Mit dem Telefon befehligt er 30 Arbeits-Elefanten

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Kallol Kumar Gupta mit seiner Frau Barbara: Die beiden Leben in zwei Welten. Hier sind sie eine ganz normale Familie. In Indien ist er ein echter Prinz.

Frankfurt/Rodgau – Das Schloss des Prinz von Bengalen steht in Rodgau-Jügesheim und ist ein Reihenhaus. Dort residiert Prinz Kallol Gupta. Der ehemalige Frankfurter Banker regiert von dort sein Reich im Osten Indiens – per Telefon und Internet. Von Christian Reinartz

Kallol Kumar Gupta ist ein bescheidener Mann. Er will nicht in der Öffentlichkeit stehen. Viele seiner Bekannten ahnen nicht einmal, dass sie es mit einem echten Prinzen zu tun haben. Einem Prinzen, der Herr über 70.000 Hektar ist, der 30 Arbeitselefanten befehligt, der eine eigene Teeplantage besitzt. Und aus einem Geschlecht entstammt, das schon viele hundert Jahre alt ist. Sein Großvater, ehemals Prinz von Bengalen, hat Mutter Teresa sogar ihr erstes Ordenshaus gestiftet. Gupta ist das Tamtam um seine Herkunft offensichtlich unangenehm: „Ich bin doch nur ein ganz normaler Mann.

Der Prinz von Bengalen regiert per Internet, Webcam und Telefon

Dabei könnte das Leben, das der ehemalige Frankfurter Banker seit 50 Jahren führt, ungewöhnlicher nicht sein: Per Telefon steht Prinz Gupta von morgens bis abends in Verbindung mit seinen bengalischen Befehlsempfängern. Dank Internet und Webcam kann er neuerdings sogar von Angesicht zu Angesicht seine Befehle erteilen. Sein Bruder hat vor Ort zwar die Rolle des Stellvertreters übernommen. „Aber die letztendlichen Entscheidungen treffe immer ich“, sagt Gupta. Früher besuchte er zweimal pro Jahr seine Heimat. „Aber jetzt bin ich 71 und mache das nur noch alle zwei Jahre“, sagt Gupta. Im Rückblick ist der Prinz aus Rodgau stolz darauf, dass er nie Geld aus Indien abgezogen hat: „Alles was ich hier habe, habe ich mir auch hier erarbeitet“, sagt er stolz. Der sympathische Mann mit den wachen Augen lebt, seit er vor 50 Jahren nach Deutschland gekommen ist, in zwei Welten. Hier ist er mit einer Deutschen verheiratet, hat einen erwachsenen Sohn, ist im Golfverein aktiv, hat einen großen Freundeskreis und einen Jack Russell Terrier, der auf den Namen Mister Kit hört.

Seine Gutmütigkeit kostet ihn viel Geld

Kallol Kumar Gupta mit Mutter Teresa. Sein Großvater hat der Nonne ihr erstes Ordenshaus gestiftet.

In Indien ist Kallol Gupta der Herr eines Imperiums. Sein Amt bringt Macht mit sich. Viel Macht. Für seine Angestellten ist er als Prinz die oberste Instanz. „Was ich befehle, wird auch gemacht“, sagt Gupta und ein bisschen blitzt die Autorität in seinen Augen. „Aber hier zu Hause macht er so was nicht“, sagt seine Frau lachend. „Ich bin nach 50 Jahren ziemlich westlich geprägt“, erklärt Gupta. Eine Eigenschaft, die ihn viel Selbstbewusstsein und auch Geld kostet. Denn in Indien muss der Bengalen-Prinz auch Gericht halten. Peitschenhiebe sind dort ein reguläres Mittel der Bestrafung. „Aber ich verabscheue das und verhänge nie eine solche Strafe“, sagt Gupta: „Meiner Familie in Indien gefällt das überhaupt nicht.

Verzicht auf Recht der ersten Nacht

Sie verstehen auch nicht, dass Gupta auf das ihm zustehende „Recht der ersten Nacht“ verzichtet. Bei dem mittelalterlichen Brauch muss jede Braut vor ihrer Hochzeit das Bett mit dem König teilen. „Aber ich habe das noch nie eingelöst“, sagt der Bengalen-Prinz. „Meine Frau würde das auch gar nicht erlauben“, feixt er. Ungewöhnlich sei seine Haltung in Indien heutzutage nicht mehr: „Die Inder sind sehr fortschrittlich und die Frauen sehr emanzipiert“, erklärt Gupta: „Trotzdem prallen da immer noch zwei Welten aufeinander.

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