Seine Spielwiese sind Mauerfassaden

Roman Rückerts Illusionen an der Hauswand

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Sein neuestes Werk hat Roman Rückert kürzlich in Dieburg an der Ecke zwischen Waldstraße und Friederike-Nadig-Straße kredenzt. Es ist 150 Quadratmeter groß.

Roßdorf/Dieburg – Seine Bilder wandern zwischen Realität und Fiktion: Roman Rückert ist ein Meister der Illusionsmalerei. Am liebsten malt er auf Mauer- und Häuserfassaden. Von Jens Dörr

Ein riesiger Bagger, der sich durch eine Mauer frisst. Ein Klettergerüst mit tollenden Kids. Ein Kajakfahrer, der sich einen Wasserfall hinunterstürzt, beobachtet von St. Martin, dem Stadtheiligen Dieburgs. Motivische Grenzen scheint es für Roman Rückert kaum zu geben. Der 47-Jährige aus dem Roßdörfer Ortsteil Gundernhausen ist eigentlich gelernter Kfz-Mechaniker, hat die Reparaturwerkzeuge aber schon früh gegen Farbe und Pinsel ausgetauscht. Wobei er mit handelsüblichen Pinseln nicht weit käme: Mauer-, Wand- und Hausfassaden sind die Spielwiese Rückerts – und die dritte Dimension spielt dabei die herausragende Rolle.

„Ich brauche diesen Kick“

Einen Moment könnte man meinen, diese Mauer werde tatsächlich gerade abgerissen.

Denn Roman Rückert ist Illusionsmaler. Wer vor seinen Werken steht, fragt sich eine zeitlang tatsächlich, ob da nicht etwas aus der Wand herausragt, ob da nicht etwa ein Weg ins Gebäude hineinführt. „Um die Illusionen zu erreichen, gibt es verschiedene Tricks“, verrät Rückert. Was im Hintergrund sein solle, male er etwa immer blasser als die vordergründigen Teile. „Man muss die Perspektive richtig ausarbeiten. Wichtig ist auch, sich zunächst einen idealen Punkt zu suchen, auf den die Leute als Erstes schauen.“ Ist der gefunden, geht es ans Werk, manchmal mit Hilfe eines Projektors. Vorangegangen ist dabei in der Regel die Erstellung eines Konzepts.

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„Ich brauche diesen Kick, es brennt in meiner Künstlerseele“, beschreibt Rückert, warum er sich in diesem harten Metier hauptberuflich zu verdingen versucht und es nicht nur beim Hobby belässt. Immer wieder gebe es Phasen, in denen die berufliche Selbstständigkeit mit der Malerei gut funktioniere. Ab und an sei es aber auch so, wie es die Vorurteile zu Künstlern gern besagen – da lebe man von der Hand in den Mund. Rückert sucht sich dann Nebenjobs. Auf das bisher Erreichte ist er nichtsdestotrotz stolz. Künstlerisch hat er gerade einen neuen Akzent gesetzt, in Dieburg eine 150 Quadratmeter große Hauswand mit einem Aufsehen erregenden Wasserfall bemalt.

Einen Moment könnte man meinen, diese Mauer werde tatsächlich gerade abgerissen.

Daneben macht Rückert „auch viel Airbrush“, Plastiken aus diversen Werkstoffen zählen ebenfalls zu seinem Repertoire. Ein Kasper auf dem Elferratswagen des Karnevalvereins Dieburg zählt ebenso zu seinen Werken wie der Fassadenblickfang eines Traktorengeschäfts in Groß-Zimmern oder optisch reizvolle Wände im Gundernhäuser Kindergarten. Große Projekte seien „immer ein Gewaltakt“, der Stolz am Ende dafür aber ebenfalls immens.
„Ich habe eine riesige Lust, mich auszudrücken“, nennt Rückert derweil als Grund für seine außergewöhnliche Arbeit. Schon als Kind malte er viel und gern, legte mit Bühnenbildern für die Fastnacht in Gundernhausen erste Referenzen und die „Angst vor großen Flächen“ ab. Nun hat er auch noch mit dem Saxophonspielen begonnen, mischt in einer Integrativen Band gemeinsam mit Behinderten im Odenwald mit. Vorerst bleibt Roman Rückert allerdings ein Meister der optischen Illusion.

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