Rathaus-Chefs profitieren von der Angst der Wähler

Offenbach/ Darmstadt   - Die zurückliegenden Ergebnisse bei den Bürgermeisterwahlen in Stadt und Landkreis Offenbach sowie im Alt-Kreis Darmstadt-Dieburg machen es deutlich. In 80 Prozent der Fälle hat sich seit der Einführung der Direktwahl kein Herausforderer durchsetzen können.

Die Neubewerber scheinen gegen die amtierenden Rathaus-Chefs kaum Chancen zu haben."Wir nennen das Neo-Phobie", erklärt Psychologie-Dozent Cornelius Pawlak von der Frankfurter Goethe-Universität: "Die Menschen haben Angst vor etwas Neuem, Unbekannten." Zudem spiele im Fall der Bürgermeister vor allem der so genannten "Reine-Expositions-Effekt" eine Rolle. "Wenn Menschen nur lange genug dasselbe vor der Nase haben, gewöhnen sie sich daran und wollen nichts anderes mehr." Sein Kollege Professor Rolf van Dick geht sogar noch weiter: "Wenn etwas noch nicht ganz kaputt ist, neigen Menschen dazu, es einfach weiterlaufen zu lassen."Karl Hartmann ist dagegen der Meinung, dass die Bürgermeister, neben dem Amtsbonus und politischen Inhalten, gut integriert sein müssen, um wiedergewählt zu werden. "Wichtig ist eine große Nähe zum Ehrenamt, und man darf auf keinen Fall abheben", rät Hartmann: "Dann ist die Wahl schon so gut wie gewonnen."Beim Hessischen Städte- und Gemeindebund ist Geschäftsführer Karl-Christian Schelzke der Auffassung: "Es ist nicht mehr so schlimm wie früher. Heute haben die Herausforderer zumindest eine Chance."Bürgermeisterin Gabi Coutandin aus Babenhausen hat diese Chance genutzt. Sie hat es geschafft: In der Stichwahl stieß sie im vergangenen Jahr Reinhard Rupprecht vom Thron. Coutandin hat ein simples, aber offensichtlich effektives Erfolgsrezept: "Man muss die Menschen gerne haben. Alle gleich wichtig zu nehmen, den Menschen mit Respekt zu begegnen - das ist die zentrale Voraussetzung."

Amtsinhaber siegen fast immer

Siegreiche Amtsinhaber

Reinheim: Karl Hartmann (SPD), bereits in der fünften Amtszeit.Neu-Isenburg: Oliver Quilling (CDU), dritte Amtszeit.Hainburg: Bernhard Bessel (CDU), dritte Amtszeit.Münster: Walter Blank (CDU), dritte Amtszeit.Schaafheim: Reinhold Hehmann (CDU), dritte Amtszeit.Messel: Udo Henke (CDU), zweite Amtszeit.Eppertshausen: Carsten Helfmann (CDU), zweite Amtszeit.Roßdorf: Christel Sprößler (SPD), zweite Amtszeit.Otzberg: Karl Ohlemüller (CDU), zweite Amtszeit.Dietzenbach: Stephan Gieseler (CDU), zweite Amtszeit.Obertshausen: Bernd Roth (CDU), zweite Amtszeit.Egelsbach: Rudi Moritz (parteilos), zweite Amtszeit.

Amtsinhaber kandidierte nicht mehr

Langen: Frieder Gebhart (SPD), seit 2008 im Amt. Davor war Dieter Pitthan 18 Jahre im Amt.Dreieich: Dieter Zimmer (SPD), seit 2007 im Amt. Davor ist Amtsinhaber Berthold Olschewsky (CDU) zurückgetreten.Heusenstamm: Peter Jakoby (CDU), seit 2003 im Amt. Davor hat der Amtsinhaber aus Altersgründen aufgehört.Mainhausen: Ruth Disser (SPD) seit 2004 im Amt. Davor hat Amtsinahber aus Altersgründen aufgehört.Rodgau: Alois Schwab, seit 2004 im Amt. Vorgänger kandidierte nicht mehr.Rödermark: Roland Kern (Grüne), seit 2005 im Amt, Vorgänger ist nicht mehr angetreten.Seligenstadt: Dagmar Nonn-Adams (parteilos), seit 2004 im Amt, Vorgänger ging in Ruhestand.Offenbach: Horst Schneider (SPD). Vorgänger ist nicht mehr angetreten.Groß-Umstadt: Joachim Ruppert (SPD), Vorgänger ist nicht mehr angetreten.

Erfolgreiche Herausforderer

Babenhausen: Gabi Coutandin (SPD), hat Amtsinhaber 2008 abgelöst.Groß-Zimmern: Achim Grimm (CDU), hat den Amtsinhaber 2005 abgelöst.Dieburg: Werner Thomas (parteilos), seit 2005 im Amt. Hat sich gegen Amtsinhaber durchgesetzt.

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