EXTRA TIPP-Volontärin mit von der Partie 

Baskets-Frauen spielen im Knast gegen JVA-Gefangene

Region Rhein-Main – Dribbeln, passen und werfen hinter verschlossenen Türen. In der JVA Preungesheim gab es für die Rhein-Main-Baskets eine ganz besondere Trainingsstunde. EXTRA TIPP-Volontärin Fabienne Seibel mischte auch mit.

Das Aufeinandertreffen der Rhein-Main-Baskets und den sportlichen Gefangenen der JVA  Preungesheim   läuft völlig anders ab, als erwartet. Sofort wird sich lautstark miteinander unterhalten, gelacht und herumgealbert. Baskets-Teammanager Jochen Kühl  sagt: „Wir kommen schon seit drei Jahren immer mal wieder in der JVA Preungesheim zum Basketball spielen vorbei. Manche Insassinnen und unsere Spielerinnen kennen sich deshalb schon.“ Von Berührungsängsten ist nichts zu spüren. Gleich nach der freudigen Begrüßung wird mit dem gemeinsamen Training begonnen. Mit dabei ist auch Michael Luprich, ehemaliger Co-Trainer der Rhein-Main-Baskets. Der Student gibt in der JVA regelmäßig Basketball-Trainingsstunden für die Frauen. „Man bemerkt schon eine deutliche Entwicklung. Viele haben Fortschritte gemacht“, sagt Baskets-Kapitänin Nelli Dietrich.

Stefan Schwab, Gebietsleiter für Sport und Freizeit im Frauengefängnis, weiß um die Bedeutung des gemeinsamen Trainings. „Dass die Rhein-Main-Baskets hier mit uns spielen und trainieren, gibt den Frauen Anerkennung. Es ist schön, dass sich jemand für sie Zeit nimmt.“ Seiner Meinung nach können auch die Basketballerinnen aus Langen und Hofheim von dem Treffen profitieren. „Die Gespräche und der Kontakt zu den Insassinnen helfen, neue Denkanstöße zu geben. Man kann Vorurteile abbauen.“

Gefangenen nehmen Spiel ernst

Fabienne Seibel gegen Baskets-Spielerin Pia Dietrich.

Schon nach dem gemeinsamen Aufwärmen drängeln alle nur auf eins: Ein Trainingsspiel. Schnell werden gemischte Mannschaften gebildet und los geht‘s. Auch EXTRA TIPP-Volontärin Fabienne Seibel darf im Trikot der Rhein-Main-Baskets an den Ball. Mit lautstarker Unterstützung vom Spielfeldrand hängen sich die JVA‘lerinnen voll rein. Der graue Knastalltag wird beim Spaß in der Halle für eineinhalb Stunden vergessen. „Ich habe beim Training mit den Frauen hier noch nie so viel gelacht wie heute“, sagt Baskets-Spielerin Pia Dietrich. Während des Spiels bleibt immer wieder jemand stehen, hält sich den Bauch und kann vor Lachen nicht mehr rennen. Trotzdem nehmen die Gefangenen ihre Sache ernst. Mit hochroten Köpfen rennen sie auf und ab und spornen sich gegenseitig an. Manch eine gibt den Ball nicht gerne wieder her. Schwab: „Die Frauen sollen auch lernen, im Team zu spielen. Mit dem Passen tun sich manche noch schwer.“

Einziger Kontakt nach außen

Jeder erzielte Korb ist für die Frauen ein Erfolgserlebnis. Sobald der Ball durchs Netz huscht, kommen die Baskets vorbeigetrabt, um sich mit den JVA-Spielerinnen abzuklatschen. Eine der Frauen sagt: „Das Training mit den Baskets ist für uns ein Highlight. Wir freuen uns schon Wochen vorher darauf.“ Auch Schwab meint: „Für die Insassinnen ist es wichtig, einen Kontakt nach außen zu haben, um zum Beispiel auch über aktuelle Trends von Frisuren oder Make-Up auf dem neuesten Stand zu sein.“ Baskets-Spielerin Pia Dietrich freut sich über die gute Stimmung: „Es ist toll, dass alle heute so viel Spaß haben. Sport ist eine tolle Möglichkeit, eine Brücke zwischen verschiedenen Menschen zu schlagen.“

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