Regenbogenadler auf den Rängen

Eintracht Frankfurts  erster schwul-lesbischer Fanclub

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Eintracht Frankfurt hat seinen ersten schwul-lesbischen Fanclub. Marco Papkyriakou (stellvertretender Vorsitzender), Stefan Spengler (Vorsitzender) und Schatzmeister Michael Schäfer (von links) gehören zu den Gründungsmitgliedern.
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Frankfurt - Die Fanszene von Eintracht Fankfurt wird ein bisschen bunter. Die Regenbogenadler sind der erste schwul-lesbische Fanclub des Fußballvereins. Von Dirk Beutel

Auf dem Fußballfeld hat sich in Deutschland bislang noch kein Profi als homosexuell geoutet – dafür immer mehr Fans auf den Zuschauerrängen der Stadien. Und sie organisieren sich in Fanclubs. Mittlerweile gibt es knapp über 20 schwul-lesbische Fußball-Fanklubs für Vereine der Ersten und Zweiten Bundesliga. Und nun hat Eintracht Frankfurt ab sofort auch einen: Die Regenbogenadler.

Aufklärungsarbeit leisten

Gegründet Ende Juli mit neun Mitgliedern, allesamt vom Scheitel bis zur Sohle echte Eintracht-Fans. In kurzer Zeit ist die Zahl der Mitglieder auf 25 angestiegen. Ihr Ziel: Aufklärungsarbeit leisten über lesbische, schwule, bisexuelle und transsexuelle Menschen im sportlichen Bereich, und sie wollen auf die Vielfalt der Eintracht-Fans hinweisen. „Das heißt nicht, dass wir unser eigenes Süppchen kochen, bei uns sind auch Heteros Mitglieder“, sagt der Vorsitzende Stefan Spengler. Schon seit längerem wurde über die Gründung eines schwul-lesbischen Fanclubs diskutiert, auch im Internet-Forum von Eintracht Frankfurt. Dort schrieb noch 2007 „SeltenerGast“: „Nen Fanclub nur für Homos? Sowas gibts bei uns nicht und wirds hoffentlich auch nie geben. Frankfurt ist doch für seine Toleranz bekannt. Und so nen Fanclub würde ja sau viele Menschen diskriminieren! Pfui!“ Doch das genaue Gegenteil wollen die Regenbogenadler. Spengler: „Wir definieren uns nicht über unsere jeweilige Sexualität, sondern dadurch, dass wir Fans von Eintracht Frankfurt sind. Beim Christopher Street Day laufen ja schließlich auch nicht nur Schwule und Lesben mit.“

Angst vor Pöbeleien

Bevor es gemeinsam als Fanclub mit Fahnen und Transsparenten ins Stadion geht, wollen die Regenbogenadler vorab bei allen Fanclubs anklopfen und sich erstmal vorstellen. Das lange Prozedere hat durchaus seinen Grund: Denn trotz aller Offenheit gebe es durchaus Mitglieder, die Bedenken vor Gewaltattacken oder Pöbeleien haben. „Es gibt tatsächlich den einen oder anderen, der da ein bisschen Bammel hat, mitzukommen.“ Aber Spengler geht da mit gutem Beispiel voran: „Im Stadion geht´s doch so oder so ruppig zu. Außerdem haben nach meinem Empfinden organisierte schwulenfeindliche Gesänge oder Rufe abgenommen. Klar brüllen immer  wieder mal zwei, drei Idioten was von einer schwulen Sau, aber das ist etwas anderes.“ Ob sich mal ein aktiver Fußballer in Deutschland outen wird? „Das kann heute, genauso erst in fünf oder zehn Jahren passieren“, sagt er. „Jedes Outing ist schwierig, ob bei der Familie, Freunden oder bei der Arbeitsstelle und zieht Aufmerksamkeit auf sich. Wann man danach wieder den Kopf frei hat, hängt davon ab, wie tolerant das Umfeld reagiert.“

Mitgliederversammlung am Sonntag, 29. September

Die Regenbogenadler treffen sich das nächste Mal zur Mitgliederversammlung am Sonntag, 29. September, um 18 Uhr in der Schönen Müllerin, Baumweg 12 in Frankfurt. Mehr Informationen zum Fanclub gibt´s auch im Internet unter www.regenbogenadler.de.

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Dirk Beutel

Dirk Beutel

E-Mail:dirk.beutel@extratipp.com

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