Seit 25 Jahren

Hochtaunus-Beratung hilft Menschen mit Psychosen

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Wenn die Seele krank ist, neigen viele Betroffene dazu, sich zurück zu ziehen und zu vereinsamen. Eine Anlaufstelle ist die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle des Hochtaunus.

Taunus – Ängste, Depressionen, Schizophrenie: Seit 25 Jahren betreuen die Mitarbeiter der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle Hochtaunus Menschen mit psychischen Erkrankungen. Von Dirk Beutel 

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Psychische Erkrankungen durchziehen die gesamte Bandbreite der Gesellschaft. Jede Schicht, jedes Alter oder Geschlecht kann es betreffen. Gemütskrankheiten machen da keinen Unterschied. Mehr noch: Psychische Störungen gehören mit zu den häufigsten Gründen für Arbeitsunfähigkeit. Vor allem Depressionen sind auf dem Vormarsch und gelten laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde als Volkskrankheit.

Eine echte Institution für chronische Psychosen im Hochtaunuskreis ist die Kontakt- und Beratungsstelle des Diakonischen Werks Hochtaunus, die seit 25 Jahren Betroffenen zur Seite steht und Hilfe anbietet. „Jeder, der zu uns kommt, macht das freiwillig, aus eigener Motivation heraus. Er wird ganz unkompliziert beraten und bei Bedarf vermitteln wir ihm weitere Kontakte, die ihm bei seinem Problem weiterhelfen können“, sagt Michael Hibler, Leiter des Diakonischen Werks Hochtaunus. „1998 kamen etwa 290 Menschen zu uns. In den vergangenen fünf Jahren waren es pro Jahr etwa um die 400“, sagt Hibler. Allerdings sage dies nicht zwingend aus, dass die Zahl der Betroffenen über die Jahre zugenommen habe. „Jeder, der nur das Gefühl hat, dass mit ihm etwas nicht stimmt, kann zu uns kommen. Wir brauchen keine Diagnosen. Das gilt natürlich auch für deren Angehörige“, sagt Beraterin Anja Mahne.

Menschen mit Psychosen vereinsamen

Sie ist eine von vier Mitarbeitern, die an vorderster Front für die Klienten bereit stehen. Wie sehen genau die Symptome aus, in welcher Lebenssituation befindet sich der Klient, was braucht er? Eine Therapie? Medikamente? Die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle vermittelt in solchen Fällen. Auch wenn es akut wird. Dann wird entsprechend mit einer Klinik Kontakt aufgenommen. Allerdings immer mit Zustimmung des Klienten. Ihm steht es jederzeit frei, wann er kommen und gehen möchte. „Menschen mit einer Psychose neigen dazu, sehr schnell zu vereinsamen. Wir sind nicht selten der erste oder sogar der einzige Ansprechpartner. Umso wichtiger ist es, in den Einzelgesprächen Fingerspitzengefühl zu bewahren“, sagt Mahne. Doch damit hört das Angebot nicht auf. Im Clubcafé haben die Betroffenen die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. Das gilt übrigens auch für Angehörige, Freunde und Bekannte.

Viele der Menschen, die zu Anja Mahne kommen, leiden außerdem an einem vermindertem Selbstbewusstsein, halten sich für Versager. „Wir versuchen, ihnen ein neues Lebensgefühl zu vermitteln, indem wir schauen, was dem Klienten früher Spaß gemacht hat oder worin er einmal gut war. Diese Fähigkeiten wollen wir wieder aktivieren“, sagt Mahne. „Sei es nun Häkeln oder irgendeine Sammelleidenschaft.“ Weiterer wichtiger Punkt: Die wirtschaftliche Situation. Hibler: „Wir helfen dass der Betroffene jede finanzielle Unterstützung bekommt, die ihm laut Gesetz zusteht.“

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