Pulverfass Bescherung

So schenkt man zu Weihnachten richtig  

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Richtig schenken ist eine Kunst für sich. Wer sich aber Zeit nimmt und auf ein paar Signale achtet, kann einen Volltreffer landen.

Region Rhein-Main – Weihnachten ist das Fest der Liebe und der Geschenke. Doch richtig schenken will gelernt sein. Aber was soll es dieses Jahr sein? Und wie reagiert man, wenn wieder nur Socken unter dem Baum liegen? Von Dirk Beutel

Weihnachten! Lichterglanz und strahlende Kinderaugen. Das Fest der Familie und der Freude, der Liebe und Geborgenheit. Und natürlich der Geschenke. Gerade am Heiligen Abend ist die Vorfreude traditionell besonders groß. Entsprechend hoch ist der Druck, ein ausgefallenes und individuelles Präsent für seine Liebsten zu finden. „Geschenke sind ein Signal der Wertschätzung und der Dankbarkeit. Darüber hinaus haben sie eine stabilisierende Funktion für die Gesellschaft. Dadurch wirken Geschenke wie eine Art sozialer Klebstoff“, sagt Sozialpsychologe Simon Schindler – und werden so mitunter zur Verpflichtung.

Schenken ist zu Weihnachten eine gefühlte Pflicht

„Gerade zu Weihnachten ist diese Pflicht besonders spürbar, weil wir ja in der Regel viele Menschen beschenken müssen. Das birgt ein erhöhtes Potenzial für Konflikte.“ So kann das Fest für manchen zum wahren Minenfeld werden, wenn man das falsche Geschenk unter den Baum legt oder mit leeren Händen dasteht, während man von anderen beschenkt wird. „Das ist so ziemlich das schlimmste Szenario überhaupt“, sagt Schindler. Er selbst hatte vergangene Weihnachten in einem Selbstversuch seiner Familie mitgeteilt, niemandem etwas zu schenken. Das Ergebnis: „Obwohl ich mich bewusst dafür entschied, hatte ich Schuldgefühle. Daran sieht man, wie tief diese Norm des gegenseitigen Schenkens in uns verankert ist.“ Um Konflikte zu vermeiden, rät der Experte, sich vorab zu einigen. Etwa, was den Wert des Weihnachtsgeschenks anbelangt.

Sich bei jedem Geschenk Gedanken machen

„Dadurch werden Erwartungshaltungen automatisch eingegrenzt“, sagt Schindler. Es zeigt nämlich, wie sehr sich jemand Gedanken gemacht und ob er sich Zeit genommen hat. Das gilt ebenso für die Klassiker unter den Geschenken. Auch wenn Bücher oder Parfüms als einfallslos und unpersönlich gelten, kann man dennoch beweisen, dass man sich dabei etwas gedacht hat. „Wenn man weiß, welche Farben jemandem gefallen, etwa Gold und Rot, kann es sehr gut sein, dass derjenige auch schwerere, orientalischere Duftnoten bevorzugt“, sagt Elmar Keldenich, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Parfümerien. Denn: Die Hersteller achten laut dem Fachmann darauf, dass Duft und Verpackungsfarben miteinander harmonieren.

Enttäuschungen vorsichtig ansprechen

Wie aber reagiert man, wenn man gar nicht bekommt, was man sich gewünscht hat? Oder noch schlimmer: Etwas, dass man gar nicht mag? Schindler: „Jede Erwartung birgt das Potenzial für Enttäuschungen.“ Das bestätigt Inge Wolff, Vorsitzende des Arbeitskreises Umgangsformen: „Die Gefahr, eine Person in so einem Fall zu verletzen ist immer da“, sagt sie und plädiert für Ehrlichkeit: „Man muss abwägen. Ist einem die persönliche Beziehung nicht so wichtig, kann man eher das unpassende Geschenk ertragen. Je enger das Verhältnis, umso eher würde ich das Problem vorsichtig ansprechen. Sonst gerät man in Dauerstress, und man bekommt die nächsten Jahre wieder unpassende Geschenke.“

Auch im Fall der beliebten Regel „Dieses Jahr schenken wir uns nichts“, klärt Wolff auf. „Da hat derjenige den Schwarzen Peter, der sich nicht an die Absprache gehalten hat. Wer kein Geschenk hat, darf sich nicht schlecht fühlen. Schindler: „Bei allem Geschenke-Stress kann man ja versuchen, die Menschen um sich herum als Geschenk zu betrachten. Dann sind die fehlgeschlagenen Geschenke später nicht mehr ganz so dramatisch, da man sich schon reichlich beschenkt fühlt.“

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