Harter Kampf gegen Schimmelpilze

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Günter Kroll auf Mission: Der Experte für Gebäudeschäden erklärt Besim Hamza die Schimmelursache.

Offenbach/Langen – „Unsere Wohnung schimmelt, wir wissen nicht mehr weiter“. Mit diesem Hilferuf hat sich Familie Hamza aus Langen an den EXTRA TIPP gewandt. Wir sind mit einem Schimmel-Experten zu den Hamzas gefahren und wollten wissen, warum die Probleme mit den Mikroorganismen immer größer werden. Von Andreas Einbock

Günter Kroll kennt die Probleme mit der Feuchtigkeit an den Wänden seit 16 Jahren. „In den letzten zwei, drei Jahren konnte ich einen leichten Anstieg registrieren. In 80 Prozent der Fälle liegt es aber am Nutzungsverhalten“, sagt der Sachverständige für Schäden an Gebäuden. „Gerade die aktuelle Witterung verleitet zum verfrühten Abdrehen der Heizung, obwohl die Bausubtanz noch im Winter steckt“, warnt der Diplom-Ingenieur vor der Frühlingssonne.

Der erste Rundgang des Fachmanns aus Obertshausen durch die Wohnung der Hamzas bestätigt eine weitere Erfahrung, die Kroll gemacht hat: „Das Heizverhalten und das Wissen über richtiges Entfeuchten ist in den letzten Jahren bei vielen Leuten schlechter geworden.“ Dazu komme noch, dass Wohnungsgesellschaften und Vermieter umwelt-und energieeffizienter handeln und immer bessere Wärmedämmungen und Isolierungen einsetzen.

Die kalte Nordwand und fehlende Küchentür fördern Stockflecke

Der größte Schimmelherd der Hamzas liegt in Schlafzimmer und Küche. „In beiden Räumen sind die Außenwände nach Norden ausgerichtet, wo die Sonne fast gar nicht hinkommt und der kalte Nordwind dagegen bläst“, analysiert Kroll und zielt mit seinem Infrarot-Thermometer an die Wand.

Nicht schön anzusehen und auch giftig: Schimmelflecken sind ein zunehmendes Übel.

13 Grad Celcius. Exakt in und unter diesem Bereich bildet sich der Schimmel, bei jedem Baumaterial“, erklärt der Sachverständige dem verzweifelten Familienvater, der bereits mehrere hundert Euro fürs Tapezieren ausgegeben hat. „Auch wenn sie hier nicht mehr schlafen, so müssen sie gleichmäßig in allen Räumen heizen“, rät Kroll. In der Küche steht die Waschmaschine, die viel Feuchtigkeit abgibt und das Thermostat des kalten Heizkörpers verdeckt. „Leider fehlt hier die Tür zum Flur. So wandert die feuchte Luft aus den Kochtöpfen, durch ihre Wohnung, sucht sich die kälteste Stelle und schlägt sich dort als Tauwasser nieder“, beschreibt Kroll den Prozess, der so auch im Bad ohne Innenfenster ablaufen könne.

Gardinen verhindern die Wärmezirkulation

So vermeiden Sie den giftigen Schimmel:

  • Fenster stets vollständig, kurz aber oft bei geschlossenen Türen öffnen.
  • Je niedriger die Zimmertemperatur, desto öfter lüften.
  • Raumluftfeuchte immer in Räumen abführen, wo sie entsteht.
  • Räume durchgehend beheizen, da das Aufheizen immer mehr Energie kostet.
  • Heizkörper niemals mit Möbeln oder Gardinen verdecken.
  • Sonnenwärme des Tages durch hoch gezogenene Rollläden nutzen.
  • Bettdecken morgens aufschütteln und richtig auslüften.

Der Gang ins Kinderzimmer und Wohnzimmer offenbart eine andere Sünde: „Die Gardinen verdecken den Heizkörper. Dadurch kann die wärmere Luft nicht in den Raum, um die Feuchtigkeit aufzunehmen.“ Davon produziere ein Drei-Personen-Haushalt etwa acht Liter Wasser pro Tag, wovon nur ein Drittel in der Luft und der Rest in den Wänden und Möbeln „verschwindet“. Kroll: „Wenn sie diese Ursachen abstellen und die Tipps über vier Wochen berherzigen, verspreche ich ihnen Verbesserung.

Weitere Informationen zum Thema Heizen finden Sie im Artikel „Frost-Winter: Wie man der Heizkostenfalle entkommt“.

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