Rock’n’Roll statt Scheidungs-Kriege

+
Coole Pose: Norman Kiefer ist mit Leib und Seele Rockmusiker.

Rödermark – Der Rocker, der ein Anwalt war. So ungefähr könnte man den Werdegang von Norman Kiefer beschreiben. Er verdiente seine Brötchen bereits als fertiger Jurist für Erb-, Familien- und Scheidungsrecht, als ein Lied des Doors-Sängers Jim Morrison sein Leben von heute auf morgen komplett auf den Kopf stellte. Von Frederick Bausch

Dunkle Walle-Mähne, schwarze Klamotten, dicke Lederarmbänder – wer Norman Kiefer zum ersten Mal erblickt, kann sich kaum vorstellen, dass der sympathische 37-Jährige noch bis Ende 2008 als Scheidungsanwalt Karriere machen wollte. Denn wie ein Jurist sieht er so gar nicht aus. „Aber ich habe schon während meines Jura-Studiums in Frankfurt immer Gitarre gespielt – und acht Jahre lang gelehrt“, erzählt der gebürtige Dietzenbacher. Ehemalige Schüler von ihm spielen heute in lokalen Bands wie Scatric, Purple Star oder Garlic. Und er unterrichtet heute noch E-Gitarre, E-Bass, Western- und klassische Gitarre.

Hier geht´s zur Rocklounge und zu Norman Kiefers Myspace-Seite.

Eines schönen Herbsttages 2008 fuhr er wie gewohnt zu seinem Arbeitsplatz am Darmstädter Landgericht. Als er vor einer geschlossenen Bahnschranke halt machen musste, hörte er im Radio die Song-Zeile „Break On Through To The Other Side“ von Jim Morrison, was soviel heißt wie „Kämpf dich durch zur anderen Seite“. „Und da wusste ich: Kiefer, dreh um und mach deine Bude auf“, erinnert sich der Gitarren-Freak. „Es war schon immer mein Traum, einen Musikladen zu eröffnen.“ Und so wendete er seinen Wagen und fuhr zurück, um sein Hobby endlich auch zu seinem Beruf zu machen.

Der Anfang war schwer: „Ich hatte zwar etwas Geld zur Verfügung. Dennoch musste ich ziemlich für meine Idee kämpfen. Aber es hat sich gelohnt. Ich lebe und sterbe für die Musik, sie hat mir über so manchen Schicksalsschlag hinweg geholfen. Zum Beispiel, als mein Vater an Krebs starb und meine kleine Tochter am Herzen operiert werden musste.

Let‘s rock! Norman Kiefer mit seinem Mentor Heiko Busse (links) vor seinem Laden in Ober-Roden.

Zudem ist ihm durch seinen Musikunterricht immer wieder aufgefallen, dass Instrumente mit schlechtem Klang und komplizierter Spielbarkeit einige seiner Schüler irgendwann resignieren ließen. „Da lag es für mich nahe, ein Fachgeschäft zu eröffnen, das auch höchsten Anforderungen gerecht wird.“ Im Rödermarker Rocklounge bietet er seit Kurzem alles an, was das Musikerherz begehrt – von Gitarren der Marken Fender, Ibanez oder Jackson bis hin zu allerlei hochwertigem Zubehör. Doch nicht nur das: Stolze Mütter geben ihre Sprösslinge nur allzu gerne in die professionellen Hände des erfahrenen Musikers, der ihnen vor Ort alles rund ums Gitarrespielen beibringt.

Das bedeutet für Norman Kiefer absolute Erfüllung, getreu seinem Motto: „Du kannst nur darin gut sein, was du gerne und mit Leidenschaft machst.“ Spricht‘s und verzieht sich fröhlich „klimpernd“ mit seinem nächsten Schüler zur Gitarren-Stunde ins Hinterzimmer.

Kommentare