Seit 40 Jahren illegal

Schilder-Rätsel in Offenbach gelüftet: Die Verkehrswacht wars!

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Auch die Verkehrswacht hatte bei der Schilderverlosung mitgemacht – und gewonnen: Schatzmeister Werner Mank und Vorsitzender Leonhard Gallei.

Offenbach – Es war nur eine Nachfrage bei der Stadt, aus welcher Zeit, denn die „Bleib fair“-Schilder am Straßenrand in Offenbach stammen. Nur wenige Tage später waren sie abgeräumt. Sie stünden dort rechtswidrig – seit Jahrzehnten. Doch keiner wusste mehr. Jetzt ist das Geheimnis gelüftet.  Von Christian Reinartz

„Es war im August 1980“, sagt Werner Mank von der Offenbacher Verkehrswacht. Damals seien die ein Meter breiten und hohen Hinweistafeln angebracht worden, um die Schulanfänger auf ihrem Schulweg zu schützen. „Unser alter Vorstand hat den Artikel im EXTRA TIPP gelesen und sogleich Kontakt mit uns aufgenommen.“

Manks Forschergeist ist geweckt. Er kramt in den Archiven der Verkehrswacht und findet tatsächlich einen Artikel über die Aufstellung der „Bleib-fair“-Schilder. 4500 D-Mark hätte die Stadt sich die Aktion kosten lassen, inklusive Aufkleber, die im Stadtgebiet verteilt wurden. Schon zuvor hatte auch die Verkehrswacht solche Plakate mit dem Motiv vor den Grundschulen angebracht. „Das war eine gemeinsame Aktion von Stadt und Verkehrswacht“, sagt Mank. Andere Leser zeigten sich gar nicht amüsiert. Etwa Walter Gekeler. Der warf der Redaktion gar vor, die verkehrswidrigen Schilder angezeigt zu haben. „Diese Schilder sind wertvoll und hilfreich! Wer weiß, wie viele Kinderleben die in den 40 Jahren gerettet haben“, schreibt er – und will selbst eines gewinnen.

Leser wollen die Schilder

Schild am Hessenring in Offenbach. Das Altersheim ist jedoch schon seit zwei Jahren geschlossen.

Jan Schmidbauer, Fachreferent Straßenverkehrsbehörde, stellt klar: „Grundsätzlich ist zu sagen, dass es sich bei dem Schild nicht um eine sogenannte StVO-Beschilderung, also eine nach den Regelungen der Straßenverkehrs-Ordnung und dem bundesweit gültigen Verkehrszeichenkatalogs gültige Beschilderung, handelt.“ Diese dürfe deswegen nicht angeordnet werden. Leser Oliver Strobel ist deswegen besorgt. „Schade, dass nun keine Warnung mehr die Autofahrer auf spielende Kinder hinweist“, schreibt er und schiebt einen Appell nach: „Vielleicht kann die Stadtverwaltung in Offenbach ja an diesen Stellen jetzt das ,Achtung spielende Kinder’-Verkehrszeichen installieren.“ Doch die Geschichte falsch montierter Schilder scheint kein Ende zu nehmen. Leser Karl Frank hat jetzt in Offenbach ein „Altenheim“-Schild mit Geschwindigkeitsbegrenzung „30“ ausgemacht. „Aber das Altenheim ist seit zwei Jahren geschlossen.“ Der EXTRA TIPP hat die Straßenverkehrsbehörde darüber informiert. Die übrigen Gewinner wurden benachrichtigt.

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