"Es geht immer um Ängste"

Schauspielerin Radost Bokel über Hunde-Erziehung und Gassigeh-Konflikte

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Radost Bokel auf dem Hundeübungsplatz während der Dreharbeiten mit TV-Hundeprofi Martin Rütter mit ihren Labradoren Tyson (links) und Candy.

Herbst-Zeit ist Gassigeh-Zeit! Doch bei vielen Menschen verursachen große Hunde Panik. Schauspielerin Radost Bokel hat selbst zwei Labradore und fordert: Stellt Euch Euren Ängsten! Ihre Hunde sind erzogen, auch wenn sie die Hilfe von TV-Hundeprofi Martin Rütter nutzt. Von Axel Grysczyk

Sie haben zwei Hunde. Beherrschen die irgendwelche Kunststücke?

Meine beiden Labradore haben ein besonderes Talent: Sie können zaubern. Sobald sie etwas zu fressen sehen, ist es weg.

Und darüber hinaus: Sind sie gut erzogen?

Sie sind schon gut erzogen, aber nicht mehr im Training. Zunächst hatte ich nur Tyson, den Rüden. Ich bin mit ihm zwei Jahre lang dreimal die Woche in die Hundeschule gegangen, habe an Spielkursen teilgenommen und den Hundeführerschein gemacht. Klar, und dann haben wir noch daheim trainiert. Jetzt machen wir nicht mehr jeden Tag Übungen. Doch durch das Anfangstraining hat sich zwischen ihm und mir eine ganz intensive Beziehung aufgebaut. Ich sage immer: Er ist mein Erstgeborener.

Trotzdem haben Sie Hundeprofi Martin Rütter um Hilfe gebeten?

Candy – meine Labrador-Hündin – verträgt sich außer mit Tyson nicht mit anderen Hunden. Martin hat mir nützliche Tipps gegeben. Das Training ist noch nicht abgeschlossen. Ich darf aber nicht verraten, was wir gemacht haben. Das wird aller Voraussicht nach im Oktober im Fernsehen gezeigt.

War er denn grundsätzlich zufrieden mit Ihren Hunden?

Meine Hunde hören, sie jagen nicht und sind absolut alltagstauglich. Er hat dann so Spezialsachen gemacht: Ich sollte einen Ball werfen und sie, während die Hunde dem Ball hinterherjagen, rufen, damit sie zurückkommen. Tyson ist stehen geblieben und hat sich umgedreht, mehr nicht. Damit kann ich aber gut leben.

Sie haben relativ große Hunde. Kommt es da nicht zu Konflikten mit Nicht-Hundebesitzern?

Es geht immer um Ängste. Es gibt Menschen, die können Hunde nicht einschätzen, und daraus resultiert dann der Stress. Ich habe mich intensiv damit auseinander gesetzt und in der Zeit als ich in den USA gelebt habe, auch als Hundetrainerin gearbeitet.

Schildern Sie mal einen Konflikt!

Ich bin neulich am Feld Gassi ohne Leine gegangen. Von weitem habe ich Mama, Omi und ein kleines Kind auf mich zukommen sehen. Zunächst habe ich Candy zu mir gerufen und angeleint. Sie ist absolut menschenfreundlich, aber schnuffelt Kleinkindern gerne im Gesicht herum. Trotzdem haben sie mich angemeckert, dass die Hunde frei herumlaufen.

Wie haben Sie reagiert?

Ich habe ihnen sehr freundlich erklärt, dass das Ohne-Leine-Gehen in dieser Jahreszeit in Rodgau legal ist. Ja, es ist erlaubt ohne Leine zu gehen! Wichtig ist aber, dass man sich seinen Hunde-Ängsten stellt.

Wie sollte man das machen?

Ich habe schon Freunde zu mir eingeladen, um sie vertrauter mit Hunden zu machen. Was mag ein Hund, was mag er nicht – darum geht’s. Dann kann man sich beim Umgang mit dem Hund langsam steigern. Bei meinem Sohn war es ähnlich: Als er das erste Mal Tyson geärgert hat, habe ich ihm sehr, sehr deutlich gemacht, dass das nicht in Ordnung ist. Und ich habe ihm die Zähne im Maul gezeigt und erklärt, was die anrichten können.

Den Nicht-Hundebesitzern draußen im Feld oder Wald hilft das nicht, wenn ein Hund auf sie zuläuft.

Ganz wichtig: Haltung einnehmen. Ein Hund wird nicht angreifen, wenn man seine Arme verschränkt vor den Körper nimmt mit den Händen nach innen und den Kopf wegdreht.

Haben die Ängste vor Hunden zugenommen?

Es wird enger. Die Zahl der Hunde hat einfach zugenommen. Es ist leider so, dass es Hundebesitzer gibt, die mit schlechtem Beispiel vorangehen und ihre Hunde nicht unter Kontrolle haben. Mein Bruder ist ein begeisterter Radfahrer, der berichtet immer wieder, dass er von Hunden auf dem Rad angegangenen wird. Das kann nicht sein. Es gibt leider immer mehr Hundebesitzer, die keine Ahnung haben.

Was raten Sie jemandem, der sich einen Hund zulegen will?

Er sollte sich unbedingt beraten lassen. Nicht jeder Hund passt zu einem. Es ist wichtig, dass man sich erstmal selbst analysiert. Ist man eher der aktive Typ oder doch er der Sofa-Mensch? Es bringt auch nichts, sich von Äußerlichkeiten beim Hund blenden zu lassen. Der Hund muss zu einem oder zur Familie passen. Und dann muss man üben! Am besten holt man sich ein Tier aus dem Tierheim.

Ihre Hunde sind zehn und elf Jahre alt. Was passiert, wenn sie einmal nicht mehr da sind?

Das wird furchtbar – auch für meinen sechsjährigen Sohn. Tyson und er sind dicke Kumpels, er schläft auch immer bei ihm im Bett. Ob ich mir dann einen neuen Hund holen würde, weiß ich nicht. Die Entscheidung würde ich dann treffen, wenn es soweit ist. Wahrscheinlich würde ich mir nicht mehr zwei Hunde gleichzeitig zulegen und auch eine Nummer kleiner bevorzugen.

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