Kommentar

Attacken direkt auf Retter: Höhere Strafen sind keine Lösung

Wer Polizisten, Retter und Feuerwehrleute attackiert, soll härter bestraft werden. Das hat in dieser Woche das Bundeskabinett beschlossen. Dieser wiederkehrende Reflex, dass wenn etwas aus dem Ruder läuft, einfach härtere Strafen beschlossen werden, funktioniert nicht. Ein Kommentar von Axel Grysczyk.

Bis zu fünf Jahre Haft drohen, wenn sich Übergriffe gegen Polizisten richten Im Jahr 2015 wurden 64.400 Attacken auf Polizisten registriert, zwei Jahre zuvor waren es 59.000. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Attacken laut Gewerkschaft um 33 Prozent erhöht.

Noch effektiver als höhere Strafen wäre mehr Personal. Denn Polizisten würden mit einer anderen Autorität wahrgenommen, wenn sie mit mehr Personal bei Brandherden auftreten würden. Noch besser wäre aber mehr Respekt. Der nimmt dermaßen stark in Deutschland ab, dass sein Fehlen mit höheren Strafen nicht ausgeglichen werden kann. In einer Gesellschaft, die zunehmend mehr verroht, ist es schwer, den Menschen beizubringen, dass sie sich Ordnungshütern gegenüber mit Anstand verhalten. 

Respekt beinhaltet auch, dass man den Wert erkennt. Polizisten werden von den Pöblern häufig nicht als Menschen gesehen, für sie sind sie Vertreter eines verhassten Systems. Wer Polizisten nicht respektiert, lehnt diesen Staat in seiner jetzigen Form mit seinen Institutionen ab. Eltern, Schule, Vereine und Freunde müssen ihren Nächsten anscheinend nochmal erklären, dass Gewalt gegen Notärzte, Feuerwehrleute oder Polizisten nicht hinnehmbar ist. Höhere Strafen sind ein Puzzlestück, um Attacken auf Retter und Polizisten einzudämmen. Die Lösung sind sie nicht.

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