RMV: "Wir stoßen an unsere Grenzen"

S-Bahn-Tunnelsperrung in Frankfurt frustriert Fahrgäste

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Die Tunnelsperrung in Frankfurt setzt zahlreichen Pendlern im Rhein-Main-Gebiet zu.

Region Rhein-Main - Noch bis zum 11. April, ist der Frankfurter S-Bahntunnel fast komplett wegen Bauarbeiten für ein neues elektronisches Stellwerk gesperrt. Dieses soll Pünktlichkeit und Qualität des S-Bahnnetzes verbessern. Doch davon merken die Fahrgäste zur Zeit nicht viel. Von Janine Drusche

„Ich habe heute fast zwei Stunden zur Arbeit in Offenbach gebraucht, das kann doch wohl nicht sein“, sagt Marianne Eifler aus Seckbach. Normalerweise fährt sie mit der U-Bahn zur Konstablerwache, steigt dann in die S-Bahn zum Marktplatz und braucht rund eine halbe Stunde für ihren Weg.

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Jetzt muss sie mit dem Bus fahren: „Und der steckt jeden Morgen im Stau und ist natürlich dazu noch überfüllt“, schimpft Eifler. Die Stationen Taunusanlage, Hauptwache, Konstablerwache, Ostendstraße und Lokalbahnhof können nicht mit der S-Bahn erreicht werden. Ausgerechnet die Stationen, die Frankfurt und Offenbach miteinander verbinden, die Knotenpunkte für den öffentlichen Berufsverkehr bilden.

„Angst, nie ans Ziel zu kommen“

„Trotz der Sperrung kommen Sie an Ihr Ziel, denn wir haben Ersatzverkehr eingeplant“, schreibt der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) auf seiner Homepage. Das stimmt zwar, denn alle Wege führen irgendwann nach Rom: Aber da die S-Bahnlinien S1 bis S6, S8 und S9 nach einem anderen Plan fahren, stecken für die Fahrgäste extreme Unannehmlichkeiten dahinter. Die Bahnsteige sind überfüllt, es sind noch mehr hetzende und drängelnde Menschen als sonst unterwegs. Sie versuchen irgendwie ihren Verpflichtungen nachzukommen. „Die Realität sieht anders aus, als es der RMV darstellt. Man muss ja Angst haben, nie an sein Ziel zu kommen, weil die verbleibenden öffentlichen Verkehrsmittel so voll gestopft sind“, sagt Rainer Niksch aus Offenbach. Doch müssten alle Fahrgäste von A nach B. Kein Arbeitgeber freue sich darüber, wenn der Arbeitnehmer zu spät ankäme, obwohl er schon extra früher aufgestanden sei, um bloß nicht zu spät zu kommen.

Konzerteinladung blanker Hohn

In dem er ein Konzert der Band „Von Brücken“ in der Taunusanlage am kommenden Samstag, 9. April, organisiert, möchte sich der RMV bei seinen Kunden für ihre Geduld während der Tunnelsperrung bedanken: Über zwei Wochen ist der S-Bahn-Tunnel zwischen Frankfurt Süd, Mühlberg und Hauptbahnhof gesperrt. Ersatzbusse und häufigere Fahrten anderer öffentlicher Verkehrsmittel wurden versprochen. Doch an allen Ecken und Enden fehlt der Ausgleich: „Wenn schon nur noch wenige Bahnen noch weniger Haltestellen anfahren, sollte man wenigstens davon ausgehen können, dass sie pünktlich sind. Aber so, wie es im Moment läuft, verpasst man noch die geplanten Anschlüsse und muss wieder eine halbe Stunde auf die nächste Verbindung warten“, sagt Anna Ries aus Rödelheim. Sie ärgert sich schon lange und immer wieder über den Verkehrsverbund, weil „er immer teurer wird, dafür aber kaum noch Leistungen bringt“, sagt die Studentin: „Da ist das Konzert wohl eher ein Hohn als ein Dank für die Geduld. Wir Nutzer haben ja gar keine andere Wahl als die Bauarbeiten und deren Folgen hinzunehmen.“

Ersatzbusse nicht überall einsetzbar 

RMV-Sprecher Sven Hirschler: „Im Moment dauert alles länger, es ist voller als sonst, und auch die Umsteigezeiten sind kürzer, aber der Tunnel muss saniert werden, da führt leider kein Weg dran vorbei.“ Das neue elektrische Stellwerk würde wirklich gebraucht. Der Tunnel sei vor 40 Jahren das letzte Mal saniert worden. „Ich kann den Ärger verstehen und die Unannehmlichkeiten für die Nutzer tun mir sehr leid. Aber die Alternative wäre gewesen, die Arbeiten zwei bis drei Jahre immer wieder zwischendurch zu erledigen. So haben wir es auf die Ferienzeit eingegrenzt, in der die wenigsten Personen betroffen sind“, sagt Hirschler. Ersatzbusse seien eingesetzt, aber das ginge eben nicht überall. Auch stünden mehr DB-Fahrräder zur Verfügung, die die erste halbe Stunde nichts kosteten.

Mehr als doppelt so langer Zeitaufwand für Wege

Pendler haben dennoch langsam keine Geduld mehr. Die Stimmung ist im Keller: „Man braucht fast drei mal solange wie normalerweise für manche Strecken, muss dabei manchmal drei bis vier mal umsteigen, rennen und hoffen, den Anschluss überhaupt zu bekommen. Da könnten wenigstens die Umsteigezeiten besser getaktet werden“, sagt Ries. So dauert die Strecke von Offenbach Marktplatz zur Konstablerwache etwa eine Dreiviertelstunde. Ohne Tunnelsperrung ist der Weg in weniger als zwanzig Minuten zurückgelegt. „Wir stoßen gerade an unsere Grenzen: Mehr Ersatz zu bieten als gerade, ist schlichtweg nicht möglich“, sagt der RMV-Sprecher. Trotzdem steht auch die nächste Unannehmlichkeit schon bevor: Zwischen Hauptbahnhof und Niederrad wird ab 14. April bis 11. Mai weiter an den Gleisen gewerkelt. Da warnt der RMV schon jetzt vor Lärmbelästigung in diesem Zeitraum – gerade mal drei Tage nach dem die andere Baustelle abgeschlossen sein soll. 

Tunnelsperrung macht RMV-Kunden zu schaffen

Fotos: Tunnelsperrung nervt Fahrgäste in Frankfurt

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