Reißaus nach Alkohol-Rausch

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Krasser Fall von Unfallflucht: Erst um- dann weitergefahren.

Frankfurt – Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Das gilt schon erst recht für einen schweren Unfall. In letzter Zeit häufen sich in Frankfurt die Fälle von Fahrerflucht, in denen Menschen schwer verletzt oder gar getötet wurden. Von Norman Körtge

Allein am vergangenen Wochenende gab es in Frankfurt wieder zwei besonders krasse Fälle von Fahrerflucht. Am Samstagabend gegen 23.40 Uhr wurden zwei Fußgänger beim Überqueren der Martin-Luther-Straße von einem Auto angefahren und schwer verletzt. Der Autofahrer flüchtete. Die Fahndung läuft.  Erfolgreich war diese bei einem 22-Jährigen, der am frühen Sonntagmorgen mit seinem 7er-BMW einen Auffahrunfall in der Eschenheimer Anlage verursacht hatte. Er floh zunächst, bis in die Polizei in der Hanauer Landstraße stellte. Der Täter rammte dabei einen quer gestellten Streifenwagen und verbarrikadierte sich anschließend in seinem Wagen. Erst nach dem die Polizisten eine Scheibe eingeschlagen und einen Diensthund in den BMW schickten, konnte der alkoholisierte Mann festgenommen werden.

14-jährigen Skater tot gefahren

 In Erinnerung haben viele Frankfurter auch noch den tödlichen Unfall in Rödelheim im Dezember 2009. Ein 14-jähriger Skateboardfahrer wurde überfahren und getötet. Der Fahrer flüchtete, stellte sich aber wenige Tage später der Polizei. Über die Hintergründe wird bis heute spekuliert „Bei Fahrerfluchten sind oft Alkohol oder Drogen im Spiel“, weiß Willi Schleich, Leiter der Offenbacher Verkehrsinspektion aus langjähriger Erfahrung. Prominenter Fall: Zurzeit wird Ex-Böhse-Onkelz-Sänger Kevin Russell der Prozess gemacht. Er soll unter Drogeneinfluss am vergangenen Silvesterabend einen Unfall mit zwei Schwerverletzten verursacht haben. Ein weiterer Grund für Unfallflucht bei reinen Sachschäden könnte auch die Furcht vor den Kosten oder die Heraufstufung in der Versicherung sein.

Schock ist oft nur eine Schutzbehauptung

Reiner Mähringer-Kunz

Tiefergehende Ursachen für Unfallfluchtfahrten nennt der Frankfurter Diplom-Psychologe und Verhaltenstherapeut Reiner Mähringer-Kunz. Er ordnet die Täter in verschiedene Kategorien ein. Mähringer-Kunz, der seit 15 Jahren in seiner Frankfurter Praxis auch Verkehrssünder auf die MPU vorbereitet, versucht seine Klienten unter anderem die Sicht des Opfers näher zu bringen. Dass sich Unfallflüchtige erst am nächsten Morgen melden mit der Ausrede, sie hätten unter Schock gestanden, wertet der Psychologe als Schutzbehauptung: „Oft haben sie sich anwaltlich beraten lassen und stellen sich dann, um die Strafe zu mildern.“

Typen für eine Unfallflucht

Impuls-Kontroll-Gestörte : Hier setzen Gefühle wie Angst oder Wut alles andere außer Kraft. Rationelles Denken ist nicht mehr möglich.

Der Perfektionist: Sind erfolgreiche und sehr leistungsfähige Menschen, die sich gar nicht vorstellen können, einen Fehler gemacht zu haben.

Der Anti-Soziale: Menschen mit wenig oder gar keinem Unrechtsbewusstsein. „Reg‘ dich nicht auf wegen dem kleinen Kratzer“, würde er beispielsweise sagen.

Der Katastrophierer: Selbst bei einem kleinen Schaden fürchtet er sich vor hohen Kosten oder Führerscheinverlust.

Wer nach einem Parkplatzrempler gar nicht erst in den Verdacht kommen will als Unfallflüchtiger zu gelten, sollte die Polizei rufen an, rät Erster Polizeihauptkommissar Willi Schleich.

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