Weil der Kanal voll ist:

Schluss mit Boden-Versiegelung im Rhein-Main-Gebiet 

+
Wenn es stark Regnet, drohen oft die Kanäle überzulaufen, weil es zu viele versiegelte Flächen gibt.

Region Rhein-Main – Was bei so manchem Wolkenbruch herunterkommt, bringt viele Kanalisationen der Region an ihre Leistungsgrenzen. Der Grund: Jahrzehntelang wurden Supermarkt-Parkplätze, Industrieflächen, aber auch private Hofeinfahrten wasserdicht zubetoniert. Damit soll jetzt Schluss sein. Von Christian Reinartz

Lesen Sie dazu auch:

Udo Heitzmann untersucht dreckiges Wasser

Fäkalien legen Frankfurter U-Bahn-Station lahm

Alles senkrecht beim Bad Homburger Abwasser?

Es ist wie mit dem Umweltschutz. Erst, wenn’s gar nicht mehr anders geht, wird gehandelt. Oder eben wenn der Kanal voll ist. Und der ist voller denn je. Denn die Kanalisationen der Region sind oft nicht für die Wasserrmassen ausgelegt, die mittlerweile bei einem starken Regen herunterkommen. Die Folge: Vollgelaufene Keller, Überschwemmungen auf den Straßen. Also alles Fehlplanung? Offenbar nicht! „Es gibt mittlerweile so viele versiegelte Flächen, dass diese zum Problem für die Kanalisation werden können“, sagt Heusenstamms Bürgermeister Peter Jakoby. Der Regen, der etwa auf einen geteerten Parkplatz falle, lande oft direkt in der Kanalisation, statt im Boden zu versickern. Jakoby ist sicher: „Es geht so nicht weiter.“ Künftig müssten neue Flächen durchlässig sein, sodass der Regen ablaufen kann.

Ähnlich sieht es in Frankfurt aus

Auch bei der Stadtentwässerung in Frankfurt kennt man das Problem. Werner Kristeller, technischer Betriebsleiter der Stadtentwässerung Frankfurt: „Niederschläge müssen möglichst rasch zurückgeführt werden.“ Deswegen hat man sich in Frankfurt auch von riesigen versiegelten Betonflächen längst abgewendet. Diese Vorgaben würden gerade bei Neubaugebieten auch schon umgesetzt, um die Kanalisation nicht zu überlasten. Doch was ist mit den ganzen versiegelten Parkplätzen und Innenhöfen, die es schon seit Jahrzehnten gibt? Müssen die Besitzer nun ihre Flächen entsiegeln.

Kanalisation entlasten

„Nein, das wird nicht passieren“, sagt Jakoby. Und auch in Frankfurt sei das keine Option. „Aber wir treten in Verhandlungen, wenn zum Beispiel ein großer Parkplatz saniert werden muss.“ Das könne dann sogar zu einer Entlastung der Kanalisation führen. Ebenso haben viele Kommunen eine getrennte Abwassergebühr eingeführt. Das heißt: Für eine versiegelte Fläche wird mehr Gebühr fällig, als für eine, in der der Regen versickern kann. In Frankfurt gibt es eine solche Regelung noch nicht. Kristeller: „Sie ist aber in Vorbereitung.“ Doch eines stellt der Betriebsleiter klar: „Auch, wenn es einen starken Regen gibt, ist es völlig normal und einkalkuliert, wenn das Wasser mal bis zur Bordsteinkannte steigt.“ Vollgelaufene Keller seien deshalb meist ein Problem der Hausbesitzer, deren Rückstauventil nicht richtig funktioniere oder die ihre Kellerfenster nicht gesichert hätten.

Kommentare