Kult-Manager verrät, warum er so erfolgreich ist

Reiner Calmund: „Im TV habe ich mehr Geld verdient“

Für Reiner Calmund ging es auch nach seiner 16-jährigen Managerkarriere bei Bayer Leverkusen weiter bergauf. Der Publikumsliebling ist eine feste Größe im TV, zuletzt gewann er sogar den Fernsehpreis Bambi. Von Angelika Pöppel

Publikumsliebling und Fußball-Experte Reiner Calmund.

Im Interview spricht er über seine Talente als Entertainer, Genießer und Fußball-Experte.

Sie verstehen viel Spaß! Aber Hand aufs Herz: Nervt es Sie nicht doch, immer aufs Essen angesprochen zu werden?

Als wir den Bambi mit der Kochshow „Grill den Henssler“ gewonnen haben, wurde ich gleich auf Facebook angesprochen, ob ich das Bambi schon in die Pfanne gehauen habe. Aber darüber kann ich lachen. Es gibt auch mal plumpe Aussagen. Aber ich kenne meine Gewichtsklasse, ich weiss wo es her kommt. Ich habe keine schweren Knochen und es liegt auch nicht an den Genen. Es kommt davon, dass ich zu häufig ins Restaurant gehe. Und von zu wenig Bewegung.

Geht Familie Calmund auch an Weihnachten ins Restaurant?

Nein. Wir feiern Zuhause. Es kann sein, dass es ein thailändisches Cappuccino-Curry-Süppchen mit Gamba-Spießen zu Weihnachten gibt. Das ist eine richtige Bombe, ein einfaches Rezept von Sternekoch Dieter Müller. Die Stimmung hat für mich aber Vorrang. Ich fahre lieber mit dem Bagger durch den Spessart mit Frikadellen, als in einem Nobelrestaurant zu sitzen. In vielen Drei-Sterne-Restaurants bin ich ein gern gesehener Gast, ich kenne viele Sterneköche, aber die Stimmung ist mir wichtiger.

Kochen Sie auch selbst?

Ich bin am Herd nicht so gut, wie am Teller. Das Hauptkommando hat meine Frau.

Und was liegt unter dem Weihnachtsbaum?

Wir beschenken uns das ganze Jahr über, gehen – wie Sie sich vorstellen können – lecker Essen. Zu Weihnachten gibt es nur was für die Enkelkinder.

Sie sind sehr präsent und erfolgreich im TV. Warum sehen die Zuschauer Sie so gerne?

Ich denke, dass ich autentisch bin. Ich suche mir genau aus, was ich mache, muss mich damit identifizieren können. Aber ich verstehe auch Spaß. Beim Kölner Karneval bist du ja immer dran. Da kommst du nicht raus. Da wurde ich geschult. Ich lache gerne über andere, da muss ich auch über mich selbst lachen können. Grade in meiner Gewichtsklasse.

Würden Sie sich als geborener Entertainer bezeichnen?

Schon als Kind habe ich Karnevalssitzungen organisiert und bin selbst aufgetreten. Auch unsere Straßen-Fußballmannschaft habe ich geleitet und animiert. So etwas habe ich schon immer gerne gemacht.

Wo liegt Ihr größeres Talent – im Fußball oder im Showbusiness?

Ich habe das ja nicht geplant. Fußballverrückt war ich schon von klein an. Ich habe aber großes Pech gehabt. Wegen einer Verletzung am Sprunggelenk konnte ich mit 18 Jahren nicht mehr Fußball auf dem Level der dritten Liga spielen. Das war für mich eine riesen Enttäuschung. Dann wollte ich Elektriker werden, aber das hat auch nicht geklappt. Also wurde ich Manager. Da gehört natürlich Glück dazu. Da kann man noch so fleißig sein, man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Das war ich. Zack. Nach meiner Managerkarriere kam RTL auf mich zu. In den ersten zwei Jahren habe ich mit den TV-Formaten mehr Geld verdient, als als Manager. Aber alles hat mir Spaß gemacht.

Aber Sie sprechen auch ernste Themen an: In Ihrem eigenen Fußball-Blog haben Sie nach den Pariser Anschlägen personalisierte Tickets gefordert und viel Gegenwind von Ihren Anhängern kassiert.

Ich bin ein großer Freund der Freiheit. Und fürs Anstehen bin ich auch viel zu ungeduldig. Aber: Personanlisierte Tickets muss es geben. Bei großen Turnieren, wie der Weltmeisterschaft, geht das gar nicht anders. Wir brauchen mehr Kontrollen, aber schnell. In amerikanischen Freizeitparks beispielsweise herrschen harte Sicherheitskontrollen. Ohne Anstehen. Mit Fingerabdruck. Das geht ganz schnell. Und die müssen 50 Millionen Besucher im Jahr bewältigen. Man muss sich mit diesen Möglichkeiten befassen und sich vorbereiten. Auch wenn ich hoffe, dass es nicht nötig wird.

Wird es die Fans nicht abschrecken, ins Stadion zu gehen?

Mir ist selbst jede Kontrolle zu viel, aber da muss man durch. Um es sinnvoll umzusetzen, müsste man zuerst die Stadieneingänge anders konzipieren. An Scannern müssten die Besucher einfach nur noch vorbei laufen. Wir müssen diese Ideen nicht ruckartig umsetzen, aber wir sollten uns zumindest Gedanken machen. Wer nicht Mal darüber nachdenken will, muss Zuhause bleiben.

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