Wer Schlecker vermissen wird

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Hildegard Lehrer bezahlt gerade ihren Einkauf bei Kassiererin Ludmila Harder.

Friedrichsdorf – Jahrelang war Schlecker die Nummer eins unter den Drogeriemärkten. Nun ist die Firma pleite. Wie viele Märkte schließen müssen, steht derzeit noch nicht fest. Mitarbeiter und Kunden müssen erst einmal mit der Ungewissheit leben. Von Silke Gottaut

Marie Gräger ist auf einen Drogeriemarkt angewiesen. Sie schaut traurig auf das große Schlecker-Logo. „Ich gehe immer zu Schlecker, weil ich da alles bekomme. Da ich eine Allergie habe, bekomme ich nur hier mein Allergie-Waschmittel. Ich finde es gar nicht gut, wenn die zumachen müssen. Denn dann muss ich weiter fahren und bekomme vielleicht nicht mehr das, was ich brauche.“

Auch Hildegard Lehrer hofft, dass der Markt bleibt: „Ich gehe immer in den Schlecker. Hier habe ich immer einen Ansprechpartner, der sich gut auskennt und mich bei allem berät. Man kennt sich auch schon so gut untereinander. Die Mitarbeiter sind hier sehr nett“, sagt die 77-Jährige. Sie stöbert gern im Bestellshop-Katalog von Schlecker. Ab und zu bestellt sie sich dann auch etwas. Zum Beispiel Küchenutensilien, die sie im Markt nicht direkt bekommt. Lehrer hat kein Auto, um mal schnell in den Nachbarort zu fahren. Wenn Schlecker schließt, muss sie im Supermarkt ihre Drogerieartikel kaufen.

Mitarbeiterin blickt gelassen in die Zukunft

Kassiererin Ludmila Harder arbeitet seit sechs Jahren im Schlecker-Markt in Friedrichsdorf-Köppern. Die blonde Kassiererin ist voller Eifer für ihre Arbeit und hat trotz ihrer unsicheren Situation gute Laune: „Ich habe im Februar Jubiläum“. Die motivierte Mutter liebt den Kontakt zu Menschen. Sie lacht freundlich und sieht die Insolvenz ihres Arbeitgebers gelassen: „Ich warte ab, was passiert. Wenn sie zumachen müssen, kann ich es schließlich auch nicht ändern. Aber ich hoffe, dass der Markt hier bleibt. Und ich damit auch. Wenn nicht, wünsche ich mir, dass ich vielleicht bei einem anderen Schlecker unterkomme. Jedoch müssen sie mir erst rechtzeitig kündigen.

Doch es gibt auch Einwohner, denen es ziemlich egal ist, wenn der einzige Drogeriemarkt in ihrem Ort zumachen müsste: „Mir ist es egal, wenn Schlecker schließt. Ich gehe sowieso sonst immer in einen dm-Markt. Nur jetzt brauche ich schnell was, und ich kam gerade hier vorbei“, sagt Annette Korte. Regina Kinzel ist derselben Meinung: „Ich bin schon vorher nicht in den Schlecker gegangen. Was da schon alles vorgefallen ist. Der Umgang mit ihren Mitarbeiten ist alles andere als schön. Deswegen würde es mir nicht weh tun, wenn er nicht mehr da wäre.“

Dennoch wird der Markt in Friedrichsdorf-Köppern vor allem älteren Menschen fehlen, weiß Harder. „Eine Kundin kommt seitdem ich hier arbeite. Sie ist 95.“ Sie und andere hätten keine Möglichkeit mehr, alle Drogerieartikel zu bekommen. Und sie könnten nicht in einen anderen Stadtteil laufen – geschweige denn fahren.

So denken die Kunden in Otzberg im Landkreis Darmstadt-Dieburg über die Insolvenz des Unternehmens:

Ich gehe immer zu Schlecker. Ich kaufe hier alles ein, was ich brauche. Ob Haarshampoo, Taschentücher oder meine Faltencreme“, sagt Elfriede A. „Ich finde es sehr traurig, wenn der Markt zumachen muss“. Die 82-Jährige erledigt ihre Einkäufe zu Fuß. In einen anderen Drogeriemarkt könnte sie nicht mehr laufen. Teresa Frygies bewältigt ebenfalls ihren Einkauf zu Fuß oder mit dem Fahrrad. „Ich kaufe einmal die Woche bei Schlecker ein. Da bekomme ich alles, was ich brauche. Egal was es ist. Wenn es ihn hier nicht mehr gibt, muss ich nach Groß-Umstadt fahren. Das finde ich nicht so toll“.

Doch nicht jeder sieht der eventuellen Schließung des Drogeriemarktes traurig entgegen. „Ich gehe zwar ab und zu in den Schlecker, weil ich mir hier meine Rasierklingen kaufe“, sagt Hartwig Schneider. „Aber wenn ich sie hier nicht mehr kaufen kann, dann eben in einem anderen Drogeriemarkt“. Auch Annemarie Ferreira würde eine Schließung nichts ausmachen. „Ich gehe nicht wirklich in die Drogerie einkaufen. Ich gehe in Groß-Märkte. Mir würde es also nicht weh tun, wenn Schlecker nicht mehr da wäre.“

Wer mit dem Auto unterwegs ist, fährt in den Nachbarort. Malgokata Balkiewicz kennt die Problematik auf dem Dorf: „Die älteren Menschen haben es dann schwer. Sie können sich nicht einfach ins Auto setzen. Sie sind auf den Markt hier angewiesen. Ich kaufe im Schlecker nur das ein, was ich gerade sehe oder was im Angebot ist“, sagt die 40-Jährige. Bei den Mitarbeitern schwankt die Stimmung zwischen Bangen und Hoffen. Die Schlecker-Kassiererin will sich deswegen lieber nicht zur Pleite äußern. Noch hat sie offenbar Hoffnung, dass der Markt in Otzberg bleibt.

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