Ohne ihn geht nichts im Umstädter JUZ

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Vorbild-Zivi Sascha Emmerich arbeitet gern mit Jugendlichen.

Groß-Umstadt – Eigentlich ist Sascha Emmerich fertig ausgebildeter Elektroniker für Betriebstechnik. Seit April aber prägt er entscheidend die Arbeit der Kinder- und Jugendförderung der Stadt Groß-Umstadt mit – dort ist der 20-Jährige noch bis Ende des Jahres Zivildienstleistender. Von Jens Dörr

„Ich habe den Wehrdienst verweigert, weil ich bei der Feuerwehr bin. Dort helfe ich den Leuten. Was soll ich den Menschen denn dann woanders die Pistole auf die Brust setzen?“, meint Emmerich. Und wegen dieser Gewissensgründe arbeitet er jetzt als Zivi im Groß-Umstädter Jugendzentrum (JUZ).

Seine Arbeit wird von Joseph Paris von der Kinder- und Jugendförderung Groß-Umstadts geschätzt. Paris ist Emmerichs Vorgesetzter und lobt ihn in den höchsten Tönen: „Sascha ist ein ganz besonderer Zivi. Er arbeitet absolut selbstständig. Ist die Spülmaschine kaputt, besorgt er eine neue. Ich arbeite unheimlich gerne mit ihm zusammen, auch weil er sehr zuverlässig ist.“

Emmerich hilft, wo er kann

Bis zu 50 Leute zwischen zehn und 18 Jahren kommen ins Umstädter JUZ, vor allem aus der Kernstadt, je zu einem Drittel Deutsche, Portugiesen und Türken. In den meisten der Stadtteile gibt es separate Jugend-Container. Den in Heubach managt Emmerich mit einem Mitstreiter. In der Kernstadt gehört noch Sozialpädagoge Tolga Uslu zum Team, er betreibt den „Offenen Treff“ im JUZ, ist als Honorarkraft beschäftigt. Gunther Reimann betreut die Container in den Stadtteilen. Die Jugend selbst bringt sich etwa im Team UJAM („Umstadts Jugend arbeitet mit“) ein und organisiert Partys, hilft außerdem bei „Mini-Umstadt“, den zweiwöchigen Sommerferienspielen.

Emmerich versteht sich nur als ein Teil dieser Mannschaft. Dennoch ist er derzeit nicht wegzudenken aus der Kinder- und Jugendförderung. Ob Reparaturen, Besorgungen oder eben Vorbereitung von „Mini-Umstadt“ – ohne den Zivi aus Heubach liefe momentan wenig im JUZ.

Kids wollen einfach nur abschalten

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Sozialpädagogische Erfahrung habe er keine mitgebracht, „nur“ ehrenamtliches Engagement bei der Feuerwehr, sagt Emmerich. Doch das macht er durch Einsatz wett, wie sein Chef Paris sagt. Generell sei es aber nicht so, dass die Mitarbeiter des JUZ ständig auf die Jugend zugehen würden, um sie zu „pädagogisieren“. „Viele wollen einfach nur abschalten bei Billard, Kicker, Internet oder Playstation 3“, haben Paris und Emmerich unisono festgestellt.

Weitere Angebote kann sich Paris für die Zukunft gut vorstellen, medien- und musikpädagogische etwa. „In Hartz-IV-Familien gibt es selten Gitarren“, sagt er. Natürlich brauche es dafür weiteres Geld. Ob Sascha Emmerich die ersten Jam-Sessions noch miterlebt, steht in den Sternen. Zwar habe er großen Spaß bei der Arbeit und könne sich ein weiteres Engagement durchaus vorstellen. Prinzipiell will er aber in seinen erlernten Beruf zurück. Joseph Paris empfiehlt seinen Zivi wärmstens weiter: „Jeder, der ihn einstellt, kriegt einen super Mitarbeiter.“

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