Rodgaus Himmel bleibt hart umkämpft

Rodgau/Babenhausen - Wie viel Lärm muss Rodgau durch den Kunstflieger Peter Steiman ertragen? Diese Frage stellt sich jedes Jahr neu. Alle Versuche, sich zu einigen, scheitern. Von Axel Grysczyk

Jetzt droht der betroffene Kunstflieger Peter Steiman: "Wenn das Aktionsbündnis mich weiter öffentlich beschuldigt Flugauflagen zu verletzen, werde ich mich an bisherige freiwillige Übereinkünfte nicht mehr gebunden fühlen." Zweimal haben sich Vertreter des Aktionsbündnisses und der Kunstflieger im vergangenen Frühjahr im Regierungspräsidium Darmstadt getroffen. Die Behörde als das zuständige Luftfahrtskontrollgremium tritt als Vermittler auf. Als Resultat der Treffen hat sich Steiman bereit erklärt, seine Kunstflug-Aktivitäten freiwillig einzuschränken. Unter anderem sind Zeiten festgelegt und mit 25 Samstagen die Anzahl der Flugübungen am Wochenende fixiert worden. Darüber hinaus finden am Sonntag keine Flüge statt und Steiman hält einen ausreichender Abstand zur Wohnbebauung ein. Und genau daran ist der neueste Streit entbrannt.

Für Heinz Carl vom Aktionsbündnis gegen den Kunstflieger ist dieser Abstand nach diesen Treffen mehrfach missachtet worden. Carl: "Ich habe diese Vorfälle bereits vor drei Wochen schriftlich an das Regierungspräsidium weitergereicht. Ich erwarte eine Stellungnahme. Dann werden wir sehen, wie es weitergeht." RP-Pressesprecher Dieter Ohl machte bereits mehrmals darauf aufmerksam, dass seine Behörde nur Vermittler ist. "Rechtlich kann man gegen den Kunstflieger nichts machen. Er verstößt gegen keine Gesetze oder Auflagen. Verletzungen von Richtlinien bei seinen Flugübungen sind mir nicht bekannt", sagt Ohl auf EXTRA-TIPP-Anfrage. Trotzdem sieht es das RP als seine Aufgabe, bei einem solchen Konflikt eine Lösung mit den Beteiligten zu suchen.

Dem hat Kunstflieger Peter Steiman zugestimmt. "Ich habe mich an die Übereinkunft gebunden gefühlt. Auch wenn ich freiwillig auf Flüge verzichte", sagt er. Ihn ärgere, dass das Protokoll unter Zeitdruck zustande gekommen wäre und im letzten Augenblick aus der Sonntags-Regelung eine Sonn- und Feiertagsregelung gemacht wurde. "Von den Feiertagen war vorher von meiner Seite nie die Rede", sagt er. Denn er würde beispielsweise Pfingstmontag gerne fliegen.br /Steiman kann die Aufregung über zu viel Lärm grundsätzlich nicht verstehen. Sein Flugzeug verursache laut offiziellen Papieren eine Lautstärke vergleichbar mit einem vorbeifahrenden Auto. Steiman: "Wenn man die Dezibel-Zahlen vergleicht, ist ein Rasenmäher lauter." Und der rattere direkt in der Nachbarschaft über Stunden. Er selbst fliegt mit seinem Kunstflugzeug mit einer Spannweite von gerade mal acht Metern nicht länger als maximal 15 Minuten. "In der Regel sind es zehn Minuten und das zweimal am Tag", erklärt er. Und da er seine Kunststücke fast ausnahmslos über dem Opel-Testgelände übt, ist er rund 3,5 Kilometer von der Wohnbebauung entfernt.

Der Vorwurf zu dicht an Häuser heranzufliegen oder über bebautem Gebiet zu üben und zu tief zu fliegen, ärgert ihn. "Es ist schlichtweg verboten und wird strafrechtlich verfolgt, wenn ein Kunstflieger über der Wohnbebauung übt oder zu tief fliegt. Mir wird immer wieder öffentlich vorgeworfen, die Gesetze zu brechen. Das werde ich nicht weiter dulden", sagt Steiman. Dieter Ohl vom RP bestätigt, dass der Kunstflieger diesbezüglich noch nie negativ aufgefallen sei.br /Für Steiman steht fest: Werden diese Tiefflug-Vorwürfe weiter aufrecht erhalten, wird er sich Schritt für Schritt nicht mehr an Kompromisse aus dem RP-Treffen gebunden fühlen. Steiman: "Dann werde ich mich nicht mehr wie bisher an vereinbarte Zeiten halten und vielleicht sonntags fliegen." Er sei sich sicher, dass nur wenige aus dem Aktionsbündnis den Frontalkurs mit ständigen Unterstellungen unterstützen, der darauf abzielen soll, dass er gar nicht mehr fliegt. Das Gros der betroffenen Bevölkerung akzeptiere die Kompromisse und erkenne an, dass er freiwillig sein Hobbys einschränkt, um den Lärmempfindlichen entgegen zu kom

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