Mit Turnerlegende Eberhard Gienger

Video: Rollstuhlfahrerin wagt den Sprung ihres Lebens

Region Rhein-Main – Rollstuhlfahrer können nicht Fallschirmspringen? Von wegen! Für eine Dreieicherin ist nun ihr größter Traum in Erfüllung gegangen. Ermöglicht haben ihr das Unmögliche ein guter Freund – und Turnerlegende Eberhard Gienger. Von Christian Reinartz

Video über den Wolken! Rollstuhlfahrerin wagt Fallschirmsprung

Dreieich - Turnerlegende Eberhard Gienger ermöglicht einer Dreieicher Behinderten ihren sehnlichsten Wunsch: Einen Fallschirm-Tandemsprung.

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Als sie vor drei Jahren im Rollstuhl landet, denkt Dunja Morian, sie muss ihren großen Traum begraben. Eine Verengung des Rückgrat-Wirbelkanals macht ihr das Laufen unmöglich. „Ich habe früher soviel Sport gemacht, aber jetzt geht nichts mehr“, sagt Morian. „Es war schon hart, all das erstmal zu akzeptieren.“ Weil sie ihren Alltag nicht mehr alleine meistern kann, lebt die 46-Jährige im Alten- und Pflegeheim Ulmenhof in Dreieich-Sprendlingen. Dort trifft sie auf Carlheinz Rühl, den ihre Geschichte rührt. Als er sie fragt, was sie sich zum Geburtstag wünscht, erzählt sie von ihrem großen Wunsch, dem Fallschirmspringen. Doch während Morian wehmütig an die Vergangenheit denkt, beginnt es in Rühl zu arbeiten. „Ich habe als ehemaliger Marketingmann im Sportbereich zahlreiche Kontakte“, sagt Rühl. „Die habe ich einfach genutzt und meinen alten Freund Eberhard Gienger angerufen.“ Gienger ist Deutschlands Turnerlegende Nummer eins und seit 2002 Mitglied des Bundestages für die CDU. 36 Mal wurde er deutscher Meister, dreimal Europameister und sogar dreimal Vize-Weltmeister. Dazu holte er Bronze bei den Olympischen Spielen 1976. Und er ist passionierter Fallschirmspringer, hat mittlerweile über 5000 Sprünge absolviert.

Mehrere Tausend Meter hoch

Er reagiert sofort auf die Anfrage seines alten Freundes und trifft sich mit Dunja Morian, um alles abzusprechen. Die Kosten für den Sprung werden ebenfalls übernommen. Ein weiterer Freund von Rühl, Horst Jung, Inhaber der Firma Portas, übernimmt kurzerhand die Kosten. Endlose Gespräche mit Ärzten, Heimbeirat und Pflegern später, stehen die Ampeln dann endlich auf grün. „Ich habe gar nicht glauben können, dass das wirklich passiert“, sagt Dunja Morian. Am Samstag, 8. August, sitzt sie dann zusammen mit Gienger in der kleinen Propellermaschiene, die die beiden auf mehrere Tausend Meter bringt. Aufgeregt ist sie nicht. „Ich habe seltsamerweise überhaupt keine Angst gehabt“, sagt Morian. Nicht mal als sich die Türe der Maschine öffnet und ihr der Wind um die Ohren pfeift. Als Ginger dann mit ihr springt, ist sie glücklich. „Für mich ist damit mein allergrößter Wunsch in Erfüllung gegangen“, sagt Morian. Die Fotos ihres lachendes Gesichts beweisen es. „Ich habe jeden Moment in der Luft ganz intensiv wahrgenommen und genossen“, sagt Morian. „Diese Minuten völliger Freiheit mit dem Wind im Gesicht werde ich mein ganzes Leben nicht mehr vergessen.“

Rubriklistenbild: © nh

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