„Früher waren Schlagersänger meine natürlichen Feinde“

Pop-Sänger Markus Mörl über seine Krankheit und den Fluch und Segen alter Hits

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In den 80ern hatte er Spaß, gab Gas und sang mit Nena im Duett. Nachdem er eine heimtückische Nervenkrankheit überwunden hat, will der Neue-Deutsche-Welle-Star Markus Mörl  wieder zurück mit neuen Hits auf die Party-Überholspur, auch mit Schlagermusik. Von Dirk Beutel 

Zuletzt waren Sie in den Schlagzeilen, weil Sie an der seltenen Trigeminus-Neuralgie-Krankheit gelitten haben. Sie haben sich operieren lassen. Wie geht´s Ihnen heute?

Gesundheitlich geht´s mir heute sehr gut. Das war eine Sache, die ich leider von meiner Mutter geerbt habe. Gut, man kann sich nicht alles aussuchen im Leben. Am Anfang dachte ich, es sind nur Zahnschmerzen, aber es wurde mit der Zeit immer schlimmer. Mit Medikamenten konnte ich die Sache lange Zeit im Griff behalten aber auf einmal ist es völlig ausgeufert. Auf der Bühne musst du locker sein und lachen und diese Krankheit ist heimtückisch: Sie überfällt dich gerade dann, wenn du aufgeregt bist, unter Stress stehst. Also eigentlich kurz vor deinem Auftritt. Nicht ideal für Sänger.

Wer im Pop-Geschäft arbeitet, soll gut drauf sein, immer ein Lächeln parat haben. Kennen Sie andere deutsche Pop-Stars, denen es ähnlich wie Ihnen ergangen ist?

Wie in jedem anderen Bereich sind das alles ja auch normale Menschen mit Problemen, die jeder andere auch hat. Eheprobleme, Geldsorgen und eben die Gesundheit. Das meiste ist ja nun wirklich auch bekannt. Wer im Musikgeschäft in der Öffentlichkeit steht, kann gar nicht alles geheim halten. Ob man nun das Leben von Udo Lindenberg, Gunter Gabriel oder Nino de Angelo nimmt. Man müsste halt echt im Wald leben oder unterm Stein, aber wer will das schon?

Woran arbeiten Sie gerade im Studio?

Vor drei, vier Jahren habe ich wieder angefangen im Studio zu arbeiten. Da kam die Platte „Alles kommt, wie´s kommt“ heraus, und die letzte Single kam im Herbst: „Ich bin nicht Spiderman“. Beide waren in den Media Control Charts eine Nummer eins, das ist mir gelungen. Meine aktuelle Single heißt „Wahre Lügen“.

Ihre erfolgreichste Zeit ist lange her, trotzdem haben die Leute Sie nicht vergessen...

Darüber freue ich mich natürlich sehr. Eine bestimmte Generation verbindet damit natürlich angenehme Erinnerungen. Die erste Freundin, der erste Freund, Küssen, das erste Mal den Partykeller vollgekotzt – das sind alles Erinnerungen, die man mit der Neuen Deutschen Welle verbindet. Viele haben sich auch bei „Kleine Taschenlampe“ kennengelernt oder das erste Mal zusammen getanzt. Da sind eine Menge Ehen gestiftet worden. Ich hoffe darauf, dass das auch mit den neuen Titeln weiter so bleibt. Natürlich will man gerade mit seiner aktuellen Musik wahrgenommen werden, aber das wird immer schwieriger. Die Menge an Medien ist wahnsinnig groß, da braucht´s schon einen ganz starken Reiz.

Was haben Sie anders gemacht als andere Kollegen aus der Neue-Deutsche-Welle-Zeit, von denen man heute nichts mehr hört?

Ich habe versucht, musikalisch andere Sachen zu machen. Da war ich immer neugierig. Das bin ich bis heute. Und Musik machen macht mir eben einfach Spaß. Ich bin zwar immer noch ein romantischer Typ, der die 80er gut findet aber ich liebe neue Musik. Letztes Jahr war ich etwa zum ersten Mal auf dem World Gothic Treffen in Leipzig. Wenn die Leute sagen, moderne Musik hört sich gleich an, da gibt´s nichts neues, stimmt das einfach nicht. Junge Leute müssen sich immer abgrenzen und neu erfinden, sonst wäre ja Stillstand. Und auf das Neue bin ich immer gespannt. So wie bei Madonna oder Nena, die machen das ähnlich, indem sie sich ständig neu erfinden.

Haben Sie beide noch Kontakt?

Lockeren Kontakt, das letzte Mal haben wir uns bei ihrem Geburtstag gesehen.

Stört es nicht, dass Sie die Leute vor allem wegen Ihrer alter Hits ansprechen?

Nö, aber das war damals ja gar nicht so ernst gemeint. Der Look, die Stimme – alles etwas überdreht und ironisch. Das Lied „Ich will Spaß“ ist zum Beispiel Fluch und Segen zugleich. Segen, weil ich die Nummer heute immer noch singen darf – kein Segen, da ich den Song damals in einer viel zu hohen Tonlage gesungen habe.

Wie hat sich denn das Popgeschäft verändert?

Ich bewundere junge Bands, die sich da ihren Weg bahnen. Ich glaube, es ist heute viel schwieriger geworden sich abzusetzen als früher. In den 80ern brauchte man für eine Produktion erstmal Geld und eine Plattenfirma. Heute sind Plattenfirmen nicht mehr so wichtig und es gibt viele Möglichkeiten etwas aufzunehmen, sei es mit dem Laptop oder sogar mit dem Handy. Aber die Idee muss halt trotzdem was taugen.

Sie haben mal gesagt, jede Generation hat ihre neue Welle. Wie gefällt Ihnen aktuelle deutschsprachige Musik?

Finde ich große Klasse. Jetzt gerade habe ich mir den deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest angesehen. Die Band Laing hat mich total beeindruckt. Alles was ich an Musik liebe, höre ich bei denen: Ungewöhnliche Arrangements, ungewöhnliche Texte. Wer etwas wagt und originell ist, wird sich immer durchsetzen, auch wenn der Job des Musikers immer schwieriger geworden ist.

Ihre Fans erleben Sie das nächste Mal bei der Großen Schlagerparty. Ist das jetzt Ihre Musikrichtung in der Sie Gas geben wollen?

Schlager hat sich ja längst gewandelt. Früher waren Schlagersänger die natürlichen Feinde der Neuen Deutschen Welle. Da dachte so mancher Kollege er sei etwas besseres. Aber es gibt ja so vieles, das die beiden Genres verbindet, nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch das Lebensgefühl beim Feiern. Und das wollen wir ja auch am 27. März im Check Inn: Party feiern und ich denke, immer noch Spaß haben, oder?

 

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Dirk Beutel

Dirk Beutel

E-Mail:dirk.beutel@extratipp.com

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