Kriminelle Energie an der Knollepetz

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Bei solchen Kabelschlössern reichen auch schon viel kleinere Seitenschneider, um sie zu knacken. 

Region Rhein-Main – Wer einen Bolzenschneider mit sich herumschleppt, ist entweder Bauarbeiter – oder Fahrraddieb. So stand es diese Woche im Polizeibericht. Gerade jetzt haben die Zweirad-Klauer Hochkonjunktur. Von Norman Körtge

In Deutschland werden immer mehr Fahrräder geklaut. Fast 330.000 waren es im Jahr 2011 und damit 22.000 Räder mehr als 2010, berichtet das Verbraucherversicherungsportal www.geld.deund beruft sich auf eine eigene Kriminalitätserhebung. Absolute Hochburg beim Radklau (Städte über 200.000 Einwohner) ist demnach die Fahrradfahrer-Stadt Münster. Auf 100.000 Einwohner entfielen dort 1756 gestohlene Fahrräder. Diebstahlsicherste Stadt ist laut der Studie Wuppertal mit 79 Diebstählen pro 100.000 Einwohnern. Frankfurt rangiert mit 613 geklauten Rädern pro 100.000 Bürgern im Mittelfeld.

Dass Fahrradiebstähle ein bedeutender Deliktsschwerpunkt in der Region sind, zeigt das es bei der Polizei-Ermittlungsgruppe Offenbach sogar ein „Sachgebiet Rad“ gibt, das sowohl die Stadt Offenbach als auch den Landkreis im Blick hat. „So besteht die Chance, mögliche Muster bei den Diebstählen zu entdecken“, erklärt ein Mitarbeiter. Beliebte Tatorte sind Schwimmbäder oder Bahnhöfe. Aber auch aus Kellern und Tiefgaragen werden Räder geklaut. „Zwar sind die Räder eingeschlossen, aber dort nirgends angeschlossen“, moniert die Ermittlungsgruppe. Bis zu 150 Diebstähle können während der Hauptsaison schon mal zusammen kommen. Die Aufklärungsquote ist mangels Zeugen oft niedrig.

Bei den Tätern gebe es zwei Gruppen, berichtet die Ermittlungsgruppe. Zum einen der Gelegenheitsdieb, der entweder ein unangeschlossenes oder nur schlecht gesichertes Rad nimmt, um von A nach B zu kommen. Danach lässt er das Rad stehen, dieses landet oft im Fundbüro und wird dann meist irgendwann versteigert. Zum anderen sind es diejenigen, die damit Geld verdienen wollen. Das heißt: Fahrrad klauen und dann zum Beispiel über Internet-Plattformen verkaufen.

Dabei gehen die Kriminellen rabiat vor, haben einen Seiten- oder Bolzenschneider dabei und zwacken Kabelschlösser und andere Sicherungen einfach durch. So wie etwa am Dienstagabend in der Auheimer Straße in Hanau. Dort kam gegen 19.15 Uhr die Besitzerin eines an einen Pfosten geketteten Rades gerade noch rechtzeitig. Denn ein etwa 35 Jahre alter und 1,70 Meter großer hagerer Mann mit rötlichem Vollbart und Basecap war an ihrem Rad zugange und hatte bereits mit der Knollepetz die beiden Ringschlösser aufgetrennt. Als der Ganove sich ertappt sah, warf er das massive Schneidewerkzeug in eine blaue Sporttasche und rannte davon.

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