Dieburger Rentner zieht Berufung zurück

Prozessende: Graf Koks beklagt sich über Justiz

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Der Fall um Graf Koks hat noch kein Ende gefunden. Dieburger 72-jähriger Rentner will Berufung einreichen.

Darmstadt/Dieburg – Nach seiner Verurteilung wegen versuchter Körperverletzung, Nötigung und Beleidigung hat der selbsternannte Graf Koks Berufung eingelegt. Dessen Verteidiger zog den Antrag aber wieder zurück. Von Dirk Beutel

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Da haben auch die Beruhigungsmittel nichts geholfen. Gerhard S. aus Dieburg ist am Darmstädter Landgericht wieder der Hut hochgegangen. Im Berufungsverfahren gegen ihn zeigte sich der herzkranke Rentner gewohnt angriffslustig. Doch was war passiert: Im September 2012 will der 72-Jährige nach Hause. Er fährt rückwärts im Schritttempo mit seinem Corsa entlang der Kirche Sankt Peter und Paul in Richtung seiner Garage. Die herkömmliche Einfahrt über die Steinstraße, die er sonst nehme, sei durch ein Polizeifahrzeug blockiert gewesen. Dass auf seinem Weg gerade zwei Polizisten in Zivil mit einem uniformierten Kollegen einen Ganoven verhaften, stört den Rentner nicht. Er fährt unbeirrt weiter, hupt. Zwei der Polizisten müssen zur Seite hechten, um sich in Sicherheit zu bringen. „Und wenn der Papst da stehen würde, darf ich fahren, ich habe eine Erlaubnis, und Sie haben da nichts zu suchen“, sagt der Dieburger.

Die Polizisten stoppen den Kleinwagen, wollen den Namen des Dieburgers erfahren. Der antwortet schroff mit „Graf Koks“. Mit „Deppen“ will der aufgebrachte Rentner die Polizisten allerdings nicht beleidigt haben. Er habe mit seinem Hund gesprochen.

Daraufhin verurteilte ihn das Amtsgericht Dieburg wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Beleidigung zu 1200 Euro Geldstrafe und sechs Monaten Fahrverbot.

Gerichtsverhandlung als Verschwörung gegen den Angeklagten

Bei der Berufungsverhandlung am Donnerstag wettert S.: „Die letzte Verhandlung war eine Verschwörung.“ Er bestreitet, mit Absicht gehupt zu haben, vielmehr sei er versehentlich an die Hupe geraten. Und es seien die Polizisten gewesen, die ihn mit Jähzorn und Arroganz behandelt haben sollen. Sie sollen S. sogar bedroht haben, als diese von ihm seine Ausweispapiere sehen wollten: „Einer ging mit seiner rechten Hand an das Pistolenhalfter.“

Richter Christoph Breuer zeigt sich verdutzt, erkennt in der Aussage des Angeklagten Widersprüche und Angaben, die er bei der ersten Verhandlung nie erwähnt hatte. „Wer soll ihnen denn diese Geschichte glauben, wenn sie sie einmal so und einmal so erzählen?“ Er rät, Gerhard S. seine Berufung zurückzuziehen und das Urteil anzunehmen. Ihm drohe von Oberstaatsanwältin Heike Thomas ein wesentlich längeres Fahrverbot.

Verteidiger Helmut Bäcker: „Die Vorfälle haben meinen Mandanten ganz stark geprägt. Es gibt für ihn kein anderes Thema. Er fühlt sich von der Justiz falsch behandelt. Sein Bild von Gerechtigkeit hat einen ziemlichen Knacks bekommen.“ Gerhard S. poltert: „Wer sich keinen guten Anwalt leisten und keine Zeugen bezahlen kann, der verliert immer:“ Nach kurzer Besprechung überzeugt Bäcker seinen Mandanten, der zähneknirschend den Berufungsantrag zurückzieht.

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