Sankt Rochus: Auch bei Plan B gibt’s Einschnitte

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Das Krankenhaus St. Rochus in Dieburg steht vor einer ungewissen Zukunft.

Dieburg - Wie geht es mit dem zum Verkauf stehenden St. Rochus Krankenhaus in Dieburg weiter? Fest steht: Auch wenn es in kirchlicher Hand bleibt, werden Stellen abgebaut. Von Jens Dörr

Seit dem 30. August dieses Jahres sind die Sorgenfalten bei der Belegschaft des Dieburger Krankenhauses St. Rochus und den Ärzten und Mitarbeitern der angeschlossenen Praxen größer geworden. Es war der Tag der Pressekonferenz, auf der das Bistum Mainz als Rochus-Eigentümer, der Landkreis Darmstadt-Dieburg mit seinen Kreiskliniken in Groß-Umstadt und Jugenheim und die Stadt Darmstadt mit ihrem Klinikum massive Veränderungen für das Dieburger Spital bekanntgaben. Kreiskliniken und Klinikum sollen künftig 90 Prozent der Anteile einer neuen GmbH halten, in die das St. Rochus überführt werden soll.

Geburtshilfe gibt´s weiterhin

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Derzeit verzögern sich die Verhandlungen zwischen den drei Parteien, auch weil den massiv rote Zahlen schreibenden Kreiskliniken und dem ebenfalls stark defizitären Klinikum das seinerseits unrentable Haus im Herzen Dieburgs zu teuer erscheint. Auf Seiten des Bistums gilt Verhandlungsführer Angelo Stipinovich als ausgebuffter Profi. Im St. Rochus herrschen momentan Unmut und Befürchtungen. Das verdeutlichten diese Woche Interims-Geschäftsführer Günter Schmalen, der Ärztliche Leiter Dr. Mario Corcilius, Dr. Arno Depta (Chefarzt Intensivstation), Carmen Zissel (Stationsleiterin Intensivstation) sowie Krankenschwester Margarete Cibis-Stefanko, die seit acht Jahren Vorsitzende der Mitarbeitervertretung ist.
Derzeit sehen sie sich zusammen mit den 200 Rochus-Angestellten und den Belegschaften der angeschlossenen Arztpraxen, deren Wohl und Weh stark mit dem Erhalt des Hauses zusammenhängt, großer Ungewissheit, mangelhafter Kommunikation und vor allem wilden Spekulationen ausgesetzt. „Besonders auf den Plan gerufen hat uns das Gerücht, dass es ab dem neuen Jahr keine Geburtshilfe in Dieburg mehr gebe“, sagt der freie Berater Schmalen, dessen Vertrag mit dem Bistum zunächst bis Jahresende läuft. Er betont: „Das stimmt definitiv nicht.“ In Dieburg werde weiterhin entbunden.

„Unsere Leute wollen hier weiterarbeiten“

Corcilius stellt heraus: „Es ist nach Bekanntgabe der Verhandlungen weder dort noch in irgendeinem anderen Bereich zu medizinischen Einschränkungen gekommen.“ Cibis-Stefanko lobt das Betriebsklima und das Verhalten der Mitarbeiter in der jetzigen vertrackten Lage, in der keiner näher sagen könne, wie die Zukunft des St. Rochus’ aussehe: „Zwar spielen manche mit den Gedanken, das Haus zu verlassen. Woanders wären sie in solch einer Situation aber schon längst gegangen und hätten mit einer neuen Stelle auf Nummer sicher gesetzt. Unsere Leute jedoch wollen gern hier weiterarbeiten, nach christlichem Leitbild pflegen und tun dies teils seit 30 Jahren. Wir sind wie eine große Familie.“

Dass diese bei der möglichen künftigen Mitsprache durch Kreiskliniken und Klinikum verkleinert werden dürfte, gilt als sehr wahrscheinlich. „Wenn Plan B kommt, wird es allerdings auch Härten geben“, macht Schmalen niemandem etwas vor. „Plan B“ soll heißen: Im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen und dem Verbleib beim Bistum. Sollten die Verhandlungen gelingen, blieben in Dieburg alte Sorgen bestehen: Die Kreisklinik Groß-Umstadt löst bald mit einem neuen Haus samt 300 Betten, die in Zeiten kürzerer Krankenhaus-Aufenthalte gefüllt werden wollen, seinen Altbau ab. Zu Lasten des St. Rochus könnte auch der dort bestehende Bedarf nach gutem medizinischen Personal gehen.

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