Pralle Brüste „made in Dieburg“

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Das Geschäft mit der Schönheit: Weltweit rangiert der Dieburger Implantate-Hersteller auf Platz drei.

Dieburg – Gina-Lisa Lohfink hat sie, Pamela Anderson und Ramona Drews auch – Silikonbrüste. Was keiner vermuten mag: Möglicherweise kommen die prallen Kissen aus dem beschaulichen Dieburg. Von Angelika Pöppel

Silikonkissen machen schön, sind weich, aber auch ganz schön hartnäckig: Acht Wochen werden Brustimplantate von einer Maschine 36 Millionen Mal bearbeitet. Die Maschine simuliert das Joggen und kommt dabei einer Frau gleich, die 180 Jahre lang jede Woche zehn Kilometer joggt.

Busenimplantate werden auf ihre Ausdauer getestet

Bei einem anderen Test fällt ein Gewicht auf das Implantat herab – eine Simulation eines Unfalls, bei dem ein Auto mit Tempo 45 ungebremst auf eine Wand kracht. Oliver Bögershausen testet in Dieburg die Qualität von Silikonimplantaten: „Die Rippen einer Frau wären danach fünffach gebrochen.“ Doch das Implantat bleibt unversehrt. Erst bei einer Belastung von 800 Kilo platzt das Kissen auf. Dabei fließt aber keine Flüssigkeit aus. „Seit Jahrzehnten sind Implantate nicht mehr mit Flüssigkeit gefüllt und deshalb kann auch nichts auslaufen“, erklärt der Qualitätsmanager von Polytech. Er arbeitet für die einzige Firma überhaupt in Deutschland die Implantate herstellt – 60.000 Stück im Jahr. Auch im Flugzeug besteht keine Gefahr: „Das ist ein Märchen – Implantate platzen nicht wegen der Druckveränderung“, erklärt Bögershausen. Genauso ist das Tauchen nach einer Schönheits-OP kein Problem.

Die Implantate polstern Waden, Brüste oder den Hintern auf. Die kleinen Plastikkissen verhelfen faulen Bodybuildern zu Muskeln, mageren Models zu Rundungen, aber auch Unfallopfern zu einer gesunden Erscheinung.

Waden-Implantate und Ersatz-Hoden sind keine Seltenheit

Silikonkissen für Waden, das Gesicht oder als Ersatz-Hoden für Krebspatienten sind seltener. In Dieburg machen rund 90 Prozent der gesamten Produktion die Brustimplantate für Frauen aus. Und nur ein kleiner Teil davon wird für Frauen produziert, die aufgrund einer Krankheit ihren Busen amputieren lassen mussten. Das Hauptgeschäft wird immer noch mit der Schönheit gemacht. Doch XXL-Exemplare wie bei Lolo Ferrari seien Einzelfälle, sagt Bögershausen. Das beliebteste Brustimplantat in Deutschland wiegt 200 Gramm und hat eine natürliche Tropfenform. Das entspricht einer Körbchengröße C.

Die Silikon-Stätte in Dieburg beliefert Privatpraxen und Krankenhäuser, auch in ganz Europa und Südamerika – dass sei zur Zeit, nach den USA, der größte Markt. „Es gibt rund zehn Produktionsfirmen auf der ganzen Welt, wir sehen uns auf Platz drei“, sagt Bögershausen. Er halte nichts von der Produktion in Billiglohnländern. Denn in Dieburg könne er selbst jeden Tag die Arbeit und die Produkte kontrollieren.

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