So schön können Gräber sein

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Oliver Weygold (links) und Hermann Harisch an einem Grab auf dem Hauptfriedhof. An diesem Sonntag treten sie bei den Hessischen Meisterschaften der Friedhofsgärtner gegeneinander an.

Frankfurt – Sie machen letzte Ruhestätten sehenswert: Hermann Harisch und Oliver Weygold sind Friedhofsgärtner. An diesem Sonntag treten die beiden in Frankfurt gegen ihre Kollegin Beata Blaszczyk bei der Ersten Hessischen Meisterschaft ihres Fachs an. Von Julia Renner

Für Weygold und Harisch ist Grab nicht gleich Grab. Wenn sie den Auftrag bekommen, eines zu bepflanzen, fragen sie zunächst nach: Was war der Verstorbene für ein Mensch? Welche Hobbys und welchen Beruf hatte er? „Das Hintergrundwissen ist sehr wichtig“, sagt der 22-jährige Weygold. Eine noch größere Rolle spielt der Grabstein. Größe, Form und Farbe werden in die Bepflanzung und Gestaltung aufgenommen.

Und weil der Grabstein so wichtig ist, wissen die beiden Friedhofsgärtner auch schon, wie die Steine bei den Hessischen Meisterschaften am Wochenende aussehen. Jeder der drei Teilnehmer hat ein Foto „seines“ Grabsteins bekommen. Damit bereiten sich die Meisterschaftsanwärter vor, zunächst mit Zeichnungen, dann werden die Pflanzen ausgewählt.

Wie sie die auf den Gräbern anordnen, haben sich Oliver Weygold und Hermann Harisch schon überlegt. Beide wollen keine Standard-Bodendecker einsetzen, sondern eher besondere Pflanzen, die den Boden bedecken. Und während Weygold auf ein goldenes bis gelbes Strukturbild setzt, wird es bei Harisch ein eher blaues werden. Mehr verraten die beiden jedoch noch nicht über ihre Wettkampf-Strategie.

Sieger fährt zur Deutschen Meisterschaft

Fünf Stunden werden sie für ihr Einzelgrab Zeit haben. Los geht’s an diesem Sonntag um 11.30 Uhr auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt, Eckenheimer Landstraße 194. An den eigens angelegten Gräbern können sich die jungen Friedhofsgärtner dann kreativ austoben, während Interessierte ihnen bei der Arbeit zuschauen können. Ob Weygold, Harisch oder Blaszczyk: Wer den Titel holt, fährt nächstes Jahr als Hessenmeister nach Essen, um bei einer Friedhofstechnik-Messe mit anderen um den Titel des Deutschen Meisters zu gärtnern.

Hermann Harisch und Oliver Weygold sehen dem Wettbewerb entspannt entgegen. „Hauptsache, wir sind dabei“, sagt der 19-jährige Harisch.

Wichtiger ist für beide, das zu machen, was ihnen Spaß macht. „Ich kann mir nicht vorstellen, im Büro zu arbeiten“, sagt Oliver Weygold. Kreativität, frische Luft und viel Abwechslung mögen sie an ihrem Beruf. Dass sie während ihrer Arbeit auf Leichen stehen, stört beide nicht. „Im ersten halben Jahr war es schwierig, aber man gewöhnt sich daran“, sagt Weygold. Für Harisch waren Leichen nie ein Problem. Er ist quasi auf dem Friedhof groß geworden – sein Vater ist auch Friedhofsgärtner.

Die drei Gräber bleiben nach der Meisterschaft für einige Wochen erhalten.

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