Er hat den richtigen Dreh raus

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An seinem Schreibtisch übt David Kling täglich. Dafür nutzt er verschiedene Zauberwürfel. Fürs Training nach Zeit nutzt er das offizielle Zeitmessgerät (blaues Stofftuch).

Frankfurt – Es war das Lieblingsspielzeug der Jugend in den 80er-Jahren. Fast jeder hat es gedreht und fluchend in die Ecke geworfen. Jetzt kommt er wieder zurück: Der Zauberwürfel feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag. David Kling beherrscht den quadratischen Knobelwürfel so gut, dass er heute bei der Deutschen Speedcubing-Meisterschaft antritt. Von Andreas Einbock

Sauber sieht sein Zimmer aus. Alles liegt akkurat an seinem Platz. David Kling liebt Ordnung und System. Kein Wunder, dass Mathematik und Physik die Leistungsfächer des Frankfurter Schülers sind. „Ja, ich mag es, wenn man einen theoretischen Ansatz mit der Praxis verbinden kann“, sagt der 17-Jährige und legt sich einen der vielen bunten Zauberwürfel auf dem blauen Wettkampftuch zurecht.

Spielzeug wird zum Sportgerät

Der einfache Würfel reicht den Profis nicht: David Kling trainiert mit dem zwölfseitigen Megaminx, dem kugelähnlichen Rubik's 360, dem Pyraminx und dem 7x7x7-Würfel.

Auf dem beginnt in einem Display die Zeit zu laufen, als er seine beiden Hände von den Kontaktflächen abhebt. Ohne Pause und Nachdenken rotiert das Sportgerät zwischen seinen Fingern. Nach etwa sechs Sekunden sind zwei Farbflächen komplett. Wenige Drehungen später folgen die dritte und vierte Seite. Vollständig geordnet setzt er den Würfel ab und schlägt mit den Fingern auf die Zeitkontakte. „18,55 Sekunden“ erscheint im Display. „Fünf Sekunden über meiner Bestzeit“, stellt er fest. Der Weltrekord liegt sogar bei nur 7,08 Sekunden.

Im Prinzip sei es ganz einfach. „Ich merke mir die Farben aller vier Ecksteine einer Seite und dann die zwölf Kantensteine einer Ebene“, erklärt Kling und fügt hinzu: „Dann beginne ich immer, als erstes die weiße Fläche zu lösen.“ Dabei helfe ihm ein Trick, den auch Rechen-Weltmeister anwenden: „Für mich hat jeder Stein einen Konsonanten und jede Seite einen Vokal. Dann denke ich mir Geschichten mit Gegenständen aus, die ich sehe, wenn ich zum Beispiel durch einen Garten gehe.“

Bei David Kling hat alles System und Ordnung

Das klappt inzwischen so gut, dass er seit den Sommerferien mit verbundenen Augen trainiert und dennoch nur viereinhalb Minuten braucht. „Diese Disziplin will ich in Zukunft verstärkt üben, da es in dieser Kategorie nicht so viele Gegner gibt“, so Kling. Als Übungsort nutze er täglich die Bahnfahrten zur Schule und nach Hause. Von bewundernden Blicken bis zu Aufforderungen, sein Geklacker einzustellen, bemerke er täglich unterschiedliche Reaktionen.

Das Achsenkreuz ist das Herz des Zauberwürfels.

Begonnen hat es vor zwei Jahren, als er von seinen Eltern einen Würfel zu Weihnachten geschenkt bekommen hat. Den Klassiker – erfunden vom Ungarn Erno Rubik. „Doch den gibt‘s nicht mehr, weil er mir zu langsam wurde“, so Kling. Auch an seinen aktuellen Würfeln nimmt er manchmal eine Feinjustierung vor. Mit ein paar Handgriffen bastelt er seinen Wettkampfwürfel auseinander bis nur noch das Basiselement zu sehen ist. „Das ist das Core. An dem kann man die Spannfedern nachstellen und mit Silikonspray die Festigkeit der Achsen bestimmen“, erklärt Kling, während er einen Tropfen auf‘s Achsenkreuz verteilt.

Er trainiert auf dem Schulweg

Nach demselben Prinzip funktionieren auch die anderen, noch verrückter aussehenden Zauberwürfel. Mit der klassischen Form sei der „7x7x7-Würfel“ mit sieben Steinen je Seitenebene der Größte. Aber auch der „Megaminx“ genannte Dodekaeder und der Pyramidenwürfel „Pyraminx“ wirken für Laien unlösbar. So auch der neueste Würfel, der eine Kugel ist: Der „Rubik's 360“. Der besteht aus drei ineinandergesteckten Kugeln, durch die sechs farbige Bälle von der innersten in die äußerste Kugel navigiert werden müssen. Doch diese Kugel steht heute nicht auf dem Programm, wenn Kling mit 200 Teilnehmern bei derDeutschen Speedcubing-Meisterschaft im Movie-Park von Bottrop antritt. Mit dem kleineren Zweier-Würfel startet er in der Kategorie beidhändig, beim klassischen Dreier-Würfel in den Disziplinen „Beidhändig“, „Einhändig“ und „Mit verbundenen Augen“. Sein Ziel: „Das Halbfinale will ich unbedingt erreichen, dann wäre ich unter den besten 35 und zufrieden.“

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