Trotz Preiskrieg – Bauer fordert: Trinkt mehr Milch!

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Am Milchautomaten auf dem Karlshof von Michael Dörr gibt‘s auch Erdbeer-Milchshakes. Hessen Landwirtschaftsministerin Silke Lautenschläger hat ihn schon probiert

Roßdorf - Der Preissturz bei Milch hält an. Nachdem zuletzt Anfang Mai der Handel die Preise für Milchprodukte um mehrere Cent senkte, purzelten sie in den vergangenen Tagen noch weiter. Heimische Milchbauern wie Michael Dörr aus Roßdorf bangen um ihre Existenz. Von Norman Körtge

220 Milchkühe hat Michael Dörr auf dem Karlshof bei Roßdorf stehen. Damit ist er einer der größten Milchproduzenten in der Region. Jede von Dörrs Kühen produziert im Jahr zirka 9000 Liter Milch. Macht zusammen knapp zwei Millionen Liter. Viel Freude hat er an dieser riesigen Menge nicht. Denn er macht damit keinen Gewinn. 21 Cent zahlt ihm die Molkerei für den Liter Milch. Mindestens 35 Cent müssten es aber beim Karlshof sein, damit die variablen Kosten wie Futter gedeckt werden können. Auf Dauer müssten da noch fünf bis zehn Cent drauf gepackt werden, damit Dörr seinen Tieren weiterhin einen hohen Komfort sichern und damit eine gute Qualität liefern kann.

Doch danach schaut‘s derzeit nicht aus. Die Folge: Dörr selbst und die drei weiteren Familienangehörigen, die auf dem Hof tätig sind, arbeiten derzeit faktisch für umsonst. Denn einen Gewinn, der für Lohn notwendig ist, gibt‘s nicht.

Dennoch arbeitet Dörr zwischen 80 und 90 Stunden die Woche.Ihm bleibt auch gar nichts anderes übrig. Dörr hat sich aufs Milchvieh spezialisiert. Ein Umschwenken je nach Wirtschaftslage ist da nicht möglich. Hinzu kommt, dass er in den vergangenen Jahren etwa zwei Millionen Euro in einen neuen Stall und eine Biogasanlage investiert hat. Jetzt heißt für ihn die Devise: Irgendwie das Preistief überleben.

Dabei setzt der Roßdorfer vor allem auf die Verbraucher. Wenn die Leute viel Milch und Milchprodukte kaufen, dann geht‘s auch uns gut, meint Dörr. Zwar würde er es natürlich auch lieber sehen, wenn die Produkte in den Supermärkten zu einem für die Produzenten fairen Preis angeboten würden. Aber Kaufzurückhaltung wäre noch schlimmer, sagt er. Deshalb ganz klar seine Aussage: Trinkt Milch, esst Joghurt und Käse.

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