Wird nach Aussehen kontrolliert?

Rassismus-Vorwürfe gegen Flughafen-Kontrollen - EXTRA TIPP fragt nach!

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Frankfurt – Schauspieler Elyas M´Barek prangert an, wegen seines Aussehens am Flughafen stärker kontrolliert zu werden. Damit hat der 32-Jährige mit tunesischen Wurzeln eine Diskussion ins Rollen gebracht. Der EXTRA TIPP hat am Frankfurter Flughafen nachgefragt. Von Angelika Pöppel 

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In der vergangenen Woche kritisierte Schauspieler Elyas M´Barek öffentlich die Sicherheitskontrollen an Flughäfen. Gerade auf dem Weg in die USA werde der 32-Jährige mit tunesischen Wurzeln und österreichischem Pass regelmäßig aus der Masse geholt und speziell kontrolliert. Doch ist es wirklich so, dass das Aussehen ein Grund für eine härtere Kontrolle ist? „Nein“, stellt Christian Altenhofen, Pressesprecher der Bundespolizei am Flughafen Frankfurt klar. „Allein das Aussehen kann kein Grund für eine Kontrolle sein. Erst mehrere Aspekte, die zusammen kommen, erwecken unsere Aufmerksamkeit“, führt Altenhofen aus.

Gyan Ranjan Manjhi.

Der EXTRA TIPP hat am Frankfurter Flughafen nachgefragt: Shaffiq Mahajer ist bisher nur zweimal geflogen und auch zweimal kontrolliert worden. Gerade ist der Afghane mit deutschem Flüchtlingspass aus Pakistan über Dubai in Frankfurt gelandet. Nach der üblichen Pass-Kontrolle, sprechen ihn Beamte nochmals an, durchsuchen seinen Koffer, checken seine Kopfhörer. „Das ärgert mich nicht, ich habe ja nichts zu verbergen“, sagt er und fügt hinzu: „Ich denke schon, dass Ausländer öfter kontrolliert werden. Deshalb rechne ich ehrlich gesagt schon damit.“

Ezha Gaddir.

Auch Ezha Gaddir stammt ursprünglich aus Afghanistan, seine Reisen waren bisher aber problemlos. „Auf dem Weg in die USA war ich mir sicher, dass ichrausgezogen werde, aber es gab überhaupt keine Probleme“, sagt der Frankfurter mit deutschem Pass. „Ich denke, wenn man sich ordentlich verhält und vorbereitet ist, fällt man nicht auf.“

Das bestätigt auch Gyan Ranjan Manjhi aus Stuttgart, der beruflich oft im Flieger sitzt. In Deutschland habe er, trotz seines indischen Passes, noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Einzig in Griechenland wurde der Inder angehalten.

Reisende von Griechenland und Italien wegen Flüchtlingen unter Beobachtung

Und das hat wohl einen Grund: „Während jahrelang zwischen den Schengen-Ländern überhaupt nicht kontrolliert worden ist, steht heute gerade Griechenland wegen der Schleuser-Situation im Fokus. „Hier schauen wir gezielt nach Syrern“, sagt Altenhofen und fügt hinzu: „Nicht weil jemand Syrer oder farbig ist, wird er kontrolliert. Aufmerksam werden wir erst, bei auffälligen Flugrouten.“

So ist auch die Einreise von Italien nach Deutschland heute bedeutsamer. Bijan Damara aus Afrika besitzt ein Studentenvisum und fliegt oft von Italien nach Deutschland. Und dort werde der Farbige häufig rausgezogen. Für den Studenten ist das aber kein Grund sich diskriminiert zu fühlen: „Ich verstehe ja warum sie das tun. Gerade von Italien aus wollen viele Flüchtlinge nach Deutschland, klar werde ich da kontrolliert. Ich nehmen das nicht persönlich. Ich verstehe auch, dass Menschen mit arabischem Namen bei der Einreise nach Amerika stärker kontrolliert werden – man muss einfach die Gesamtlage in der Welt berücksichtigen.“

Terroristen sind nicht automatisch muslimisch gekleidet

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Unter besonderem Augenmerk liegen derzeit auch ausreisende Terrorkämpfer. „Generell ist das Tragen von muslimischen Gewändern und dem typischen Bart nicht verboten. Doch wenn sie auf dem Weg nach Syrien sind, muss erlaubt sein nachzufragen, sagt Pressesprecher Altenhofen. Denn für eine Terroreinheit zu kämpfen, ist definitiv strafbar. Gerade weil auch viele Deutsche unter den Syrien-Kämpfern sind, stehen auch sie unter genauerer Beobachtung. Und: „Die Terroristen der Anschläge am 11. September waren westlich gekleidet, um gerade nicht aufzufallen. Auch deshalb macht eine Kontrolle rein nach dem Aussehen keinen Sinn.“

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