Schießen statt schneiden: Strahlenkanone zerstört Tumore

+
Peter Nobis bedient die Strahlenkanone Cyberknife. Am Ende des sechs-Achsen-Roboterarms, den man aus der Automobil-Industrie kennt, sitzt ein Linearbeschleuniger, der mit hoher Dosis auf Tumore schießt.

Frankfurt – Das hat nichts mit Science Fiction zu tun. Die Medizin hat im Kampf gegen den Krebs eine neue Waffe: Das Cyberknife. Eine Strahlenkanone, die Tumore zerstören kann, ohne gesundes Gewebe zu beschädigen. In Frankfurt steuert sie Peter Nobis. Von Dirk Beutel

Der Kampf gegen den Krebs ist eine der größten Herausforderungen für die Medizin. Wer die Diagnose bekommt, ist am Boden zerstört. Das gilt für den Betroffenen, die Familie, die Freunde. Da gibt es keine Ausnahme. Trotz weiterentwickelter Therapien bedeutet dieser Befund meist noch den Tod. Doch jetzt hat die Medizin eine neue Waffe im Kampf gegen den Krebs: Das Cyberknife – eine äußerst präzise Bestrahlungsmethode, die das Tumorgewebe im Körper zerstört, ohne gesunde Organe zu beschädigen. Der Vorteil gegenüber bereits bekannten Therapien: Die Bestrahlung ist schmerzfrei, der Patient braucht keine Narkose und es gibt keine Nebenwirkungen.

In Frankfurt steht eines der modernsten Radiochirurgie-Zentren in Deutschland. Peter Nobis ist dort der Tumor-Schütze. In Zürich hat der leitende medizinisch-technische Assistent eine ähnliche Anlage mit aufgebaut. Seit nunmehr drei Jahren arbeitet er mit dem über fünf Millionen teuren Cyberknife. „Jeder Schuss sitzt hundertprozentig. Sobald das Cyberknife zweifelt, setzt der Beschuss aus und wird, falls wirklich nötig, von mir korrigiert“, sagt Nobis. Nichts ist wichtiger als Genauigkeit.

Der Roboter atmet mit dem Patienten

Eine Behandlung dauert zwischen 30 und 90 Minuten. Je nachdem wie stark die Erkrankung ist, kann die Behandlung auf bis zu fünf Bestrahlungen verteilt werden.

Noch vor ein paar Monaten konnten nur Tumore in einem Gehirn behandelt werden. Grund: Der Kopf und damit das Geschwulst bewegen sich nicht. Das ist bei einer Lunge, einer Leber, der Prostata, den Lymphknoten oder einer Niere anders. „Durch das Atmen ist es auch viel schwieriger den Tumor genau zu treffen“, sagt Nobis. Entscheidend ist daher, dass der Standort des Befalls exakt lokalisiert wird. Ein computergesteuertes Bildortungssystem sichtet den Tumor während der gesamten Behandlung und gleicht jede Bewegung des Patienten automatisch aus. Das Atmen erfasst eine 3D-Kamera und gleicht diese mit der Tumorposition ab. Mit anderen Worten: Der Roboterarm atmet mit – und das aus 1200 verschiedenen Winkeln. In bestimmten Fällen werden im befallenen Organ Markierungen gesetzt – winzige Goldstäbe. Sie werden von der Zielvorrichtung angepeilt. „Dabei trifft die Strahlung auf den Tumor“, sagt Nobis: „Das Cyberknife ist aber kein Ersatz für alle anderen Therapien. Es ist vielmehr eine Ergänzung.“ Doch icht jeder Tumor kommt für so eine Behandlung in Frage. Nobis: „Wenn ein Krebs schon gestreut hat, muss herkömmlich bestrahlt oder operiert werden.“

Kommentare