Petra Lahnstein über ihren ersten Roman

"Scheiß auf Intelligenz": Karrierefrauen sind als Single schwer vermittelbar

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Männer stehen auf dumme Blondchen. So lautet ein Klischee. Oder nicht? Warum sonst haben intelligente Frauen auf dem Liebesmarkt so schlechte Karten? Darüber spricht Petra Lahnstein, Autorin des Romans „Scheiß auf Intelligenz“. Von Dirk Beutel

Frau Lahnstein, bekommen denn dumme Frauen immer die besseren Männer ab?

Zum Glück nicht immer.

Ihr Buch ist keine Autobiografie, dennoch spielen einige Ihrer persönlichen Erfahrungen dort eine wichtige Rolle.

Jeder kennt das doch. Jeder hat schonmal über eine Bekannte oder eine Kollegin gesagt: ‘Oh mein Gott, wie kann die nur so blöd oder begriffsstutzig sein.’ Als ich aber im Buch genau solche Situationen beschreiben wollte, war das gar nicht so einfach. Oft weiß man im Nachhinein gar nicht mehr, warum man jemanden für blöd gehalten hat oder was Dummheit eigentlich wirklich ausmacht. Es ist vielmehr ein Gefühl, dass man sich das denkt. Inspiriert haben mich Erfahrungen, wie die einer Freundin von mir. Sie wurde von ihrem Freund, mit dem sie viele Jahre schon zusammen war, plötzlich mit der Putzfrau betrogen. Da haben wir lange drüber gesprochen. Was hat diese Frau, was ich nicht habe? Wieso ausgerechnet die Putzfrau?

Das heißt, Sie selbst würden nicht gerne mal Ihre Intelligenz ablegen um anders auf Männer zu wirken?

Manchmal würde ich es am liebsten tatsächlich tun. Weil ich manchmal schon denke, dass man einfacher durchs Leben kommt, wenn man nicht den ganzen Tag nachdenkt, sich an Diskussionen über die Zusammenhänge und Verstrickungen der Welt beteiligt oder sich überlegt, wie man Dinge verbessern könnte. Stattdessen könnte man sich einfach mehr mit sich selbst und seinem unmittelbaren Umfeld beschäftigen. Miriam, die Hauptperson in meinem Buch, will das auch und schaut neuerdings lieber schlecht gemachte Serien, als weiter über die Umweltbelastung von Plastiktüten und Smartphones und so weiter zu recherchieren.

Was meinen Sie genau damit, wenn Sie bei einer Frau von Dummheit sprechen?

Alleine das Wort Dummheit polarisiert natürlich. In meinem Buch stellt sich Miriam die Frage, was Dummheit eigentlich ausmacht. Sie erkennt, dass dazu viele unterschiedliche Facetten gehören: Einfach strukturiert, nicht lernfähig, begriffsstutzig, uneinsichtig beziehungsweise untalentiert sein. Diese verschiedenen Aspekte versucht sie dann nachzuahmen und sich entsprechend zu präsentieren, aber es gelingt ihr nicht wirklich.

Was Sie beschreiben, erinnert stark an das Klischee des blonden Dummchens aus Filmen der sechziger und siebziger Jahre.

Darum geht es auch. So ähnlich versucht die Hauptfigur tatsächlich auch zu sein. Sie färbt sich ihre brünetten Haare in Wasserstoffblond und versucht, dieses Dummchen zu sein, versucht sich sogar von tatsächlich dümmeren Frauen etwas abzuschauen und von ihnen zu lernen, wie man sich einen guten Mann angelt. Aber auch da muss sie feststellen, dass nicht alle vermeintlich dummen Damen so dumm sind, wie sie vermutet hat. Sie ist eben eine Person mit Vorurteilen, die sich aus ihrer eigenen Frustration heraus gewisse Dinge einfach vorstellt.

Also haben es intelligente Frauen wesentlich schwerer auf dem Partnermarkt. Aber was sagt das über die Männer aus?

Das ist schade und traurig. Aber es gibt sogar aktuelle Studien zu diesem Thema, dass Männer sich auch heute noch gerne lieber nach unten in der Hierarchie orientieren. Zumindest steht es einer Frau nicht im Weg, wenn sie dem Mann geistig nicht das Wasser reichen kann, oder weniger Geld mit nach Hause bringt als er, sie dafür aber attraktiv und jung ist. Deshalb beschließt Miriam: „Ab heute scheiß ich auf Intelligenz“ – wenn dümmere Frauen die besseren Männer abkriegen, will sie eben auch dumm werden oder zumindest so tun als ob.

Dann ist es für intelligente und erfolgreiche Frauen schwerer auf dem Liebesmarkt?

Leider ja, das belegen auch aktuelle Studien. Da kommt es aber auch darauf an, wie die Frau selbst tickt. Denn: Im Gegensatz zu erfolgreichen Männern, ist es vielen beruflich erfolgreichen Frauen wichtig, einen Partner auf Augenhöhe zu haben. Sei es finanziell, intellektuell oder was den gesellschaftlichen Status anbelangt. Und dann ist die Schnittmenge irgendwann zu klein und viele erfolgreiche Frauen bleiben am Ende Single.

Frau Katzenberger hat ja mal gesagt: „Sei schlau, stell dich dumm...“

Tatsächlich kommt dieses Werk in meinem Buch zur Sprache. Leider ist es so, dass es im Buch von Daniela Katzenberger kaum Tipps gibt, wie man sich glaubhaft dumm stellen kann. Außer natürlich sich weiblicher zu kleiden und die äußerlichen Reize mehr zu betonen. Doch, einen Tipp kann Miriam aus dem Buch für sich mitnehmen: Stellt man sich dumm, muss man manche Arbeiten nicht machen.

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