Viel zu mild für die Jahreszeit

Droht uns der wärmste Winter aller Zeiten?

Region Rhein-Main – Frische Erdbeeren auf dem Balkon und die Haselnusssträucher blühen – was ein verrückter Winter! Erst beschert er Rhein-Main den muckeligsten Dezember aller Zeiten, und jetzt ist auch der Januar zu warm. Von Christian Reinartz

Was ist nur mit dem Wetter los? Der EXTRA TIPP hat Meteorologe Martin Gudd gefragt.  Der aktuelle Winter verdient seinen Namen nicht. Zumindest in der Region zeigt sich Väterchen Frost, wenn überhaupt, nur mit der Badekappe. Bleiben die nächsten Wochen weiter so mild, könnte der Winter sogar in die Geschichte eingehen – als wärmster Winter aller Zeiten.

„Und diese Wahrscheinlichkeit ist meiner Ansicht nach relativ groß“, sagt Meteorologe Martin Gudd (www.wettergudd.de). „Der Dezember war viel zu warm, und auch der Januar liegt im Moment immer zwei bis drei Grad über dem Normalwert.“ Wenn jetzt nicht noch ein knackig kalter Februar komme, könne die Saison zum absoluten Rekord-Winter werden. Ein Rekord, der die Region gehörig durcheinander wirbelt. Denn nicht nur Allergiker schniefen und husten jetzt schon, weil die Haselnusssträucher die ersten Pollen abwerfen. Auch so manche Erdbeerpflanzen trägt wegen der warmen Witterung völlig unverhofft im Dezember frische Erbeeren, so geschehen bei einer Leserin aus dem Raum Dieburg.

Die Streusalz-Lager sind voll

Entspannt zeigt man sich dagegen bei den Stadtverwaltungen, die tausende Tonnen Streusalz eingelagert haben, das nun nicht gebraucht wird. Oliver Gaksch, Sprecher der Offenbacher Dienstleistungsgesellschaft ESO sagt: „Wir haben insgesamt über 1200 Tonnen Streusalz, auf die wir zurückgreifen können.“ Bleibe der Winter warm, werde das Salz einfach bis zum nächsten kalten Winter aufgehoben. „Streusalz wird ja nicht schlecht“, sagt Gaksch, Seine Mitarbeiter heißen einen solch warmen Winter eher willkommen. „Sobald Minustemperaturen angekündigt sind, hängen wir eine rote Fahne raus“, sagt Gaksch. Dann wisse jeder, dass er sich im Ernstfall zum Streuen bereithalten müsse. Dasselbe Bild bei der Frankfurter Entsorgungs- und Servicegesellschaft. Zwar seien schon einige Brücken ab und zu gestreut worden. „Aber die Lager sind nach wie vor viel besser gefüllt, als in anderen Wintern“, sagt ein Sprecher. Auch in Bad Homburg sind die Salzlager voll. „Bis auf einen Einsatz gestern, haben wir bisher kein Salz gestreut“, sagt Stadtsprecherin Anke Krieger.

Wetterexperte: "Im Grunde war damit zu rechnen"

Im Informationszentrum des Naturparks Taunus herrscht wegen des warmen Wetters verkehrte Welt. „Normalerweise ist hier um diese Zeit Kindergeschrei zu hören, aber heute ist tote Hose“, sagt Uwe Hartmann, Geschäftsführer des Naturparks. Bei Sonnenschein kämen wenigstens noch einige Wanderer. „Aber der Schnee fehlt halt“, sagt Hartmann. „Das Wintergeschäft kommt einfach nicht auf Touren.“ Doch während sich überall Verwunderung über den Superwinter breit macht, winkt Martin Gudd ab: „Im Grunde war damit zu rechnen.“ Die Statistik zeige, dass von zehn Jahren fünf bis sechs Winter viel zu mild sind, zwei bis drei durchwachsen und es nur ein oder zwei kalte Winter gibt. „Die hatten wir aber schon 2010 und auch in den Jahren 2011 und 2013“, sagt Gudd. „So ein warmer Winter ist eigentlich etwas ganz normales“, sagt Gudd. Und er macht den Winterfans auch in den nächsten Jahren wenig Hoffnung. „Wir haben jetzt schon ziemlich viele kalte Winter gehabt. Jetzt sind erstmal wieder die wärmeren an der Reihe.“

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