Puppenmama hält Kinder für die Ewigkeit fest

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Liebevoll hat Elvira Petry ihre selbst gemachten Puppen auf dem Sofa aufgereiht.

Mühlheim – Elvira Petry aus Mühlheim wohnt mit rund 70 Puppen unter einem Dach. Und es werden immer mehr: Denn die 68-Jährige modelliert sie selbst. Ob Märchenfiguren oder nach dem Vorbild lebender Kinder. Ihre Modelle wurden bereits in ganz Europa verkauft. Von Angelika Pöppel

Auch den Charakteren des Kabarettisten Rainer Bange hat sie Gesichter gegeben. „Ich habe sie zum Leben erweckt“, sagt Elvira Petry aus Mühlheim. Denn sie modellierte die „Kleinschmidts“ für den Kabarettisten Rainer Bange. Den neun Charakteren der typisch hessischen Familie, die er mit unterschiedlicher Stimme spricht, hat Petry somit ein Gesicht geschenkt. Und darauf ist die Rentnerin stolz.

Auch eine Puppe nach ihrem eigenen Abbild aus Kinderzeiten hat sie angefertigt.

Doch den größten Erfolg feierte die Mühlheimerin mit ihren Max und Moritz Figuren. Die US-Firma „Bradford Exchange“ mit Sitz in Rödermark erkannte ihr Talent bei einer Puppenaustellung in Frankfurt. Nach dem Vorbild ihrer Modelle brachte die Firma Lehrer Lämpel, Witwe Bolte sowie Max und Moritz auf den europäischen Markt.

Auch eine Puppe von sich selbst hat Petry angefertigt

Die ehemalige Beamtin, die vor 26 Jahren ihre erste Puppe entwarf, hat eine Vorliebe für Märchenfiguren: Auch Michel, Heidi, Jim Knopf und Pumuckl hat sie gefertigt. „Die Königsdisziplin beim Modellieren ist die Porträtpuppe“, sagt die Puppenmama. Mit einem Kinderfoto stellt Petry eine Puppe her, die dem Kind möglichst ähnlich sehen soll. „Jedesmal verzweifele ich daran“, sagt Petry. Wochenlang feilt sie an den Gesichtszügen. Die richtige Stirnhöhe und der Augenabstand seien Millimeter-Arbeit. „Doch es lohnt sich für mich, wenn die Eltern ihre Kinder in der Puppe wieder erkennen.“ Auch sich selbst und ihre eigene Tochter hat sie auf diese Weise verewigt. Die 75 Zentimeter großen Portraitpuppen tragen Kindergröße und so kann die Puppenmacherin die Kleider kaufen.

Für die 68-Jährige sind die Puppen Schwerstarbeit. Leichter dagegen fallen ihr Keramikfiguren. Hunderte Trolle, Tiere und bizarre Gestalten hat sie bereits in ihrem eigenen Ofen gebrannt. „Trolle liegen voll im Trend“, sagt sie. Petry stellt ihre Stücke regelmäßig aus. Bereits seit 25 Jahren gehört sie dem Verein GSK, Gemeinschaft der Steinheimer Kunstschaffenden an. Ihre Arbeiten sind bei der nächsten Ausstellung am Samstag, 7. April, im Seniorenheim Simeonstift in Hainburg zusehen. Die Puppen und Keramiken sind aus ihrem Leben nicht weg zudenken: „Ich mache weiter, so lange meine Hände mitmachen.“

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