Vorerst gestoppt

Biogasanlage in Rodgau ausgebremst

+
So hätte es zwischen Heusenstamm und Rodgau aussehen können: Diese Foto-Montage zeigt eine Biogasanlage auf dem Areal.

Rodgau –  Mit einer Veränderungssperre für das Gelände haben Rodgaus Stadtverordnete die Planungen für den Bau einer Biogasanlage vorerst gestoppt. Sollte nun keine Einigung mit dem betroffenen Landwirt erzielt werden, droht diesem die Enteignung. Von Sandra Klauß

Etwa 21 Hektar Land und ein paar ehemalige Sendegebäude auf der Gemarkung zwischen Weiskirchen und Rembrücken sorgen weiterhin für Gesprächsstoff. Während Land-Besitzer Stefan Wolf  auf dem früheren Sendegelände des Hessischen Rundfunks die Errichtung einer Biogasanlage plant, will die Stadt dort naturschutzrechtliche Ausgleichsflächen ausweisen. Der EXTRA TIPP berichtete.

Keine Alternative für Landwirt

Lesen Sie außerdem:

Widerstand gegen geplante Biogasanlage wächst

Steffen Zöller aus Groß-Zimmern ist Hessens bester Nachwuchslandwirt

Der Lernbauernhof in Ober-Eschbach lädt Frankfurter Kinder ein

Nach gescheiterten Vorverhandlungen haben die Stadtverordneten für das Areal „Im Hengstern“ auf ihrer Sitzung am vergangenen Montag eine Veränderungssperre erlassen. Diese schließt bauliche Veränderungen auf dem Gebiet für die nächsten zwei Jahre aus – Wolfs Pläne liegen damit vorerst auf Eis. Sollten sich beide Seiten nun nicht auf einen Kompromiss einigen, könnte die Stadt den Bauern auch schon innerhalb der zwei kommenden Jahre enteignen. „Wenn es soweit kommen sollte, werde ich Normenkontrollklage einreichen. Eine Alternative bleibt mir nicht“, sagt Wolf, der selbst für die CDU im Magistrat sitzt. Unterstützung erhielt der Bauer von seinen Parteigenossen. Die CDU-Fraktion, aber auch die Vertreter der Wählergemeinschaft „Zusammen mit Bürgern“ stimmten auf der Stadtverordnetenversammlung gegen den Beschluss. Die Linke enthielt sich. Die Kooperation aus SPD, FDP, Grünen und Freien Wählern votierte mit ihrer Stimmenmehrheit für die Veränderungssperre, die damit sofort in Kraft getreten ist. „Auf diese Weise hat sich die Stadt ein Zeitfenster geschaffen, in dem sie sich nochmals ausführlich mit dem Thema befassen kann“, sagte Rodgaus Pressesprecherin Sabine Fischer.

Landwirt muss Baupläne begraben

Befasst hatten sich beide Seiten bereits am 26. November mit ihren unterschiedlichen Standpunkten. Ein Treffen von Bauer Wolf mit Vertretern der Stadtplanung und Bürgermeister Jürgen Hoffmann  endete jedoch ohne Ergebnis. „Ich hatte der Stadt Teile des Gebiets angeboten, die ihnen 2,5 Millionen Ökopunkte eingebracht hätten. Das war ihnen jedoch nicht genug“, sagt Wolf. Mit dem gesamten Gebiet seien maximal 3,3 Millionen Ökopunkte zu erreichen. Doch dann müsste Wolf seine Baupläne begraben. Die Wirtschaftlichkeit der Flächen sei außerdem für ihn als Bauern nicht mehr gegeben: „Äcker und Felder sind nun mal die Existenzgrundlage von Landwirten.“ Ökopunkte können auf naturschutzrechtlichen Ausgleichsflächen gesammelt werden. Ihre Schaffung ist gesetzlich vorgeschrieben, um einen Ersatz für Eingriffe in Flora und Fauna an anderer Stelle zu schaffen – wie etwa für die Einrichtung neuer Wohngebiete. Wolf setzt seine Hoffnungen in neue Verhandlungen mit der Stadt: „Ich denke, dass sich alle Beteiligten Anfang des neuen Jahres noch einmal zusammensetzen werden, und ich prüfe bis dahin die Möglichkeiten, die mir bleiben.“ Etwa zur gleichen Zeit möchte der Landwirt sein Biogasanlagenkonzept der Öffentlichkeit näher vorstellen. „Ich möchte mein Vorhaben transparent gestalten und offene Fragen gern beantworten“, sagt Wolf, der auf diese Weise hofft, auch mit Vorurteilen gegenüber der Anlage aufräumen zu können

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare