Rasern gehts in Frankfurt an den Kragen

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Stadtpolizist Jörg Lange prüft die Technik der neuen Blitzeranlage an der Friedrich-Ebert-Anlage.

Frankfurt – Schlechte Zeiten für Verkehrs-Rowdys: Frankfurt modernisiert und erweitert sein Blitzer-Netz. Bis 2015 sollen 17 neue kombinierte Rotlicht- und Geschwindigkeitsblitzer aufgestellt werden. Von Dirk Beutel

Stadtpolizist Jörg Lange war gerade beim Elternabend im Goethe-Gymnasium. Auf einmal rüttelte ein Knall die Runde auf. Zwei Autos rasten an der Kreuzung Friedrich-Ebert-Anlage/Hohenstaufenstraße ineinander. So heftig, dass beide Wracks auf den Straßenbahnschienen landeten. Das war vergangenes Jahr im August.

Jetzt betreut Lange Frankfurts modernste Blitzeranlage. Zwei Säulen mit kombinierter Rotlicht- und Geschwindigkeitsüberwachungsanlage wurden jetzt an dieser Kreuzung installiert. Denn Verkehrsdezernent Stefan Majer hat den Rowdys auf Frankfurts Straßen den Kampf angesagt.

26 neue Blitzer an den Unfallschwerpunkten

Es wird gedrängelt und gehupt. Der Querverkehr wird an der Ecke Hohenstaufenstraße blockiert: Solche Szenen soll es dank des neuen Blitzers künftig nicht mehr geben.

Momentan kontrollieren bis Ende 2011 neun Blitzer den Frankfurter Verkehr. Bis 2015 soll es aber 26 Blitzer-Standorte geben. Vornehmlich an Unfallschwerpunkten. Kosten: Fast drei Millionen Euro. Allein die beiden Säulen an der Kreuzung Friedrich-Ebert-Anlage/Hohenstaufenstraße mit einem integrierten Kameraeinsatz kosten rund 170.000 Euro. Dort registrierte die Polizei drei Unfälle 2011, weil bei Rot über die Ampel gefahren wurde. In diesem Jahr sind es schon vier Unfälle gewesen. Ohnehin ein sensibler Punkt: Neben zwei Schulen befinden sich eine Kirche und eine Kita in der Nähe.

Den Vorwurf der Abzocke weist Majer von sich: „Es geht nicht darum, dass sich der Kämmerer über neue Einnahmen freut. Ständig erreichen mich Bitten von besorgten Eltern und anderen Verkehrsteilnehmern. Der Überwachungsdruck war bisher einfach zu gering.“

„Da entwischt keiner!“

Der wird durch die neuen Anlagen jetzt erhöht: Bis zu acht Aufnahmen in der Sekunde kann ein solcher „Doppel-Blitzer“ aufnehmen. „Da entwischt keiner“, sagt Lange. Zumal die Linse alle Spuren überblickt. Bei einem Geschwindigkeitsverstoß genügt ein Foto. Wer bei Rot über die Kreuzung fährt, wird zweimal aufgenommen. Doch damit nicht genug: Auch die mobile Blitzereinheit der Polizei wurde von drei auf fünf Fahrzeuge erweitert. „Wir müssen davon wegkommen, dass solche Verstöße nur als Kavaliersdelikt abgetan werden“, sagt Majer. Deshalb nimmt die Stadt verstärkt diejenigen ins Visier, die „die Straße mit einer Formel-1-Strecke verwechseln“.

Und nebenbei: Wer versucht, die Anlagen zu zerstören, um sein Fehlverhalten zu vertuschen, sollte es besser gar nicht erst versuchen. Denn die Fotos werden blitzschnell an das städtische Datennetz gesendet.

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