Rodgau Monotones-Gitarrist zum neuen Album "Genial"

Ali Neander: „Wir kommen prollig rüber, aber immer ironisch“

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Auch nach 30 Jahren im Musikgeschäft sind die Rodgau Monotones kein Stück leiser geworden und haben ein neues Album veröffentlicht. Gitarrist Ali Neander (rechts): „Neues Material ist wichtig, sonst kann man die Verwesung beantragen."

Nach sieben Jahren erscheint ein neues Album der Rodgau Monotones. Gitarrist und Songschreiber Ali Neander verrät, wie wichtig der Band Lokalkolorit ist und mit welchen Musik-Legenden sie sich auf Augenhöhe fühlt. Von Dirk Beutel

„Genial“ heißt eure neue Platte. Was ist denn so genial dran?

Das ist als Geste zu verstehen. Selbstverarschung quasi. Wir werden ja auch immer mit einer gewissen Putzigkeit in Verbindung gebracht, auch wegen des Hessischen. Da dachten wir, dass wir eine gewisse Großkotzigkeit an den Tag legen sollten. Das spiegelt sich auch teilweise in den Stücken wider. Unheimlich prollig, aber immer ironisch.

Warum habt ihr sieben Jahre für euer neues Album gebraucht?

Das weiß ich gar nicht genau. Wir sind eben wie so ein großer alter rostiger Güterzug, bis da die Räder mal laufen, kann es schon etwas dauern. Vor zwei Jahren haben wir aber bereits um unser Jubiläum herum angefangen an der neuen Platte zu arbeiten. Aber trotzdem ging es irgendwie nicht so richtig voran. Erst in diesem Frühjahr haben wir gesagt: Wenn wir jetzt nicht in die Pötte kommen, versandet das alles und haben uns eine knüppelharte Deadline gesetzt. Bei alten Ehen dauern solche Sachen eben etwas länger.

Euer alter Spezi Henni Nachtsheim ist auch wieder dabei.

Der hat zwei Texte geschrieben und singt bei zwei Songs mit und ist sowieso eine Art stilles Mitglied bei uns. Man darf nicht vergessen: Er ist jetzt seit 25 Jahren nicht mehr in der Band, aber der Kontakt ist nie verloren gegangen.

Wie wichtig ist dieses Album, um wieder mal ein Lebenszeichen als Band zu setzen?

Neues Material muss sein, sonst kann man gleich die Verwesung beantragen. Natürlich assoziieren uns die meisten immer noch mit „Die Hesse komme“, das ist super und gehört zu uns. Aber sich damit zu begnügen ist nicht unser Ding, sonst schlafen alle ein, und unsere Musik soll ja Spaß machen – uns und dem Publikum.

Aber Lokalkolorit ist euch immer noch wichtig?

Klar, damit werden wir auch identifiziert. Aber ich glaube, schon seit „Die Hesse komme“, was ja im Grunde als selbstironisches Lied gemeint war. Denn Lokalpatriotismus finden wir schrecklich, außer wenn man sich selbst darüber lustig macht. In unseren Texten sprechen wir höchstens zehn Prozent hessisch, 100 Prozent à la Wolfgang Niedecken auf Kölsch, das wäre seltsam und wollen wir auch nicht. Viel typischer hessisch ist, wenn man Dinge in kurzen Sprüchen philosophiert. „Es geht de Mensche, wie de Leut...“ da ist alles gesagt.

Seit Jahren seid ihr unterwegs. Fühlt ihr euch auf Augenhöhe mit anderen deutschen Musiklegenden?

Was Erfolg anbelangt natürlich überhaupt nicht. Als wir in den Achtzigern vergleichsweise Erfolg hatten, waren wir in unserem Erscheinungsbild viel diffuser als die anderen, die einen Frontmann hatten oder eine klare Einteilung in der Band. So etwas gab es bei uns von vornherein nicht. Dafür waren wir nie bestimmt. Wir sind wie eine Art Kommentar an der Außenlinie des Geschehens. Unser Vorteil dadurch ist, dass wir eine Langlebigkeit bekommen haben. Wir sind noch da, winken den Leuten immer fröhlich zu, wenn sie an uns vorbei nach oben ziehen, aber auch, wenn sie wieder nach unten durchrutschen. In der kurzen Zeit in der mal von uns viel erwartet wurde, dass wir jetzt zuschlagen und Hits herausbringen, da haben wir uns eher verkrampft. So zu arbeiten können andere viel besser als wir.

Euch macht es also nichts aus, dass eure Songs nicht mehr im Radio gespielt werden?

Es ist existenzerhaltend. Wir nagen aber auch schon am Seniorentum, da bist du nicht mehr in der nationalen Pop-Szene zu Hause. Das wäre ja auch absurd.

Der Kern der Band ist seit Jahrzehnten zusammen. Seid ihr mittlerweile so etwas wie Freunde?

Auf eine gewisse Art und Weise sicher. Aber jeder hat sein berufliches und sein privates Leben. Deshalb mein Tipp als Eheberater für eine lange glückliche Beziehung lautet ganz klar: Lasst zwischen euch einen gewissen Anteil an offenen Fragen. Weil man sich dann immer wieder noch etwas zu erzählen hat.

Wie lange wollt ihr noch zusammen auf die Bühne?

Bis der erste Sarg von der Bühne getragen wird. Es gibt ja eine ganze Generation von Rockbands, die in ein bestimmtes Alter kommen, sich aber immer noch so sehen, wie vor 30 Jahren. Das wollen wir nicht. Ich finde, man sollte altersgemäß klingen und nicht wie jemand anderes, jemand jüngeres. Auf die Bühne zu gehen und den Bauch einzuziehen und auf jugendlich zu machen ist peinlich, das braucht keiner. Wir sind immer noch gut drauf und das wollen die Leute ja auch von uns. Wenn wir keine Euphorie mehr besitzen, können wir aufhören.

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