Pollenalarm nach hartem Winter

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Pollenalarm nach hartem Winter.

Offenbach – Des einen Freud ist des anderen Leid: Während sich die meisten nach Schnee, Eis und Kälte nach dem Frühling sehnen, stehen Pollen-Allergiker vor der schwersten Jahreszeit. Die wird dieses Jahr besonders hart. Von Andreas Einbock

Augentränen, Dauerniesen, Hustenreiz, juckende Ausschläge bis hin zur Atemnot: Unter diesen Symptomen leiden laut Deutschem Allergie- und Asthmabund (DAAB) inzwischen rund 16 Prozent der Deutschen, bis 2050 könnte sogar jeder Zweite davon betroffen sein.

Für sie dürfte sich die Vorfreude auf den Frühling in diesem Jahr in Grenzen halten, was Professor Karl-Christian Bergmann von der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst in Berlin erklärt: „Alle zwei Jahre gibt es ein so genanntes Mastjahr, in dem die Blüten besonders stark auftreten. Das trifft auch dieses Jahr zu.“

Bald blüht alles auf einmal auf

Joachim Bargon.

Zur erholten und gestärkten Natur komme außerdem noch der harte Winter mit seiner langen und dichten Schneedecke. „Dadurch hat sich die Blüte von Haselnuss und Erle nach hinten verschoben. Das führt dazu, dass mehrere Baumarten gleichzeitig blühen und somit eine Vielzahl von Pollen stärker als sonst freigesetzt werden“, sagt Bergmann und ergänzt: „Der Zeitraum, in dem mehrere Pollen gleichzeitig unterwegs  sind, wird dieses Mal länger werden.“

Der richtige Startschuss der Pollenflugzeit erfolgt aber erst in etwa einer Woche. Dann muss sich auch der Frankfurter Chefarzt und Allergologe im St.-Elisabethen-Krankenhaus Professor Joachim Bargon auf ein stärker mit Pollenallergikern gefülltes Wartezimmer einstellen. „Dadurch dass es dieses Jahr länger als gewöhnlich kalt war, rechne ich mit einem schnelleren Aufblühen der Natur und einer explosionsartigen Verbreitung der Pollen“, sagt Bargon.

Birkenpollen sind für die meisten am schlimmsten

Schlagen bald wieder zu: Birkenpollen.

Vor allem die Birkenpollen machen es seinen Patienten am meisten zu schaffen. „Ihre Anzahl hatte in der Vergangenheit stark zugenommen.“ Das liege seiner Einschätzung nach auch an dem Faktor Stadt, der eine gesteigerte Feinstaubbelastung mit sich bringe. „Dadurch wird diese Pollenart noch aggressiver“, so der Experte. Auch die Erderwärmung mache es den Allergikern nicht leicht. So habe sich das Traubenkraut Ambrosia in Frankfurt verbreitet und erste Allergiker befallen.
Viele würden das Allergieproblem unterschätzen und mit einer Selbstmedikation durch so genannte Antihisteminika in Augen- oder Nasentropfen einen Etagenwechsel zur Lunge verursachen: „Doch wenn aus dem Heuschnupfen erst ein Asthma geworden ist, hat auch eine Hypersensibilisierung keine Chance mehr.“ Statt zu abschwellenden Nasentropfen zu greifen, rät Bargon zu einer Nasendusche.

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