Horror im Hirn: Wenn Träume zur Qual werden

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Horrorszenario im Schlaf: Viele Menschen leiden an chronischen Albträumen. Dabei kann die Häufigkeit in nur wenigen Therapiesitzungen reduziert werden.

Region Rhein-Main – In der Nacht kommt der Horror. Mit perfider Sicherheit. Etwa fünf Prozent aller Menschen haben panische Angst vor dem Einschlafen. Denn sie wissen: Statt sich auszuruhen, durchleben sie Höllenqualen. Von Dirk Beutel

Die Uni-Psychologin Regina Steil kämpft gegen chronische Albträume und will jetzt mit einer neuen Studie einen Schritt weiter mit ihrer Forschung gehen.

Ein nie endender Sturz ins Nichts, man ist kurz vor dem Ertrinken, aber niemand reicht eine helfende Hand. Man wird verfolgt, will um Hilfe schreien, doch die Lippen sind gelähmt. Viele tausend Menschen wachen Nacht für Nacht schweißgebadet und mit Herzrasen auf, voller Angst. Schon wieder ein grauenvoller Albtraum.

Angst vor dem Horror-Trip

Die Betroffenen durchleben während ihres Schlafes echte Höllenqualen – bis hin zur Todesangst. Wenn sich solche Träume häufen, können sie sogar Einfluss auf das wahre Leben haben. Depressionen, Stress und Anspannung können dann zu ständigen Begleitern im Alltag werden. Dazu kommt der ständige Schlafmangel. Denn die Betroffenen zögern das Einschlafen solange wie möglich hinaus, um nicht schon wieder in den Horror-Strudel zu geraten.

Die Uni-Psychologin Regina Steil von der Verhaltenstherapie-Ambulanz in Frankfurt und ihre Mitarbeiter forschen seit etwa viereinhalb Jahren, um chronische Albträume zu bekämpfen. Aber wann werden Albträume chronisch? „Wer mindestens sechs Monate hinweg, jede Woche einen Albtraum hat und daraus auch mit einem negativen Gefühl aufwacht“, sagt Steil.

Ziel der Therapie: Albträume sollen aufhören

Ihr Ziel ist es, nicht heraus zu finden, warum jemand diese Träume hat, sondern dass sie aufhören. „Nur wenige Betroffene wissen, wie schnell sie behandelt werden können“, sagt Steil. In einer Studie hat sie bereits nachgewiesen, dass man den Albträumen mit einer gezielten Therapie Herr werden kann. Jetzt will die Psychologin einen Schritt weiter gehen und in einer neuen Studie zwei Heilungsansätze auf ihre Wirkung hin miteinander vergleichen.

Sie klingen simpel, sind aber effektiv: Die direkte Konfrontation mit dem Albtraum, also darüber mit jemandem sprechen, kann schon zu einem Heilungsprozess führen. Ein weiterer Ansatz ist die Imagery Rehearsal Therapy (IRT). Die Patienten beschreiben ihren Traum, fügen ihm aber ein positives Ende hinzu, das sie selbst im Wachzustand erfinden. „Wenn jemand ins Bodenlose fällt, wird er zum Beispiel aufgefangen und landet in einem großen Bett mit weichen Kissen“, sagt Steil.

Mit beiden Konzepten hat sie schon Erfolge erzielt. Die Albträume wurden weniger, die Nächte ruhiger. Wie es überhaupt zu chronischen Albträumen überhaupt kommt, darüber hat Steil ihre eigene Vermutung: „So paradox es klingt, aber wenn jemand etwas unterdrückt, dass ihn quält, dann wird er öfter davon träumen.“

Wer bei der Vergleichsstudie mitmachen möchte, kann sich unter der Telefonnummer  (069) 79825107 oder alptraumstudiefrankfurt@ gmail.com melden.

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