Von schädlichen Büffeln und der Stärke am Berg

Offenbach - Abstieg, Umbruch, Aufbruch - für die Offenbacher Kickers war 2008 ein Jahr voller Höhen und Tiefen. Oder anders ausgedrückt: Ein Jahr mit Tops und Flops.TOPSAlexander Huber: Egal ob im defensiven Mittelfeld oder auf der rechten Abwehrseite, Huber bringt seine Leistung.

Der Zugang vom Hamburger SV II gehört zu den beständigsten Spielern im Kader und kommt fast ohne Fouls aus: In 20 Spielen sah Huber nur einmal Gelb.Andreas Möller: Als der ehemalige Spielmacher des Erzrivalen Eintracht Frankfurt im Juli als neuer Sportmanager vorgestellt wurde, war die Skepsis im Umfeld groß. Einige Mitglieder drohten mit Vereinsaustritt, andere wollten ihre Dauerkarte zurückgeben. Möller ließ sich davon jedoch nicht beirren und machte sich an die Arbeit. Fünf Monate später sind sich fast alle einig: Der 41-jährige Welt- und Europameister hat in Offenbach positiv überrascht.Hans-Jürgen Boysen: Der 51-Jährige hat die Kickers schon zwei Mal in die Zweite Liga geführt, wurde dort aber jeweils wegen Erfolglosigkeit entlassen. Das hinderte die Verantwortlichen des OFC allerdings nicht, Boysen abermals zu verpflichten. Zum Glück. Denn mit dem neuen/alten Trainer gelang der Umbruch schneller und vor allem besser als erwartet. Als Tabellenfünfter dürfen sich die Kickers sogar Hoffnung auf den sofortigen Wiederaufstieg in die Zweite Liga machen.

Neue Heimstärke: Bereits in der Abstiegssaison 2007/08 holte der OFC zu Hause (28) deutlich mehr Punkte als auswärts (10). In der aktuellen Runde wurde dieser Trend fortgesetzt und der Bieberer Berg zu einer echten Festung ausgebaut: Von den bisherigen elf Heimspielen haben die Kickers kein einziges verloren (sieben Siege, vier Remis) und 25 von 33 möglichen Punkten geholt.

Robert Wulnikowski: Der 31-Jährige gilt als bester Torwart der Dritten Liga, hat in 20 Partien erst 18 Gegentore kassiert und bereits achtmal zu Null gespielt. "Mit ihm", meint OFC-Präsident Dieter Müller, "wären wir nicht abgestiegen."

Stefan Zinnow: Für den Regionalligisten SV Elversberg schoss der Ex-Bundesligaprofi (drei Erst-, 64 Zweitligaspiele) vergangene Saison in 32 Spielen fünf Tore. Beim OFC hat er nach 20 Spielen bereits viermal getroffen. Darüber hinaus glänzt der rechts Flügelflitzer als Vorbereiter. Fast alle gefährlichen Angriffe werden über seine Seite eingeleitet.

Tufan Tosunoglu: Der 20 Jahre alte Türke kehrte vor der Saison mit der Empfehlung von 19 Toren in 29 Spielen für den Oberligisten MSV Duisburg II an den Bieberer Berg zurück, wo er bereits als A-Jugendlicher aktiv war. Dass Tosunoglu bei den Kickers allerdings derart einschlagen würde, hatte niemand erwartet: Er ist einer von nur fünf Spielern, die in jeder Partie zum Einsatz kamen, und führt mit sieben Treffern die interne Torschützenliste des OFC an.FLOPSAristide Bancé: Der im Januar 2008 verpflichtete "Büffel" aus Burkina Faso brachte es vergangene Saison zwar in zehn Spielen auf vier Tore, wurde jedoch aufgrund von Unbeherrschtheiten zwei Mal gesperrt und schadete der Mannschaft damit letztlich mehr als er ihr half.René Müller: Er sollte in dieser Saison die Tore für den OFC schießen und hatte sich bereits vertraglich an die Kickers gebunden. Dann überlegte es sich der Stürmer plötzlich anders. Nachdem er zunächst krankgeschrieben war, fehlte er unentschuldigt. Die Kickers lösten den Vertrag auf und machte damit den Weg für Müllers Wechsel zu Rot-Weiß Ahlen (Zweite Liga) frei.Ricardo Sousa: Der Portugiese kam mit der Empfehlung von 18 Bundesligaspielen für Hannover 96 zu den Kickers, konnte die Erwartungen aber nur selten erfüllen. Preis und Leistung (16 Spiele, ein Tor) standen bei ihm letztlich in keinem Verhältnis.Stadiondiskussion: Es ist inzwischen eine unendliche Geschichte. Der OFC hätte gerne ein moderneres Stadion, ist dafür aber auf die (finanzielle) Unterstützung der Stadt angewiesen, die sich dazu allerdings nicht in der Lage sieht. So dreht sich die Sache bereits seit Monaten im Kreis, wobei beide Seiten dabei keine gute Figur abgeben. Der OFC hat es im Vorfeld verpasst, entsprechende Lobbyarbeit zu betreiben, die Lokalpolitiker reagieren derweil teilweise mit populistischen Aussagen ("Keine finanzielle Unterstützung für den Profifußball"), wohlwissend, dass der Umbau des städtischen Stadions durchaus eine gewinnbringende Investition für Offenbach sein kann.

Unnötiger Abstieg: Vor dem letzten Spieltag der Saison 2007/08 hatte der OFC die beste Ausgangssituation aller Abstiegskandidaten, zeigte am 18. Mai aber beim 0:3 in Osnabrück eine ganz schwache Vorstellung und fiel durch die Pleite noch auf den 15. Platz zurück, was nach drei Jahren Zweite Liga den Abstieg bedeutete. cd

Kommentare