Wird bald wieder in der Schule volkstümlich gesungen?

Sänger Christoph von Weitzel will das deutsche Volkslied retten

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Bariton Christoph von Weitzel (links) und sein Pianist Ulrich Pakusch vor dem Offenbacher Büsing Palais.
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Region Rhein-Main – Nur noch ganz wenige kennen es, noch weniger singen es. Das Volkslied ist in der Krise. Jetzt fordert Sänger Christoph von Weitzel die Volksliedpflicht für Kindergärten und Schulen – und testet die EXTRA TIPP-Leser auf ihre Volkslied-Kenntnis. Von Christian Reinartz

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 „Kein schöner Land“, „Oh Täler weit oh Höhen“ und „Geh aus mein Herz“ – wer kennt sie überhaupt noch die alten Klassiker? „Fast niemand“, sagt Christoph von Weitzel.
Er ist ausgebildeter klassischer Sänger und hat sich einer Mission verschrieben: Er will das Volkslied retten! „Das Problem ist, dass diese Lieder heute regelrecht verpönt sind.“ Schuld seien die Nazis, sagt von Weitzel. „Die haben diese wunderbaren Lieder für ihre Sache missbraucht. Für manche galten in der 68er-Jahren Volkslieder sogar als politisch nicht korrekt.“ Das wirke sich bis heute aus.

Volkslieder sind Identität

Das Image sei angestaubt. „Dabei haben diese Lieder so viel zu bieten“, sagt von Weitzel. „Sie sind viel mehr als bloße Lieder, sie sind Identität.“ Volkslieder zu singen, stärke die Zugehörigkeit zu einem sprachlichen und kulturellen Raum. „In anderen Ländern ist das völlig normal. Hier bei uns nicht“, moniert der Bariton. „In Irland ist es ganz normal, dass abends im Pub jemand aufsteht und ein Volkslied singt“, sagt er. „Da schaut keiner schräg. Und sogar die jüngeren sind ruhig und hören zu.“ Hier sei so etwas aber undenkbar.

Alte Singkultur kaum noch zu finden

Warum vor allem Kinder rund junge Erwachsene meist noch nicht mal ein einziges Volkslied kennen, liege an den Lehrern, ist von Weitzel überzeugt: „Mittlerweile ist da eine Lehrergeneration am Start, die selbst ohne Volkslied aufgewachsen ist. Deswegen vermittelten sie diese Tradition auch nicht mehr.“ Aber auch die mediale Entwicklung treffe Schuld am Niedergang des Volkslieds. „Gemeinsames Musizieren wurde immer mehr von anderen Formen der Musikunterhaltung verdrängt“, sagt von Weitzel. „Nur in Chören auf dem Land ist noch ein Funke der alten Singkultur zu finden.“

Volkslieder sollen zur Pflicht werden

Von Weitzel will das nun ändern. „Ich fordere eine Pflicht, den Kindern schon im Kindergarten und in der Grundschule das deutsche Volksliedgut beizubringen.“ Und er ist überzeugt, dass eine Volksliedpflicht viel Gutes mit sich bringen würde. „Da entsteht Kommunikation, Empathie und Stimmung. Volkslieder singen hat viel mit sozialen Fähigkeiten zu tun. Man lernt etwa, aufeinander zu hören.“ Zudem steige die Wahrnehmungsfähigkeit und die Gehirnentwicklung werde begünstigt.

Kultusministerium: "Diese Lieder haben ihren Platz"

Beim Hessischen Kultusministerium rechtfertigt sich Sprecher Philipp Bender so: „Diese Lieder haben durchaus ihren Platz im Unterricht, und ihre Pflege ergibt sich aus den Formulierungen der Bildungsstandards Musik. Dort steht das Singen an ersten Stelle im definierten Kompetenzbereich ,Musik machen’“. Für Weitzel ist das nicht genug: „Letzten Endes kommt es doch nur drauf an, ob dieser Platz auch ausgefüllt wird. Aber an den meisten Schulen ist da, wenn überhaupt, nur noch Raum für Pop-Songs und Musik aus der Konserve.“

Wer erkennt die Volkslieder?

Christoph von Weitzel will die EXTRA TIPP-Leser nun testen, wie gut sie sich bei Volksliedern auskennen. Im Video singt er die größten Volkslied-Klassiker kurz an. Einfach die Lieder erraten und das hier unten angefügte Formular ausfüllen. Wer richtig liegt, nimmt an der Verlosung von zweimal zwei Karten für Konstantin Wecker am 3. August teil.

Das Gewinnspiel ist abgelaufen.

Christian Reinartz

Christian Reinartz

E-Mail:christian.reinartz@extratipp.com

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