Chima: Schwerfällig zum ersten Charthit

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Rapper Chima aus Frankfurt singt nicht nur über Trägheit im Alltag, er muss sich selbst auch oft animieren.

Frankfurt – „Morgen, fang ich von vorne an“, singt Rapper Chima aus Frankfurt auf seiner aktuellen Single. Mit seinem Durchhänger-Song „Morgen“ landet er nach drei Alben seinen ersten Charthit. Dem EXTRA TIPP verrät der 39-Jährige, wieviel von ihm in dem Song steckt. Von Angelika Pöppel

Du bist ja schon als Teil der Brothers Keepers mit dem Song „Adriano“ in die Charts eingestiegen. Ist die erste Singleauskopplung aus deinem neuen Album „Stille“ dein bisher größter Erfolg auf Solopfaden?

Ja. Der Song hat sich durchgesetzt. Mein eigener Song in den Charts – dass hatte ich noch nie. Am vergangenen Wochenende durfte ich auf der Fanmeile in Berlin auftreten. Vor 400.000 Menschen, vor dieser beeindruckenden Kulisse, das hast du nicht jeden Tag. Das war krass. Und ich freue mich auf meine erste eigene Tour. Der Erfolg ist mir natürlich auch wichtig, schließlich muss ich davon leben.

Der Song handelt darüber, immer alles auf morgen zu verschieben. Was glaubst du, warum der Song so gut ankommt?

Viele können sich mit dem Song identifizieren. Auf der Straße begegne ich vielen, die mir sogar danken, weil sie mein Song animiert hat. Ob sie ihr Leben wirklich ändern, weiss ich nicht. Aber ich singe auch nicht mit erhobenem Zeigefinger oder mit Pulsaderaufschneider-Potenzial. Ich spiele mit Ironie und gehe mit dem Thema humorvoll, positiv um. Wer über sich selbst lacht, animiert auch andere über sich selbst zu lachen. Und wer die Dinge mit Humor sieht, für den sehen Probleme auch nicht so groß und schwer aus.

Ergeht es dir selbst auch mal wie in deinem Song?

Der Song ist auf jeden Fall autobiographisch. Zwar ist es bei mir nicht so drastisch, wie im Song, aber ich kämpfe immer dagegen an. Noch 2011, als ich bereits zwei Alben veröffentlicht hatte, musste ich immer wieder meine Trägheit überwinden und mich auf die wichtigen Dinge konzentrieren.

Was bedeutet für dich Frankfurt?

Frankfurt ist mein Lebensmittelpunkt. Sachsenhausen und Ostend – da bin ich her. Ich bin ein echtes Frankfurter Würstchen. Am Liebsten bin ich draußen auf allen möglichen Spielplätzen mit meinem Kind. Und es gibt nichts schöneres, als abends die beleuchtete, urige Schweizer Straße entlang zu laufen bis hoch zum Main.

In Frankfurt hat auch deine Karriere begonnen?

Ja, mit 16 Jahren hatte ich schon die Idee berühmt zu werden (lacht). Die Rap-Welle aus den Staaten schwappte gerade nach Deutschland und ich startete meine ersten Versuche. Ich war fasziniert, wie man ohne Punkt und Komma sein Ding erzählen konnte. Meine kleinen Auftritte in Jugendhäusern waren von Erfolg gekrönt. Aber zur Musik gekommen, bin ich erst richtig durch Moses Pelham. Wir haben zusammen Basketball gespielt.

Mit Moses Pelham hast du auch dein zweites Album produziert. Dennoch bist du zu einer Plattenfirma in Berlin gewechselt. Würdest du auch aus Frankfurt wegziehen?

Ich bleibe in Frankfurt. Ich mag das bodenständige an der Stadt. Berlin ist mir einen Tick zu cool und stylisch. Aber leben in Frankfurt, arbeiten in Berlin – das ist doch eine gute Kombination.

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