Der Saubermann

+
Sein Hobby hat sich gewaschen: Jan Erik Baum macht Testläufe vor jeder Erstbenutzung.

Idstein – Briefmarken sammeln war gestern: Jan Erik Baum steht auf Waschmaschinen. Der 19-jährige Chemiker-Azubi  hat mittlerweile schon 48 der weißen Kisten. Seine Lieblingsbeschäftigung brachte ihm sogar den Titel „Hesse mit dem schrägsten Hobby“ ein. Von Mareike Palmy

Wieviel Waschmaschinen braucht Man(n)? Der gemietete Raum von Jan Erik Baum steht voll bis unter die Decke und sieht aus wie ein Waschsalon.

Waschmaschinen soweit das Auge reicht: 48 Stück stehen dicht in Reihe und übereinander gestapelt.Gleich daneben thronen 19 Trockner und ein Geschirrspüler. Vor zwei Jahren musste der Idsteiner extra einen Raum mieten, weil zu Hause im Keller kein Platz mehr für seine Sammlung war.

„Viele stempeln mich als verrückt ab, dabei ist mein Hobby einfach nur anders“, rechtfertigt sich Jan-Erik Baum vor blöden Kommentaren.

Schon in frühster Kindheit begann seine ausgefallene Beziehung zu den weißen Automaten. „Ich habe mir gerne den Schleudergang angeschaut, das fand ich als Dreijähriger spitze und es beruhigt mich auch heute noch“, erzählt der Frontlader-Fan. „Ein Nachbar hat mir dann seine alte, kaputte Waschmaschine geschenkt, als ich 13 Jahre alt war“, sagt Baum.

Inzwischen hat er wahre Museumsstücke unter seinen weißen Riesen. Verschiedene Marken, billig, teuer, alt, neu und von jedem Versandhaus eine. „Ich habe den kleinsten vollautomatischen Frontlader der Welt, der heißt Endora und stammt aus Österreich, den habe ich bei Ebay für 50 Euro ersteigert“, sagt der Idsteiner stolz. Das älteste Teil seiner Sammlung ist eine Bosch V 475 Intervallsystem von 1972. „Die läuft noch perfekt“, so Baum.

Er hat noch nie Wäsche verfärbt

Der 19-Jährige Chemiker-Azubi schaut nicht nur gerne beim Wäschewaschen in die Trommel, er repariert, stellt um, säubert und zerlegt die Maschinen auch in ihre Einzelteile. Nebenbei testet er die Waschgänge und verschiedenen Drehzahlen. „Es kommt nicht auf die Menge an, sondern auf Technik und Design, auch die Trommeln sind unterschiedlich und die Schleuderrichtungen“, erklärt der Experte. „Besonders schön ist es bei den alten Maschinen, da hört man noch richtig das Schaltwerk ticken“, sagt der glückliche Single.

Einmal in der Woche ist großer Waschtag bei Familie Baum. Die Aufgabe übernimmt natürlich der Fachmann. „Acht Maschinen gibt das dann. Noch nie habe ich Wäsche verfärbt oder einlaufen lassen.“ Mit seinem Waschmaschinenfimmel brachte es Baum 2011 sogar zu einem ungewöhnlichen Titel: Zum „Hessen mit dem schrägsten Hobby“ wurde er vom Radiosender FFH gekürt.

Während andere am Wochenende in die Disko gehn, ist es Baum wichtig, Zeit bei seinen Waschmaschinen zu verbringen. Seine Freunde konnte er auch schon mit seiner Leidenschaft infizieren: „Wir sitzen dann hier, lassen drei Maschinen gleichzeitig laufen und fachsimpeln über Waschmaschinen, wir führen aber auch normale Gespräche“, betont Baum lachend.

 

Kommentare