Probiert wenigstens mal den Apfelwein!

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Damals war die Apfelwein-Welt noch in Ordnung: Helmut Larsch mit seinem Schwiegervater hinter der Schützenhof-Theke.

Frankfurt – Riesige Resonanz auf den Bericht „Frankfurt stirbt den Äppler-Tod“. Viele Frankfurter Privat-Kelterer meldeten sich und prophezeien dem Apfelwein trotz der genannten Absatzeinbrüche eine große Zukunft. Doch der Kelterer Helmut Larsch ist anderer Meinung: „Die reden sich die Zukunft schön.“ Er fordert: „Probiert wenigstens mal unseren Apfelwein, sonst geht diese Kultur den Bach runter!“ Von Christian Reinartz

Helmut Larsch weiß, wovon er redet. Vor acht Jahren musste er sein legendäres Apfelwein-Lokal Schützenhof in Frankfurt Bergen dichtmachen. „Immer weniger Leute wollten Apfelwein trinken“, erinnert er sich. Seitdem ist die große Terrasse verwaist. Nur um Wäsche aufzuhängen, wird sie noch genutzt.

Der Untergang begann mit dem Bier auf der Speisekarte. „Damals wollte ich es möglichst vielen Leuten recht machen“, erinnert sich Larsch. Dass sich das Blatt gegen ihn und seinen Apfelwein wenden könnte, hatte er damals nicht geahnt. Die Folgen waren jedoch verheerend: Immer weniger Leute wollten Apfelwein, die Gästezahl schrumpfte. Denn Bier gab es wie heute in jeder Eckkneipe. Helmut Larsch: „Heute haben immer weniger junge Menschen Lust auf Apfelwein. Und die alten Frankfurter sterben einfach weg.“

Keltern um der alten Zeiten willen

Helmut Larsch hat seinen Schützenhof dicht machen müssen, weil zu wenige Leute Apfelwein trinken wollten.

Dennoch hat der ehemaligen Schützenhof-Wirt die Kelterei nicht aufgegeben, produziert selbst pro Jahr mehrere tausend Liter Apfelwein in den alten Holzfässern in seinem Gewölbekeller. Die wenigen Kanister, die er ab Hof verkauft, sind nicht mehr, als ein kleiner Nebenverdienst. „Ich mache das um der alten Zeiten willen“, sagt Larsch. Tagsüber arbeitet er im Fahrdienst.
Dass viele seiner Kelter-Kollegen immer noch die Fahne hochhalten, bewundert er. „Aber die müssen auch schauen, wie sie mit besonderen Produkten die Masse ansprechen“, sagt Larsch: „Der Apfelwein ist schon lange kein Selbstläufer mehr.“ Dass diese alte Tradition irgendwann wirklich aussterben könnte, bereitet ihm Kopfzerbrechen.
Deshalb fordert der ehemalige Schützenhof-Wirt nun alle jungen Frankfurter auf: „Probiert wenigstens mal einen Schoppen und lasst euch nicht nach einem Glas abschrecken. Dann werdet ihr merken, wie lecker der ,Äppelwoi’ ist!“

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