1,1 soll neuer Grenzwert werden

Uneinig: 1,6 Promille auf dem Fahrrad zu viel?

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Mit einem Promillewert von 1,6 aufs Fahrrad zu steigen, halten viele für gefährlich.

Region Rhein-Main – Wegen besorgniserregender Zahlen von Unfällen mit betrunkenen Fahrradfahrern fordert Verkehrsminister Peter Ramsauer die Absenkung der Promillegrenze von 1,6 auf 1,1. Sinnvoll oder nicht? Die Meinungen um den Promillewert gehen auseinander.  Von Fabienne Seibel

Der 51-jährige Yuosufzei Ahmed aus Heusenstamm sagt klar: Unter Alkoholeinfluss sollte man nicht aufs Rad: „Ich habe einen Unfall mit dem Fahrrad gehabt, weil ich vorher getrunken habe. Das war mir eine Lehre. Seitdem trinke ich keinen Alkohol mehr. Wenn man betrunken Fahrrad fährt, schadet man sich selbst und anderen.“

Dennoch hält man beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) wenig von einer Promille-Absenkung: „Der ADFC fordert nicht die Absenkung der Promillegrenze auf 1,1, sondern einen zusätzlichen Gefahrengrenzwert von 1,1 Promille bei Beibehaltung der absoluten Fahruntüchtigkeitsgrenze von 1,6 Promille“, sagt ADFC-Sprecherin Bettina Cibulski.

Grundsätzlich lehne der ADFC gleiche Werte für Kfz- und Fahrradfahrer ab, da das Gefahrenpotenzial beim Fahrrad deutlich geringer sei als beim Kraftfahrzeug. Cibulski: „Bedauerlich ist, dass diese Debatte so wenig sachlich und sehr emotional geführt wird. Sofort wird wieder auf die ‘bösen rücksichtslosen Rad-Rowdys’ eingehauen, obwohl dieses Phänomen im Straßenverkehr kaum vorkommt.“

Immer auf die "Rad-Rowdys"

Cibulski zufolge sei die Zahl der Alkoholunfälle von Radfahrern seit Jahren konstant und sei zuletzt sogar zurückgegangen.

Andrea Ackermann von Polizeipräsidium Südosthessen schließt aus den sinkenden Zahlen, dass Fahrradfahrer vernünftiger geworden seien. „Jeder der am Verkehr teilnimmt, sollte auch verkehrstüchtig sein. Das gilt auch für Fahrradfahrer.“ Gezielte Radfahrer-Kontrollen gebe es laut Manfred Füllhardt von der Polizei Frankfurt eher weniger. „Wenn ein Radfahrer durch unsichere Fahrweise auffällig wird, dann kontrollieren wir ihn.“

Und Achtung: Wer mit einem Promillewert von 1,6 aufs Fahrrad steigt, riskiert nicht nur seine Gesundheit. „Ab dann handelt es sich um eine Straftat. Der Radfahrer bekommt sieben Punkte in Flensburg und muss eine Geldstrafe in Höhe eines Monatsnettogehalts zahlen. Außerdem muss er eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung ablegen. Sollte er diese nicht bestehen oder verweigern, droht ihm der Entzug des Führerscheins“, so Katharina Lucà vom ADAC.

Ab 1,6 Promille: Straftat und Punkte in Flensburg

Der EXTRA TIPP hat seine Leser gefragt: Macht eine Promilleabsenkung für Fahrradfahrer Sinn? Die Abstimmung auf extratipp.com ergab einen eindeutigen Trend: 50 Prozent aller Teilnehmer halten eine Absenkung für angebracht, weil schon ein Promillewert von 1,1 das sichere Fahren im öffentlichen Straßenverkehr stark beeinträchtigen könne. Immerhin noch 37,5 Prozent waren der Meinung, dass generell auch bei Fahrradfahrern die gleiche Regel gelten sollte, wie bei Autofahrern. Heißt: Eine 0,5 Promillegrenze sollte her. 12,5 Prozent gaben anonym an, dass sie auch mit Alkohol im Blut noch sicher und vorausschauend mit dem Fahrrad unterwegs seien und eine Promilleabsenkung nicht nötig sei.

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