. Zwar möchte SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel das Sitzenbleiben abschaffen, doch das hilft den Schülern jetzt nicht. Von Silke Gottaut

Sie müssen ordentlich büffeln, damit sie ihre Versetzung oder ihren Abschluss schaffen.

„Kinder muss man fördern. Gibt es das Sitzenbleiben nicht mehr, werden sie demotiviert“, meint Christa Hainz von „Die Schlauberger“ aus Offenbach: „Sie fragen sich dann, warum sie noch Hausaufgaben machen oder lernen sollen.“ Dieser Meinung sind auch die Kinder, die Hainz in ihrem Nachhilfeinstitut unterrichtet.

Die Nachfrage ist derzeit groß: Gerade jetzt in den Osterferien musste Hainz noch eine Lehrkraft mehr einstellen, da dieHaupt- und Realschulabschlussprüfungen im Mai anstehen oder die Versetzung gefährdet ist.

Vorteile bei der Ehrenrunde

Auch Edith Krippner-Grimme, Landesvorsitzende vom Deutschen Lehrerverband Hessen, ist für die Ehrenrunde. Sie sieht darin Vorteile: „Zur Behebung einer dauerhaften Schwäche in mehreren Fächern reicht individuelle Förderung oft nicht aus. Es benötigt vor allen Dingen Zeit, die eventuell durch die Wiederholung einer Jahrgangsstufe erreicht wird.“

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Anderer Meinung ist dagegen Gisela Graeser-Güsmann vom Lernstudio Durchblick in Friedrichsdorf: „Sitzenbleiben ist eine Drohung. Und Drohungen helfen nichts.“ Sie meint, dass eine Ehrenrunde die Leistung nicht wirklich verbessert. „Die Probleme bleiben weiterhin. Differenzierung im Unterricht ist die Lösung.“

Bedenken, dass keine Kinder mehr zur Nachhilfe kommen, wenn sie nicht mehr sitzenbleiben können, hat sie nicht. Dies bestätigt Jutta van der Sande von der Schülerhilfe: „Wir haben viele Schüler, deren Noten bereits gut sind, die aber noch besser werden möchten. Von daher wird sich eine Entscheidung Pro oder Contra Sitzenbleiben nicht auf die Zahl der Nachhilfe-Schüler auswirken.“

Laut Hessischen Kultusministerium sind im vergangenen Schuljahr 2,2 Prozent der Schüler nicht versetzt worden. „Oft scheitert es neben Mathe an der zweiten Fremdsprache,“ sagt Pressesprecher Christian Henkes. Doch dagegen unternimmt das Ministerium etwas: Am Dienstag starteten an mehr als 50 hessischen Schulen wieder Osterferien-Lerncamps. Schüler können dort die Gelegenheit nutzen, versäumten Schulstoff nachzuholen und neue Lernmotivation aufbauen. Zusätzlich dazu begann ein Lerncamp in Bad Orb für versetzungsgefährdete Schüler. Über 80 Prozent schaffen so den Sprung in die nächste Klasse.

Wenn es jedoch nach Schäfer-Gümbels Plänen geht, sind solche Camps in Zukunft unnötig.

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